Prozessauftakt Feuer frei auf Altana

Die Milliardenausschüttung nach dem Verkauf des Pharmageschäfts von Altana an Nycomed hat ein gerichtliches Nachspiel. Am Dienstag beginnt der Prozess des Umzugsunternehmers Klaus Zapf gegen den Chemiekonzern. Dabei bekommt der Altana-Aktionär Unterstützung von geheimnisvollen Helfern.

Hamburg - Susanne Klatten ist eine reiche Frau, die ihr Vermögen geschickt zu mehren weiß. Erst vor wenigen Monaten klingelte bei der Tochter des vor 25 Jahren verstorbenen Großindustriellen Herbert Quandt die Kasse - die 45-Jährige kassierte als Altana-Großaktionärin rund 2,4 Milliarden Euro Sonderdividende.

Der Grund: Anfang Mai beschloss die Hauptversammlung des Chemiekonzerns , an dem Klatten 50,1 Prozent der Anteile hält, den Erlös aus dem Verkauf des Arzneigeschäfts komplett auszuschütten. Altana  hatte die Pharmasparte zuvor für 4,7 Milliarden Euro an den von Finanzinvestoren kontrollierten dänischen Chemiekonzern Nycomed veräußert.

Für Klatten ein Grund zur Freude, sogar im doppelten Sinne. Denn während die Kleinanleger ihren Teil nach dem Halbeinkünfteverfahren versteuern mussten, konnte die Großaktionärin ihren Anteil der Milliardenausschüttung steuerfrei verbuchen. Genau das brachte viele Otto-Normal-Aktionäre auf die Palme: Sie fühlten sich benachteiligt. Bei den Hauptversammlungen im Dezember und Mai kritisierten sie, der Verkauf sei auf Klattens Bedürfnisse zugeschnitten.

Zwei Anlegern ging der Deal dermaßen gegen den Strich, dass sie vor Gericht zogen. Der Berliner Umzugsunternehmer Klaus Zapf ist einer von ihnen. Der Chef von Europas größter Umzugsfirma hat offenbar eine Leidenschaft für Klagen: Laut einem Arbeitspapier des Institute for Law and Finance (ILF) der Frankfurter Universität, das die Anfechtungsklagen in Deutschland von November 2005 bis Juni 2007 auswertete, landete Zapf auf dem zehnten Platz der "Top-20-Kläger" deutschlandweit. Für eine Stellungnahme war Zapf nicht zu erreichen.

Bei dem zweiten Altana-Kläger handelt es sich um das Unternehmen Pomoschnik Rabotajet (russisch: "Der Helfer arbeitet"). Ihrem Namen macht die GmbH alle Ehre, zumindest wenn es um Anfechtungsklagen geht: Diese werden von den Mitarbeitern offenbar äußerst fleißig bearbeitet. Auf der ILF-Rangliste nimmt die Gesellschaft mit 17 Klagen den siebten Platz der streitlustigsten Kläger ein. Der Inhaber der Pomoschnik Rabotajet: Klaus Zapf.

"Der Helfer arbeitet" geheimnisvoll

"Der Helfer arbeitet" geheimnisvoll

Womit das Unternehmen sonst Geld verdient, bleibt im Dunkeln; eine Firmenwebseite gibt es nicht. Zumeist taucht der Name Pomoschnik Rabotajet im Zusammenhang mit der außergewöhnlich hohen Zahl von Anfechtungsklagen auf. Die Bonitätsauskunft Creditreform beschreibt die Geschäftstätigkeit der Firma als den "Erwerb, die Veräußerung und Verwaltung von Beteiligungen als eigenes Vermögen zu eigenen Zwecken. Ferner die Unternehmensberatung".

Zapf und die Firma mit dem russischen Namen gingen im Doppelpack auch gegen andere Unternehmen vor. So schloss beispielsweise die Mensch und Maschine Software AG mit ihnen einen Vergleich, nachdem Zapf und Co. gegen die Umwandlung des Unternehmens in eine Europäische Aktiengesellschaft geklagt hatten. Kritiker bezeichnen die Streithähne deshalb schon mal als "Klägerkartell", "Berufsopponenten" oder "Klagegewerbe". Denn nicht zuletzt lässt sich mit erfolgreichen Anfechtungsklagen auch Geld verdienen.

Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass sich der Altana-Vorstand am Dienstag (2. Oktober) vor dem Landgericht Frankfurt verantworten muss. Kritische Worte hagelt es nicht nur von den Klägern: Wegen der Milliardenausschüttung landete der Konzern auch im "Schwarzbuch Börse", in dem die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) jährlich fragwürdige Vorgänge bei börsennotierten Unternehmen anprangert.

"Wir kritisieren darin, dass die Großaktionärin begünstigt wurde", sagt Reinhild Keitel, Mitglied im Vorstand der SdK, gegenüber manager-magazin.de. "Der Altana-Vorstand hätte Alternativen zu der Ausschüttung finden können, beispielsweise ein Spin-off. Dadurch hätte man die Anteilscheine des abgetrennten und an die Börse gebrachten Pharmageschäfts den Aktionären zuteilen können." Von einer Klage habe die SdK trotzdem Abstand genommen, da die Ausschüttung im Ermessensspielraum des Unternehmens liege und man die Schadensfrage nicht abschließend beurteilen könne.

Ein Altana-Sprecher sagte auf Anfrage von manager-magazin.de, man könne sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern. Er verwies lediglich auf ein sogenanntes Tracking-Zertifikat, das es Investoren ermöglichen sollte, von Januar bis Mai 2007 in den verbleibenden Bereich Spezialchemie zu investieren und dieses Zertifikat nach der Hauptversammlung im Mai in eine neue Altana-Aktie  umzutauschen. Diese Möglichkeit sei von vielen Aktionären offensichtlich nicht genutzt worden.

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