Wyser-Pratte "Wir wollen bei Tui aufräumen"

Der Einstieg von Guy Wyser-Pratte beim Dax-Konzern Tui hat am Freitag für Aufsehen gesorgt - der Aktienkurs des Unternehmens stieg um mehr als 4 Prozent. manager-magazin.de sprach mit dem US-Investor über seine Pläne bei Tui.
Von Andreas Nölting

mm.de: Herr Wyser-Pratte, Sie haben sich mit rund 1 Prozent am Aktienkapital der Tui  beteiligt. Damit werden Sie dem Vorstandsvorsitzenden Michael Frenzel sicherlich keine große Angst einflößen.

Wyser-Pratte: Glauben Sie das wirklich? Die Zeitungen und die Börse in Deutschland sehen das anders. Schauen Sie, was wir mit Minderheitsbeteiligungen bei anderen Konzernen erreicht haben. Nicht die Höhe der Beteiligungen allein ist entscheidend. Wichtig sind die unternehmerischen Ideen, die ein Investor mitbringt.

mm.de: Was haben Sie denn bei Tui vor?

Wyser-Pratte: Ich bezweifele, dass es heutzutage noch eine rationale ökonomische Begründung für ein Konglomerat wie Tui gibt. Wir werden uns jetzt daranmachen, diese Ineffizienzen transparent zu machen. Warum gibt es im Tui-Konzern noch immer zwei Headquarter? Warum gibt es kein klares und aussagekräftiges Reporting? Ich beobachte bei Konglomeraten immer wieder einen unbändigen Drang zu Größe. Da werden ökonomisch nicht zu rechtfertigende Akquisitionen gemacht, ich nenne das Konglomerat-Hybris, nur um als Großkonzern bewundert zu werden und sich selber entsprechend hohe Vorstandsgehälter zu zahlen.

mm.de: Haben Sie darüber schon mit Herrn Frenzel gesprochen?

Wyser-Pratte: Nein.

mm.de: Wollen Sie das demnächst tun?

Wyser-Pratte: Das werden wir sehen. Wenn Herr Frenzel an einem ernsthaften Gespräch interessiert sein sollte, werde ich das tun.

mm.de: Haben Sie sich schon mit anderen Tui-Aktionären ausgetauscht?

Wyser-Pratte: Oh ja, das habe ich. Die sind sehr froh, dass ich jetzt an ihrer Seite stehe.

mm.de: Und gemeinsam wollen Sie jetzt das Konglomerat Tui zerschlagen, womöglich das Schifffahrtsgeschäft verkaufen und so Aktionärswerte heben?

Wyser-Pratte: Davon habe ich doch nichts gesagt. Zunächst muss der Konzern restrukturiert werden. Mit anderen Worten: Wir wollen vorerst versuchen, möglichst viel Aktionärswert aus der vorhandenen Konglomeratsstruktur zu heben. Dazu allerdings muss es im Tui-Konzern ein modernes Reportingsystem geben, das der Markt versteht. Wie sollen wir sonst die verschiedenen Teile des Konglomerats richtig bewerten können?

mm.de: Wenn es Widerstand gegen Ihre Pläne gibt, werden Sie dann Ihren Anteil an der Tui erhöhen?

Wyser-Pratte: Entweder das, oder ich suche mir noch mehr Verbündete.