Konjunktur Kaufstreik schwächt Wirtschaft

Die seit längerem erwartete Konsumbelebung in Deutschland lässt auf sich warten. Im Gegenteil: Im August ist der Einzelhandelsumsatz sogar überraschend gesunken. Experten warnen vor Gefahren für die Gesamtwirtschaft.

Wiesbaden/Frankfurt am Main - Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sei der Umsatz nominal um 1,2 Prozent und real - also preisbereinigt - um 2,2 Prozent zurückgegangen, teilte das Statistische Bundesamt unter Berufung auf vorläufige Daten aus sieben Bundesländern am Freitag mit.

Die größten realen Umsatzrückgänge verzeichneten dabei der Versandhandel und der sonstige Facheinzelhandel, etwa mit Büchern oder Schmuck.

Gegenüber dem Vormonat ist der Umsatz den Angaben zufolge unter Berücksichtigung von Saison- und Kalendereffekten nominal um 1,1 Prozent und real um 1,4 Prozent zurückgegangen. Bei letzterem hatten Experten im Durchschnitt ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. Von Januar bis August 2007 setzte der Einzelhandel nominal 0,9 Prozent und real 1,6 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum um.

Die Bundesbank bestätigte die Entwicklung mit eigenen Zahlen, die auch die Kraftfahrzeug-Verkäufe und die Umsätze an Tankstellen im August enthalten. Wie die Bank am Freitag in Frankfurt am Main mitteilte, verringerten sich die Umsätze gegenüber dem Vorjahresmonat real um 3,2 Prozent. Gegenüber dem Vormonat ergab sich saison- und kalenderbereinigt ein Rückgang um real 0,1 Prozent.

Keine Besserung in Sicht

Volkswirte äußerten unterdessen Zweifel daran, dass der Konsum im kommenden Jahr wie erhofft zur Stütze der deutschen Konjunktur werden kann. "Mit einem Rückgang der Sparquote ist angesichts der anhaltenden Diskussion um die Altersvorsorge nicht zu rechnen, eher dürfte sie - wie in einem Aufschwung sowieso üblich - noch zulegen", sagte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen.

UniCredit-Volkswirt Andreas Rees schlug gar warnende Töne an: "Wir sehen die Gefahr, dass die deutschen Verbraucher eine Chance verpassen. Wenn sie ihre Konsumverweigerung fortsetzen, wird die Wirtschaft zunehmend anfällig für exogene Schocks wie die Finanzkrise und den steigenden Euro-Kurs", sagte er.

Beide Volkswirte verwiesen darauf, dass angesichts zunehmender Beschäftigung und steigender verfügbarer Einkommen eigentlich alle Zutaten für einen Konsumaufschwung im Rest des Jahres vorhanden seien.

manager-magazin.de mit Material von ddp