Offene Gesellschaft Warum Frauen wirklich nicht einparken können ...

... weil sie nämlich viel zu selten gewalttätige Computerspiele spielen. Das wollen zumindest kanadische Wissenschaftler herausgefunden haben.

Wenn es heute um Unterschiede zwischen Mann und Frau geht, dann gibt es nach gängiger Lesart einen klaren Schuldigen: die Mammuts. Sie sollen unter anderem dazu beigetragen haben, dass Frauen heute nicht vernünftig einparken, dafür aber besser Konflikte lösen können.

Weil die Frauen nämlich früher in der Höhle blieben, sich um die Kinder kümmerten, und allenfalls mal ein paar Pilze sammelten, trainierten sie genau diese Fähigkeit. Die Männer hingegen gingen auf die Jagd, mussten abschätzen, wie weit der Speer fliegen würde und wie groß eine Fallgrube sein muss, damit das Mammut hineintappt. Kurz: Sie mussten ihr räumliches Vorstellungsvermögen trainieren, ähnlich wie beim Einparken.

Doch nur in Saudi-Arabien hat man die einzig richtige Schlussfolgerung aus der Mammut-Theorie gezogen und den Frauen das Autofahren gleich verboten.

Noch vor zehn Jahren hätte man sich in gebildeten Kreisen lächerlich gemacht mit eben jener Generalthese, dass genetisch-evolutionär bedingte Unterschiede Frauen zu anderen Dingen befähigen als Männer. Doch dank des Dauerfeuers einiger mehr oder weniger ernst zu nehmender Publizisten ist die Mammut-These inzwischen fast schon gesellschaftlicher Mainstream. Bester Beleg: die Erfolge von Büchern wie "Das Eva-Prinzip" (Eva Herman), "Minimum" (Frank Schirrmacher) oder "Das weibliche Gehirn - warum Frauen anders sind als Männer" (Louann Brizendine).

Doch jetzt gibt es endlich Munition für die Gegenseite. Jene hoffnungslos in die Defensive geratene Gemeinde, die noch immer glaubt: Unterschiedliche Fähigkeiten zwischen Mann und Frau liegen vor allem an Unterschieden in der Erziehung und in den geschlechterspezifischen Erwartungen, die die Umwelt an Männer und Frauen richtet, kurz: Schuld habe die Gesellschaft, nicht das Genom.

In einem Experiment haben jetzt Wissenschaftler der Universität Toronto unter der Führung des Psychologie-Professors Ian Spence Folgendes herausgefunden: Männer haben (Feministinnen! Jetzt ganz stark sein!) zwar im Schnitt tatsächlich ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen als Frauen. Auf den ersten Blick ein Beleg für die Mammut-These.

Was Ballern mit Einparken zu tun hat

Was Ballern mit Einparken zu tun hat

Doch dann ließen die Wissenschaftler ihre Probanden vor dem eigentlichen Test ein paar Runden eines Computerspiels namens "Medal of Honour: Pacific Assault" spielen. Und siehe da: Die Unterschiede verschwanden.

Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich bei "Pacific Assault" um ein pädagogisch wertvolles, gewaltfreies Strategiespiel, das kooperatives Verhalten belohnt und ... nein, Quatsch: Es handelt sich natürlich um eines jener grandios stupiden Computer-Ballerspiele, die in bürgerlichen Kreisen normalerweise herhalten müssen als Ursache für den Untergang des Abendlands, das Schulmassaker von Erfurt, das Ozonloch und auch sonst noch einiges.

Ganz nebenbei aber kann man mit Ballerspielen offenbar hervorragend sein räumliches Vorstellungsvermögen trainieren. Eigentlich einleuchtend, schließlich muss man dabei unter Zeitdruck durch enge, unbekannte Wege navigieren und dabei noch mitkriegen, welche Gefahren links und rechts lauern. Genau wie beim Einparken.

Nun sind Ballerspiele bekanntlich eine typische Freizeitbeschäftigung pickliger, pubertierender Bengel, die auf diese Weise ihren Frust darüber bekämpfen, dass alle hübschen gleichaltrigen Mädchen schon mit so einem blöden Schnösel aus der Oberstufe zusammen sind. Kurz: Jungs spielen aufgrund ihrer Erziehung und ihrer Sozialisation durch den Freundeskreis häufiger am Computer als Mädchen und gehen womöglich noch anderen, ähnlich gelagerten Hobbys nach. Damit trainieren Männer ihr räumliches Vorstellungsvermögen und können deshalb, wenn sie endlich einen Führerschein haben, auch besser einparken als die Frauen.

Das Mammut hat Ruh.

Vielleicht sollte man noch anfügen, dass es sich bislang lediglich um ein einziges, wenn auch sauber durchgeführtes und in einer Fachzeitschrift namens "Psychological Science" veröffentlichtes Experiment handelt. Andererseits: Den Verfechtern der Mammut-These reichen weitaus dürftigere Belege, um uns weiszumachen, dass die Evolution Mann und Frau mit unabänderbar unterschiedlich geistigen Fähigkeiten ausgestattet hat und die Gesellschaft sich gefälligst danach richten sollte. Siehe zum Beispiel das einschlägige Schrifttum von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher und Ex-Talkshow-Moderatorin Eva Herman.

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