Montag, 9. Dezember 2019

Transrapid "Zahlen sind völlig überholt"

Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber hofft, dass sein Traum in Erfüllung geht: Der Transrapid soll nach München kommen. Doch das Milliardenprojekt wird teurer, als Stoiber glauben macht. Verkehrsberater Martin Vieregg erklärt, warum.

mm.de: "Die Nachricht des Jahrzehnts ist: Der Transrapid wird gebaut." Ist die Mitteilung, die der bayerische CSU-Wirtschaftsminister Erwin Huber am Dienstag feierlich verkündete, für Sie Grund zur Freude oder Hiobsbotschaft?

Martin Vieregg ist Geschäftsführer der Verkehrsberatung Vieregg-Rößler, die im Auftrag der bayerischen Grünen-Fraktion ein Gutachten zum Transrapid erstellt hat
Vieregg: Weder noch. Zu einem Preis von 1,85 Milliarden Euro, der momentan für den Bau angesetzt ist, kann der Transrapid schlichtweg nicht errichtet werden.

mm.de: Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber ging bisher von einer Finanzierungslücke von 165 Millionen Euro aus, die nun von Bahn, Industrie und aus öffentlichen Mitteln geschlossen werden soll. Für Sie ist es damit also nicht getan?

Vieregg: Bei Weitem nicht. Nach unserer Berechnung werden die Mehrkosten im Bereich von einer bis 1,5 Milliarden Euro liegen. Der Transrapid würde somit mindestens 2,8 Milliarden Euro kosten.

mm.de: Wie kommen Sie zu diesem Ergebnis?

Vieregg: Bei derartigen Projekten gibt es immer die Tendenz, sehr knapp zu kalkulieren, weil sie sonst nicht auf den Weg gebracht werden können. Der Preis, den die Transrapid-Befürworter kalkulieren, basiert auf einer Machbarkeitsstudie der Bundesregierung von 2002. Die zugrunde gelegten Zahlen sind völlig überholt.

mm.de: Was treibt die Kosten für den Transrapid-Bau Ihrem Gutachten zufolge heute so in die Höhe?

Vieregg: In der Zwischenzeit hat es Planänderungen gegeben. Man hat damals eine etwas kürzere Trasse mit einer geringeren Tunnellänge und einer geringeren Tieflage der Tunnels vorgesehen.

mm.de: Die Tunnel allein führen doch sicher nicht zu einer Finanzierungslücke von einer Milliarde Euro. Welche Unterschiede gibt es heute noch zu den ursprünglichen Plänen?

Vieregg: Die damaligen Zahlen wurden von den Befürwortern mithilfe des Verbraucherpreisindex auf 2007 hochgerechnet. Dieser Index bezieht sich aber einzig und allein auf die Konsumgüter, die in einem durchschnittlichen Haushalt gekauft werden. Stattdessen muss der Preisindex für den Bau herangezogen werden. Und dieser lag in den letzten Jahren deutlich über dem Verbraucherpreisindex.

Wir orientieren uns in unserem Gutachten deshalb am Baupreisindex und gehen von rund 20 Prozent höheren Baukosten aus als in der Studie von 2002. Das ist in unseren Augen sogar noch eine Unterschätzung, weil die Preise für einige der in großen Mengen benötigten Rohstoffe (insbesondere Stahl, Aluminium und Kupfer) regelrecht explodiert sind.

Unterschiede gibt es auch bei der geplanten Instandhaltungsanlage für den Transrapid. Die sollte ursprünglich kleiner werden als man es jetzt vorhat. Heute heißt es, dass alle fünf Züge gleichzeitig in die Halle einfahren sollen. Auch solche "Randerscheinungen" führen zu Mehrkosten.

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