Airbus-Werke Noch fünf Bieter im Rennen

Airbus hat die Interessenten für die zum Verkauf stehenden Werke genannt. Dazu gehören auch mit Voith und MT Aerospace zwei deutsche Bieter. Ob auch das Werk Augsburg zum Verkauf steht, wollte Airbus noch nicht bekanntgeben.

Toulouse - Der europäische Flugzeughersteller Airbus hat am Montag erstmals die fünf Unternehmen genannt, mit denen er über den geplanten Verkauf von Produktionsstätten in Deutschland, Frankreich und Großbritannien verhandelt. Ferner werde die Konzernmutter EADS  in Kürze entscheiden, ob das Werk Augsburg mit in den Verkaufsprozess integriert wird.

Airbus werde in den nächsten Wochen Verhandlungen mit der britischen GKN, der französischen Latecoere, dem US-Konzern Spirit sowie den deutschen Interessenten Voith und MT Aerospace fortsetzen, erklärte das Unternehmen. Eine weiter reichende Vorentscheidung für den oder die aussichtsreichsten Kandidaten gibt es nicht. Auch wurde nicht mitgeteilt, welcher Bewerber sich für welche Werke interessiert.

Der württembergische Maschinenbauer Voith äußerte sich am Nachmittag erstmals zu seinem Interesse an Airbus-Werken und bestätigte die Angaben von Airbus. Für welche Werke der Hochtechnologiekonzern Angebote abgegeben hat, sagte der Voith-Sprecher allerdings nicht. Aus Branchenkreisen verlautet, Voith habe für die deutschen Werke in Varel und Nordenham Gebote eingereicht und habe auch Interesse an Augsburg. Voith wollte auch hierzu nicht Stellung nehmen.

Kritischer Punkt Augsburg

Die "Financial Times Deutschland" (Dienstagausgabe) will aus Branchenkreisen erfahren haben, dass der Verkauf des Augsburger Airbus-Werks mit rund 2000 Festangestellten und 700 Leiharbeitern bereits beschlossen sei. EADS wollte sich hierzu allerdings nicht äußern und verwies nur auf die baldige Mitteilung zu Augsburg. EADS-Vorstand Louis Gallois hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass Interessenten Zugang zu den relevanten Daten des Werkes bekommen.

Ein kritischer Punkt beim Verkauf des Augsburger Werkes sei die dortige Fertigung von Eurofighter-Bauteilen, schreibt die Zeitung. So gebe es etwa eine Informationssperre zwischen Deutschland und Frankreich bei Eurofighter-Details, weil Frankreich nicht zu den am Eurofighter beteiligten Nationen gehört.

Airbus will Risiko teilen

Airbus will Risiko teilen

Käufer sucht Airbus für Werke im britischen Filton, in Méaulte und Saint-Nazaire-Stadt in Frankreich sowie Nordenham und Varel in Niedersachsen. Wer sich für diese Werke interessiert, bewirbt sich zugleich als so genannter Risk-Sharing-Partner für das neue Airbus-Flugzeugprogramm A350XWB. Vollständig abgeben will Airbus nur noch das Werk im baden-württembergischen Laupheim.

Weitere Ankündigungen zum Prozessverlauf will das Management von Airbus nach Angaben von CEO Tom Enders erst machen, wenn Details mit den künftigen Partnern entschieden sind. Verkäufe unter Zeitdruck werden dabei ausgeschlossen.

Airbus entschied sich im Februar, nach Partnern für künftige Flugzeugprogramme zu suchen, um mit ihnen Chancen und Risiken zu teilen. Am Beispiel des neuen Großraumflugzeuges A350XWB soll das jetzt erstmals im großen Umfang geschehen. Nach der Ausschreibung im Mai haben sich laut Airbus elf Interessenten gemeldet, übrig geblieben sind davon die fünf genannten Unternehmen. Wenn EADS das Werk Augsburg mit in den Prozess integriert, benötigen die Unternehmen laut Airbus einige Zeit, um ihre Gebote an die veränderte Lage anzupassen.

Airbus hat den weiteren Angaben zufolge bislang noch keinem seiner Zulieferer so weitreichende und langfristige Partnerschaften angeboten. Der Hersteller will sich ein Netz von Zulieferern aufbauen, die sich zur Unterstützung der laufenden und künftigen Airbus-Programme verpflichten und ihre Werke entsprechend entwickeln. Der Erfolg dieses Auswahlprozesses sei für Airbus "äußerst wichtig". Beispielweise soll damit eine Reduzierung des Kapitaleinsatzes erreicht werden.

Die Verkäufe gehören zum Sanierungsprogramm "Power 8". Airbus war durch Lieferverzögerungen bei seinem Großflugzeug A380 in die Krise geraten und hatte Milliarden dadurch in den Sand gesetzt. 10.000 Stellen sollen daher gestrichen werden und bis 2010 fünf Milliarden Euro eingespart werden. Ab 2010 sollen die Kosten jährlich um zwei Milliarden Euro niedriger sein.

manager-magazin.de mit Material von dow jones, reuters und dpa-afx

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