Konjunktur Endlich langt der Konsument zu

Die Konjunktur bleibt aus Sicht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) auch 2008 auf Wachstumskurs. Auch die bislang träge Nachfrage im Inland kommt laut IW-Prognose in Schwung. Leicht gedämpft wird der Boom von der US-Immobilienkrise und dem Höhenflug des Euro.

Berlin - Laut dem arbeitgebernahen Institut dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahr um 2,5 Prozent zulegen, 2008 aber nur noch um 1,9 Prozent. Das sagte IW-Direktor Michael Hüther am Montag in Berlin. Bisher war das IW für 2008 von 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum ausgegangenen. Die Prognose für dieses Jahr bleibt unverändert. Auf das Niveau hatten in den vergangenen Wochen bereits andere Forschungsinstitute ihre zuvor optimistischeren Prognosen gesenkt.

Der private Konsum wird im laufenden Jahr wohl noch stagnieren, für das nächste Jahr stellt die IW-Prognose jedoch ein Plus von 1,8 Prozent in Aussicht. Dies sei vor allem der steigenden Zahl von Erwerbstätigen zu verdanken, sagte Hüther. Nach einem Zuwachs um fast 600.000 in diesem Jahr sei 2008 ein erneutes Plus von 300.000 in Sicht. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen werde um rund 280.000 auf 3,5 Millionen sinken und die Arbeitslosenquote auf etwas über 8 Prozent, sagte der Wirtschaftsforscher.

Während der Aufschwung an vielen Langzeitarbeitslosen vorbeigehe, steige zugleich der Fachkräftebedarf, erläuterte Hüther. Die Bundesregierung sollte daher die Zuwanderungsregeln lockern, meinte er. Zur weiteren Stimulierung des Arbeitsmarkts könnten zudem die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung um einen vollen Prozentpunkt auf 3,2 Prozent des Bruttolohns gesenkt werden. Für den Staatshaushalt erwartet das Institut 2007 "erstmals seit 1989 einen Abschluss mit einem positiven Finanzierungssaldo".

Inlandsnachfrage wird Zugpferd

Das bislang exzellente Exportgeschäft verliert im kommenden Jahr etwas an Schwung. Zwar werden die Ausfuhren laut der Prognose um stattliche 6,4 Prozent zulegen, die Einfuhren ziehen dann mit 7,8 Prozent aber noch schneller an. Die Folge: Erstmals seit fast fünf Jahren wird die inländische Nachfrage zum Zugpferd des Wachstums. Sie dürfte für sich genommen das Wirtschaftswachstum um 2,1 Prozentpunkte nach oben treiben, während der Außenhandel den Anstieg um 0,2 Prozentpunkte dämpft.

Das Preisklima in Deutschland bleibt nach Analyse des Kölner Instituts entspannt, trotz aufgeregter Diskussionen über kräftige Aufschläge im Lebensmittelhandel. "Abgesehen von Einzelpreisen sind die Nahrungsmittelpreise bisher nicht stärker angestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt", stellte Hüther fest. Für das laufende Jahr sei eine Inflationsrate von 1,9 Prozent zu erwarten und für 2008 eine Teuerung von 1,7 Prozent.

Keine Rezession in den USA

Keine Rezession in den USA

Trotz der Krise am amerikanischen Immobilien- und Finanzmarkt kommt die US-Konjunktur nach Einschätzung des IW nicht unter die Räder, sondern schwächt sich 2007 und 2008 nur auf rund 2 Prozent ab. "Eine Rezession schließen wir derzeit aus", sagte Hüther. Die Weltwirtschaft bleibe folglich robust und der globale Warenaustausch werde in diesem Jahr um 7,5 Prozent expandieren. Im Jahr 2008 soll der Zuwachs mit 7 Prozent nur geringfügig niedriger ausfallen.

Auch die heimischen Banken dürften aus Sicht der IW-Experten die aktuellen Turbulenzen bewältigen. "Die deutschen Unternehmen müssen allerdings mit höheren, nicht aber mit hohen Finanzierungskosten und mit strengeren, nicht aber mit blockierenden Finanzierungsbedingungen rechnen", warnte er. Hüther mahnte die Politik, trotz gestiegener Steuereinnahmen sparsam zu haushalten und auf neue Ausgaben zu verzichten. Vielmehr seien Entlastungen möglich. So sollte die Erbschaftsteuer wegfallen und auch der Solidaritätszuschlag schrittweise gestrichen werden.

Mecklenburg-Vorpommern wächst am schnellsten

Im ersten Halbjahr 2007 legte die Wirtschaft um 2,9 Prozent zu, dabei war Mecklenburg-Vorpommern mit einer Wachstumsrate von 4 Prozent neuer Spitzenreiter vor Bayern (3,5 Prozent). Schlusslicht war Berlin mit einem Plus von 1 Prozent. Das gab die Arbeitsgemeinschaft Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder am Montag bekannt. Das IW prognostizierte in diesem und im nächsten Jahr einen Überschuss von je 0,1 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von ap, ddp und reuters

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