Landesbanken Münchener Großbankträume

Ministerpräsident Stoiber, das Management der BayernLB und der Sparkassenverband wollen mögliche Fusionsgespräche mit der Stuttgarter LBBW unterstützen. Damit konkretisieren sich Gerüchte über einen Zusammenschluss der beiden größten deutschen Landesbanken.

München - Im Fusionspoker der Landesbanken schließt Bayern einen Dreierbund zwischen BayernLB, Landesbank Baden- Württemberg und WestLB nicht aus. "Wir prüfen für die BayernLB alle Optionen", sagte der scheidende bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag) auf die Frage nach einem möglichen Dreierbund zwischen diesen Landesbanken. "Die BayernLB wird sich an einer Neuordnung der Landesbanken-Landschaft in Deutschland konstruktiv beteiligen."

Zuvor hatte BayernLB-Chef Werner Schmidt gesagt, die Bank werde "Gespräche zur Veränderung der öffentlich-rechtlichen Bankenlandschaft konstruktiv begleiten". Bisher hatte das Management der zweitgrößten deutschen Landesbank einen solchen Zusammenschluss stets abgelehnt und sein Heil in Akquisitionen im Ausland gesucht. Der bayerische Sparkassenverband, der 50 Prozent an der BayernLB hält, unterstützte den neuen Kurs: "Ich unterstütze diese Gespräche im Namen aller Sparkassen", sagte der Präsident des Verbands, Siegfried Naser.

Gespräche zwischen München und Stuttgart

Stoiber hatte mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU) über Kooperationsmöglichkeiten zwischen BayernLB und der schwächelnden WestLB gesprochen und sich am vergangenen Freitag auch mit seinem Stuttgarter Amtskollegen Günther Oettinger (CDU) über die aktuelle Situation abgestimmt.

Dreierbund mit WestLB?

Das Treffen zwischen Stoiber und Oettinger hatte die Fusionsspekulationen am vergangenen Wochenende angeheizt. In mehreren Medien war von Plänen für die Bildung einer "Super-Bank" aus LBBW und BayernLB die Rede. Die Nummer eins und zwei der deutschen Landesbanken-Landschaft würden zusammen das zweitgrößte Kreditinstitut in Deutschland nach der Deutschen Bank bilden. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) könnte die Düsseldorfer WestLB dazukommen. Der nordrhein-westfälische Regierungssprecher Andreas Krautscheid sagte dazu am Montag: "Wir bleiben bei unserer Linie, alle Optionen zu prüfen."

Die westfälischen Sparkassen halten indes an ihrem Vorschlag einer Fusion von LBBW und WestLB fest. "Wir stehen zu dem Vorschlag und warten auf das Land Nordrhein-Westfalen", sagte ein Sprecher des westfälischen Sparkassenverbandes WLSGV. "Wir sprechen weiter mit der LBBW. Darüber hinaus werden keine Gespräche geführt", betonte er.

Bayerns Sparkassen sehen sich nicht als Junior-Partner

Die bayerischen Sparkassen wollen einen möglichen Zusammenschluss der BayernLB mit anderen Landesbanken nur mittragen, wenn die Fusion auf Augenhöhe erfolgt. "Uns kann und wird niemand als Junior-Partner schlucken", sagte Siegfried Naser, Geschäftsführender Präsident des Sparkassenverbands Bayern, dem "Münchner Merkur" (Dienstag). Zugleich schloss er ein Verschmelzen der BayernLB mit anderen Landesbanken nicht aus.

Oettinger dämpft Erwartungen

Dagegen dämpfte Oettinger in einem "Handelsblatt"-Interview (Montag) die Erwartungen zu einem Süd-Zusammenschluss etwas. Eine Fusion strebe man nicht zwingend an. "Die Südschiene ist derzeit durch Dialog geprägt, durch nichts anderes. Aber letztlich ist nichts ausgeschlossen." Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa in München: "Es gibt Gespräche. Es gibt aber keinerlei Entscheidung über das Ob, über das Wie und das Wann."

Ein Zusammengehen von LBBW und BayernLB könnte für die angestrebte Neuordnung der noch sieben unabhängigen Landesbanken von entscheidender Bedeutung sein - damit würde ein riesiges Süd-Konglomerat entstehen. Zur LBBW gehören bereits die Landesbank Rheinland-Pfalz und die Sachsen LB, zur BayernLB die Saar LB. Eine neue Großbank aus LBBW, BayernLB und WestLB würde halb Deutschland abdecken und annähernd die Bilanzsumme der Deutschen Bank erreichen. Die LBBW ist die größte Landesbank Deutschlands, gefolgt von der BayernLB und der WestLB.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters

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