Porsche-Holding VW-Manager sollen draußen bleiben

Der Machtkampf um die geplante Holding von Porsche und Volkswagen spitzt sich zu. VW-Manager seien im Vorstand der Dachgesellschaft unerwünscht, verdeutlicht Porsche-Finanzchef Holger Härter. Die Betriebsratschefs der Autobauer keilen derweil in den Medien weiter aufeinander ein. VW-Mann Bernd Osterloh stellt angesichts des Streits gar die mögliche Fusion in Frage.

Frankfurt am Main - Theoretisch wäre der Einzug eines VW-Managers in das Führungsgremium der Holding möglich, sagte Porsche-Finanzchef Holger Härter der "Automobilwoche" laut Vorabbericht vom Sonnabend. "Aber Dr. Wiedeking und ich fühlen uns momentan auch so wohl", sagte Härter. Letztlich müsse dies aber vom Aufsichtsrat entschieden werden.

Unter dem Dach der Holding wollen die Familien Porsche und Piech ihre Aktivitäten bei Porsche und Volkswagen bündeln. Der Sportwagenbauer hält zurzeit 31 Prozent an Volkswagen, hat aber Optionen, die es den Stuttgartern ermöglichen sollen, ihren VW-Anteil kräftig aufzustocken.

"Hetzjagd gegen Porsche-Belegschaft"

Zwischen den beiden Autokonzernen kracht es seit einigen Tagen heftig. Derzeit streiten vor allem die Betriebsräte, da die VW-Arbeitnehmervertreter sich in der geplanten Holding unterrepräsentiert fühlen. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück legte jetzt im "Focus" nach. Seinem VW-Kollegen Bernd Osterloh warf er laut Vorabmeldung des Nachrichtenmagazins vor, die Belegschaft von Volkswagen gegen die Porsche-Mitarbeiter aufzuhetzen: "Die Hetzjagd gegen die Belegschaft ist eine Strategie ohne Verstand und auf unterstem Niveau." Mit gewerkschaftlicher Arbeit habe dies nichts zu tun.

Osterloh wiederum wehrte sich gegen Vorwürfe, falsche Angaben im Streit um die künftige Mitbestimmung gemacht zu haben.

Die Nachrichtenmagazine "Spiegel" und "Focus" hatten berichtet, Osterloh sei entgegen seinen Äußerungen vorab über die geplante Verteilung der Arbeitnehmer-Sitze im Holding-Aufsichtsrat informiert gewesen und habe ihr auch zugestimmt.

Osterloh dementierte am Sonnabend: Weder der Konzernbetriebsrat, noch einer seiner Vertreter hätten zu irgendeinem Zeitpunkt der von Porsche-Chef Wiedeking und dessen Betriebsratsvorsitzenden Hück unterzeichneten "Mitbestimmungsvereinbarung" zugestimmt. "Es ist schlichtweg unwahr, dass wir am 11. Juni Struktur und Inhalt der Vereinbarung als sachgerecht bezeichnet hätten. Das behauptete Gesprächsprotokoll haben wir nie gesehen, geschweige denn unterschrieben."

In dem Mitbestimmungsstreit geht es im Kern um die Macht im Aufsichtsrat der geplanten Porsche Holding. Sowohl für Porsche als auch für VW sind drei Arbeitnehmersitze vorgesehen. Osterloh hatte kritisiert, dies werde dem Größenverhältnis zwischen 12.000 Porsche-Mitarbeitern und den 324.000 VW-Beschäftigten nicht gerecht. Der VW-Betriebsrat hatte gegen die Mitbestimmungsvereinbarung geklagt. Die "Automobilwoche" schrieb unter Berufung auf Porsche-Kreise weiter, über die Besetzung des Aufsichtsrates solle es keine weiteren Verhandlungen geben.

"Debatte stellt erfolgreiche Fusion in Frage"

"Spiegel" und "Focus" berichteten, dem VW-Betriebsrat habe vorab der komplette Vertragsentwurf für die Mitbestimmungsrechte vorgelegen. Osterloh soll dem "Focus" zufolge vor der Unterzeichnung sogar grünes Licht gegeben haben. Laut "Focus" belegten interne Protokolle und Briefwechsel, dass Osterloh über die strittige Vereinbarung informiert gewesen sei. Während der Verhandlungen habe Hück Osterloh mehrfach gefragt, ob er mit der Drei-Drei-Regelung zufrieden sei. Noch vor ein paar Wochen habe Osterloh zugestimmt.

Dem "Spiegel" zufolge wirft Hück Osterloh vor, "von Beginn an eingeweiht" gewesen zu sein. So hätten er, der IG-Metall Vizechef Berthold Huber und Osterloh die Regelungen am 11. Juni diskutiert. In der Folgezeit sei mehrmals mit dem VW-Betriebsrat in der Frage telefoniert worden und noch am 20. Juni habe er einen Änderungswunsch Osterlohs durchgesetzt. Der Vertrag sei erst am 22. Juni unterzeichnet worden. Laut "Focus" habe sich Osterloh am 11. Juni auch mit Wiedeking und Härter getroffen.

"Debatte stellt erfolgreiche Fusion in Frage"

Am 11. Juni sei es lediglich um Grundzüge der Mitbestimmung in der Porsche-Holding gegangen, teilte der VW-Betriebsrat weiter mit. Der Vertragsentwurf sei von Hück informell an den VW-Betriebsrat gesandt worden. Allerdings sei dies so kurzfristig geschehen, dass keine eingehende rechtliche Prüfung vorgenommen werden konnte, bevor Porsche-Betriebsrat, Porsche-Vorstand und die IG Metall Stuttgart ihn unterzeichnet hätten, hieß es.

Osterloh kündigte an, die weltweiten Belegschaften des VW-Konzerns am Montag in einem weiteren persönlichen Brief über den Fortgang des Verfahrens zu informieren. "Eine solche Debatte stellt eine erfolgreiche Fusion in Frage."

Der VW-Betriebsrat hatte in dieser Woche angekündigt, den Streit um die Mitbestimmung beim Volkswagen-Großaktionär Porsche-Holding durch alle Instanzen treiben zu wollen. Man werde mit der am Arbeitsgericht Stuttgart eingereichten Klage bis vor das Bundesarbeitsgericht ziehen, hieß es. Bei einem Scheitern werde man nach einer Aufstockung des Porsche-Anteils an VW auf 51 Prozent erneut "auf Neuverhandlung der Mitbestimmungsvereinbarung klagen".

In das Zusammenrücken von Volkswagen  und Porsche  könnte schon bald Bewegung kommen: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) will am 23. Oktober über die Rechtmäßigkeit des fast 50 Jahre alten VW-Gesetzes urteilen, das die Stimmrechte bei dem Autobauer auf 20 Prozent beschränkt.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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