Kreditkrise Investoren lassen Milliardendeal platzen

KKR und Goldman Sachs haben die bereits vereinbarte milliardenschwere Übernahme des Audiospezialisten Harman abgeblasen. Überraschend negative Hinweise auf den finanziellen Zustand Harmans seien der Grund, heißt es. Beobachter bezweifeln das. Der geplatzte Deal könnte ein Signal für die ganze Beteiligungsbranche sein.

Washington - Erstmals seit Beginn der Welle großer Firmenkäufe durch Finanzinvestoren vor rund zwei Jahren haben Beteiligungsgesellschaften ein bereits vereinbartes Milliardengeschäft platzen lassen. Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und die Beteiligungskapital-Tochter von Goldman Sachs kündigten die sicher geglaubte Übernahme des US-Elektronikkonzerns Harman auf, wie dieser am späten Freitagabend mitteilte. Die beiden Finanzinvestoren wollten das Unternehmen für acht Milliarden Dollar (5,7 Milliarden Euro) übernehmen.

Die Finanzinvestoren begründeten ihren Rückzug mit einer "materiellen Kehrtwende" bei Harman. Das Unternehmen bestritt dies. An der New Yorker Börse stürzte der Kurs des Herstellers exklusiver HiFi-Geräte am späten Freitagabend (MEZ) um 20 Prozent ab.

Wie es aus Verhandlungskreisen heißt, hätten die beiden Private-Equity-Firmen den Deal wegen Zweifeln an der finanziellen Gesundheit Harmans fallen lassen. Mit Problemen am Kreditmarkt, über den die privaten Beteiligungsfirmen ihre Aufkäufe bisher finanzierten, habe die Entscheidung angeblich nichts zu tun.

KKR-Kreditwünsche nicht erfüllt

Beobachter weisen allerdings darauf hin, dass im Zuge der Immobilienkrise in den USA die einst boomenden Private-Equity-Firmen zusehends Probleme bekommen, milliardenschwere Übernahmen wie gewohnt am Kreditmarkt zu finanzieren. KKR beispielsweise bekam am Freitag fünf Milliarden Dollar Kreditzusagen für die Übernahme von First Data Corp, wollte aber ursprünglich 14 Milliarden Dollar dafür Auftreiben.

Dass sich Finanzinvestoren aus einem bereits fortgeschrittenen Geschäft zurückziehen, beschädigt nach Ansicht von Marktbeobachtern das Vertrauen in die Branche weiter. Der jetzt gekippte Milliardendeal könnte womöglich Schule machen, heißt es zudem. Mehrere andere Übernahmen stehen wegen der derzeitigen Probleme bei der Kreditbeschaffung bereits auf der Kippe.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters