Rekordhoch Airbus schlägt Euro-Alarm

Der steile Anstieg des Euro beunruhigt den Flugzeugbauer Airbus. Vorstand Fabrice Bregier erklärte, der Konzern müsse wegen des Höhenflugs der Währung womöglich mehr einsparen. Der Manager forderte die EZB auf, die Zinsen zu senken. Der Euro kletterte am Freitag über die Marke von 1,41 Dollar.

Paris - Der Flugzuegbauer Airbus schlägt wegen des Euro-Höhenflugs Alarm. Vorstand Bregier forderte die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag auf, den Kurs der Gemeinschaftswährung durch Maßnahmen wie Zinssenkungen wieder auf ein annehmbares Maß zu drücken. Er machte zudem deutlich, dass der Flugzeugbauer wegen der Euro-Rekorde möglicherweise mehr einsparen müsse als bislang geplant. Neben Airbus haben bereits zahlreiche Großkonzerne vor Auswirkungen des hohen Euro-Kurses gewarnt.

Das derzeitige Airbus-Sparprogramm "Power8" basiert auf einem Kurs von 1,35 Dollar. Ein Kursanstieg von zehn Cent kostet Airbus früheren Angaben zufolge ungefähr eine Milliarde Euro. Am Freitag erreichte der Euro  ein Rekordhoch von mehr als 1,41 Dollar. "Wenn der Euro dauerhaft bei 1,45 Dollar bliebe, dann würde das heißen, dass wir eine Milliarde Euro zusätzliche Einsparungen unter Power 8 finden müssten", resümierte Bregier im Radiosender BFM.

Airbus will im Rahmen seines Sanierungsprogramms bis 2010 fünf Milliarden Euro einsparen und anschließend zwei Milliarden Euro jährlich. "Noch steht Airbus nicht mit dem Rücken zur Wand, da wir für einige Jahre abgesichert sind", sagte Bregier. Sollte der Euro aber langfristig über 1,40 Dollar bleiben, müsste Airbus seine Sparpläne anpassen.

Bei einem Kursanstieg des Euro leidet der Preissetzungsspielraum und damit die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen im internationalen Handel. Im Fall von Airbus profitiert davon vor allem der US-Erzrivale Boeing . Zudem sinkt grundsätzlich auch der Euro-Wert der in Dollar erzielten Umsätze.

Airbus wolle, dass der Euro nicht noch stärker werde und Maßnahmen ergriffen würden, um den Euro für Exporte attraktiver zu machen, sagte Bregier. Airbus selbst könne beispielsweise zunächst noch mehr Zulieferungen im Dollar-Raum erwerben. Das ginge aber zu Lasten der europäischen Zulieferer. Zurzeit bezieht das Unternehmen die Hälfte der Teile aus dem Dollar-Raum.

Für Airbus ist der Wechselkurs von enormer Wichtigkeit, da die Flugzeuge in Dollar verkauft werden, aber in Euro produziert und abgerechnet. Airbus-Chef Tom Enders hatte sich zuletzt bei der Euro-Entwicklung entspannter gezeigt und von weitergehenden Einschnitten erst ab 1,50 Dollar oder mehr gesprochen. Einen Zeitrahmen dafür wollte er nicht abstecken, da gebe es keine goldene Regel.

EZB will sich nicht reinreden lassen

Bregiers Linie entspricht eher der Auffassung von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Dieser hatte sich in den vergangenen Tagen mehrfach für exportorientierte Unternehmen wie Airbus stark gemacht und die EZB aufgefordert, sich an der Zinssenkung der US-Notenbank Fed ein Beispiel zu nehmen.

Die Europäische Zentralbank selbst reagierte gereizt auf die Äußerungen aus Frankreich. Nicht allen Politikern sei klar, was die Unabhängigkeit der Zentralbank bedeute, sagte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark. EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi klagte, die permanenten Kommentare von Politikern zur Devisenentwicklung unterminierten die Glaubwürdigkeit und die Effektivität der EZB. Die Notenbank werde dann reagieren, wenn es ihr angemessen erscheine.

manager-magazin.de mit Material reuters und dpa