Kommentar Das Zittern beginnt jetzt

Vermutet hatten es Beobachter schon lange. Doch erst jetzt räumt Josef Ackermann ein, auch die Deutsche Bank habe sich in der Kreditkrise verhoben. Erstaunlich ist, dass er für diese Botschaft das Fernsehen wählt. Peinlich ist, dass sich der Starbanker zuvor als großer Saubermann aufspielte.

Wir wissen nicht, ob sich ZDF-Talkerin Maybrit Illner für Aktien der Deutschen Bank  interessiert oder gar welche hält. Was aber ihr Stargast am Mittwoch im TV-Studio aufgetischt hat und der Sender am späten Donnerstagabend ausstrahlte, hat es in sich.

Ja, auch der deutsche Branchenprimus habe im Zuge der US-Hypothekenkrise Fehler gemacht, sagte Vorstandschef Josef Ackermann. Und nun müsse die Bank Kredite im Wert von rund 30 Milliarden Euro neu bewerten. Sprich: Die Forderungen sind deutlich weniger wert. "Und das belastet unsere Erfolgsrechnung im dritten Quartal", räumte Ackermann erstmals ein. So mancher Analyst hatte das im Strom nicht abreißender Hiobsbotschaften aus der Finanzwelt bereits vermutet, so ausgesprochen hat es nur einer - der Chef der Deutschbanker im Abendfernsehen.

Nun kann man trefflich darüber spekulieren, ob Herr Ackermann Frau Illner, Tontechniker, Kameraleute und Studiogäste da unversehens zu Insidern gemacht hat. Ebenso zulässig ist die Frage, ob er im TV-Plausch mal nonchalant eine versteckte Gewinnwarnung und damit eine für die Kapitalmärkte im Grunde ad-hoc-pflichtige Information ausgeplaudert hat. Beobachter schließen das im Gespräch mit manager-magazin.de nicht aus. Aktionärsschützer und Finanzaufsicht schauen sich den "Fall Ackermann" bereits genau an. Sollten sich die Spekulationen nach einer genauen Prüfung bestätigen, hätte die Deutsche Bank ein Problem.

Ein Problem hat ihr Vorstandschef aber vermutlich jetzt schon. Auf drängende Fragen von Analysten und Journalisten, wie stark denn die Deutsche Bank von möglichen Kreditrisiken betroffen sei, hielt sich das Institut lange mit klaren Aussagen zurück. Im Gegenteil: Anfang September erklärte Ackermann noch, in den Bereichen Handel und Unternehmensfinanzierung hätte die Bank im August "gute Geschäfte" gemacht. Und Dank eines "strikten Risikomanagements" habe man die "Kreditrisiken gut unter Kontrolle".

Und jetzt das. Sollte die Deutsche Bank die offenen Forderungen auch nur um 3 bis 5 Prozent abwerten, käme es schnell zu einer Milliardenabschreibung. Wie hoch genau damit der Gewinn unter dem Strich geringer ausfällt, ist unklar. Vermutlich dürfte es die Deutsche Bank verkraften.

Schwerer und peinlicher wirkt vielmehr die Tatsache, dass Ackermann in der Vergangenheit einerseits den Eindruck zu erwecken versuchte, sein Haus habe die mit der Kreditkrise einhergehenden Risiken fest im Griff, andererseits aber meinte, die Rolle des Saubermanns für die Branche spielen zu müssen. Banken und Investoren warf er vor, sie hätten ihre Kompetenzen schlicht überschätzt, seien leichtfertig zu große Risiken eingegangen. Es sei an der Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen, um das Vertrauen in Branche und Aktienkurse wieder herzustellen, so der Tenor.

Damit hat das Image des Deutschbankers erneut tiefe Kratzer bekommen. Sein offenes Geständnis im Abend-TV lässt zudem befürchten, dass sich die Lage - trotz oder gerade wegen der mittlerweile bekannten Kreditvolumina - für die Banken künftig noch verschärfen wird. Seit Donnerstag schließt auch die Commerzbank  höhere Belastungen aus ihrem Kreditengagement nicht mehr aus, bleibt genaue Angaben aber ebenfalls schuldig. Vertrauen schafft man so nicht.

Die Berichte zum dritten Quartal lassen noch ein paar Wochen auf sich warten. Das kollektive Zittern beginnt spätestens jetzt.