CO2 Verheugen will Premium-Grenzwerte

Weil sie ihre eigenen Versprechen nicht einhält, sieht sich die Autobranche mit strengen EU-Regeln zum CO2-Ausstoß bedroht. Die deutschen Konzerne wollen wenigstens für ihre durstigen Premium-Autos laxere Grenzwerte sichern. Mit EU-Kommissar Günter Verheugen haben sie nun einen prominenten Fürsprecher gefunden.

Frankfurt am Main - EU-Kommissar Günter Verheugen hat erneut für differenzierte Klimaschutz-Vorgaben für die Automobilindustrie plädiert. Der geplante Vorschlag der EU-Kommission werde "die gesamte europäische Produktpalette einbeziehen und die Diversität der Hersteller" berücksichtigen, sagte Verheugen am Montag am Rande der Automesse IAA in Frankfurt. Die deutschen Autobauer verlangen nach Gewicht differenzierte Vorgaben, weil ihre schweren Premiumautos besonders viel CO2 ausstoßen.

Die Europäische Kommission will den Autobauern vorschreiben, den Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid von Neuwagen bis 2012 auf 120 Gramm pro Kilometer zu reduzieren. Zurzeit liegt der CO2-Ausstoß im Schnitt bei 160 Gramm je Kilometer. Die Hersteller hatten die EU-Kommission auf den Plan gerufen, weil sie ihr selbst gestecktes Ziel einer CO2-Verringerung auf 140 Gramm bis 2008 nicht erreichen werden.

Die EU-Kommission erarbeitet zurzeit einen Vorschlag für ein CO2-Gesetz für Autos, der bis Ende des Jahres vorgelegt werden soll. Verheugen machte deutlich, dass sich der Gesetzgebungsprozess in einer frühen Phase befindet: "Wir sind noch nicht in dem Stadium angekommen, in dem wir über die beste Option entscheiden könnten."

Verheugen sprach sich gegen einen Emissionshandel zwischen den Autobauern aus. "Ich plädiere für ein System, das für die Hersteller einen größeren ökonomischen Anreiz schafft, die angestrebten CO2-Reduktionen durch Innovationen zu erreichen, anstatt sich durch irgendeine Art von Kompensation freizukaufen", betonte der EU-Industriekommissar.

Verheugen nahm die Hersteller großer Luxuswagen in Schutz. Die Diskussion, ob man auch in Zukunft noch Premium-Marken in Europa bauen wolle, müsse endlich aufhören. "Natürlich wollen wir das, wir müssen es sogar", sagte der Vize-Präsident. "Mit dem Exportüberschuss in den höheren Klassen wird das Geld verdient, das die europäische Autoindustrie für Forschung und Entwicklung braucht." Verheugen nannte die leistungsfähige Autoindustrie Europas ein "Kronjuwel".

Bessere Kommunikation angemahnt

Verheugen kritisierte die Autoindustrie aber auch für ihre Versäumnisse in der Klimaschutzdebatte. Zwar verdiene die Branche das "Saurier-Image" nicht, das ihr gelegentlich angehängt werde. Aber das Management großer europäischer Hersteller müsse nicht nur technologische und kaufmännische Spitzenleistungen erbringen, sondern "auch Spitze sein in seiner Kommunikationsfähigkeit nach außen, sonst wird es in schwieriges Fahrwasser geraten." Auf der 62. IAA stehen umweltfreundliche Antriebe im Mittelpunkt.

Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, sprach sich dafür aus, die unterschiedlichen technischen Normen und Prüfverfahren zwischen Europa und Nordamerika zu harmonisieren. "Es gibt wohl kaum eine Industrie, die über dem Atlantik so viele kostenträchtige Hürden zu überwinden hat", sagte Wissmann. Verheugen, der auch der europäische Koordinator für die transatlantische Kooperation ist, versprach, sich für weltweit gültige Normen einzusetzen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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