Inflation Teure Milch löst Zinsalarm aus

Die Verbraucherpreise in Deutschland und der Eurozone sind im August stärker gestiegen als die EZB erlaubt. Teure Milchprodukte und hierzulande auch Studiengebühren trieben die Inflation erneut auf knapp 2 Prozent - dieses Niveau spricht nach Auffassung der Notenbank für eine rigidere Geldpolitik.

Wiesbaden/Luxemburg - Die Jahresteuerung in Deutschland verharrt knapp unter der 2-Prozent-Marke. Im August erhöhten sich die Verbraucherpreise wie im Juli um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Die Behörde bestätigte damit ihre Ende August veröffentlichten vorläufigen Zahlen.

Von Juli auf August 2007 gab es einen Rückgang um 0,1 Prozent, nachdem die Preise von Juni auf Juli noch um 0,4 Prozent angezogen hatten. Bei dem für den Vergleich mit anderen europäischen Ländern ermittelten harmonisierten Verbraucherpreisindex lag die jährliche Teuerung unverändert bei 2 Prozent.

Milchprodukte wiesen besonders hohe Steigerungsraten auf. Butter verteuerte sich im August im Schnitt um 36,6 Prozent, Vollmilch um 11,5 Prozent sowie Brot und Getreidewaren um 2,6 Prozent. In der Erntezeit waren frisches Obst und Gemüse dagegen günstiger zu haben. Für Kartoffeln wurden 12,2 Prozent weniger verlangt als im Juni, für Paprika 5,7 Prozent. Insgesamt kosteten Nahrungsmittel 2,5 Prozent mehr.

Gedämpft wurde der Preisdruck von Energieprodukten. Benzin verbilligte sich um 1 Prozent und Heizöl um 7,6 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat verbilligten sich Waren und Dienstleistungen um durchschnittlich 0,1 Prozent, weil beispielsweise die Preise für Pauschalreisen mit dem Ende der Sommerferien in einigen großen Bundesländern um 2,1 Prozent sanken. Auf Jahressicht deutlich erhöht haben sich den Statistikern zufolge die Preise für das Bildungswesen. Vor allem die Einführung der Studiengebühren habe gegenüber August 2006 zu einem Preisanstieg um fast 29 Prozent geführt. Auch die Preise für alkoholische Getränke und Tabakwaren, Dienstleistungen in Gaststätten und Hotels sowie Nahrungsmittel legten laut Statistik stärker zu als die Verbraucherpreise insgesamt.

Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im August moderater als erwartet gestiegen. Die Preise seien zum Vorjahresmonat um 1,7 Prozent geklettert, teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag in Luxemburg mit. Damit revidierte die Behörde ihre Erstschätzung um 0,1 Prozentpunkte nach unten. Nach der Definition der Europäischen Zentralbank (EZB) ist Preisstabilität im Euroraum bei einer Inflationsrate von knapp unter 2 Prozent gewährleistet. Seit März ist diese Schwelle erreicht. Auf eine Erhöhung des Leitzinses hat die Notenbank Anfang September jedoch aus Rücksicht auf die Krise des Finanzmarkts verzichtet.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters und dpa-afx

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