Pharma Boehringer greift nach dem Thron

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim plant, 2008 wieder an der Branchenspitze in Deutschland zu stehen. Diesen Platz hat Konkurrent Bayer mit dem Kauf von Schering übernommen. Boehringer wächst aber deutlich schneller. Langfristig will das Familienunternehmen das Tempo jedoch drosseln.

Frankfurt am Main - Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim sieht vor dem Hintergrund seines starken Umwachswachstums gute Chancen, im kommenden Jahr Wettbewerber Bayer  wieder einzuholen. "2007 wird Bayer noch vorne sein. Im kommenden Jahr werden wir dann Nase an Nase liegen, vielleicht sogar mit einem leichten Vorsprung für uns", sagte der Sprecher der Boehringer-Unternehmensleitung, Alessandro Banchi der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) (Freitagausgabe).

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hatte Boehringer Ingelheim 2006 durch den Zukauf von Schering von der führenden Position in der deutschen Pharmaindustrie verdrängt. Während das unter dem Namen Bayer Schering Pharma firmierende Pharmageschäft der Leverkusener 2006 einen Umsatz von 10 Milliarden Euro nennt, kam Boehringer mit seinen Medikamenten auf 8,6 Milliarden Euro.

Die neue Rangordnung sieht Banchi mit Sportsgeist: Aller Voraussicht nach wird der Ingelheimer Konzern 2007 und auch 2008 wie in den sieben Vorjahren stärker als der Markt wachsen. Als größte Herausforderung nennt Banchi den starken Euro , der für den Pharmakonzern wegen der starken Marktposition in den USA und Japan von großer Bedeutung ist.

2007 rechnet Banchi mit einem Umsatzwachstum in lokaler Währung von etwa 12 Prozent, in Euro aber nur von 7 Prozent. Gleichwohl gibt er sich zuversichtlich, den Anteil des Betriebsergebnisses am Umsatz bei 20 Prozent konstant zu halten. Die Säulen des Boehringer-Geschäfts sind drei Blockbuster, also Medikamente mit einem Jahresumsatz von mehr als 1 Milliarde Dollar. An erster Stelle steht das Atemwegspräparat Spiriva, das im laufenden Jahr erstmals die Umsatzmarke von 2 Milliarden Dollar übertreffen wird. Danach folgen das Blutdruckmittel Micardis sowie das Prostatamedikament Flomax.

Zur längerfristigen Entwicklung sagte Banchi, dass Boehringer in den kommenden 15 Jahren versuchen werde, den Umsatz zwischen 10 und 20 Milliarden Euro konstant zu halten. Größere Pharmakonzerne seien nur noch schwer zu steuern.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx