Adidas Schneller, schicker, individueller

Beim Sportartikelhersteller Adidas blickt Konzernchef Herbert Hainer gespannt auf das Sportjahr 2008: Mit den beiden Großereignissen Fußball-EM und Olympische Sommerspiele soll die Jagd auf den Konkurrenten Nike wieder aufgenommen werden.

Hamburg - Eigentlich hätte der Termin schon am vergangenen Bundesliga-Spieltag stattfinden müssen, anlässlich der Fußballpartie Hamburger SV gegen Bayern München. Beide Vereine sind beim Ausrüster Adidas  unter Vertrag und trennten sich auch noch schiedlich-friedlich 1:1.

Doch auch einige Tage später machte Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten  eine gute Figur. "Wachstumsstrategien im Supersportjahr 2008" nannte er seinen Vortrag - den Blick klar nach vorne gerichtet auf die kommende Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz sowie die Olympischen Sommerspiele in Peking.

Der Anstoß zur Fußball-EM im kommenden Sommer erfolgt für Adidas bereits im Dezember 2007. In Luzern werden dann die Gruppen für das Turnier in den Alpen ausgelost. Zu diesem Anlass wird der Sportartikelhersteller den offiziellen Spielball der Europameisterschaft vorstellen - anziehende Erlöse sind spätestens ab diesem Zeitpunkt einkalkuliert. Insgesamt rechnet Adidas für 2008 mit 1,2 Milliarden Euro Umsatz bei Fußballartikeln.

Auch für die schwächelnde Tochter Reebok - von Adidas vor zwei Jahren für 3,1 Milliarden Euro übernommen - wird dieses Ereignis richtungweisend. "Wir müssen hier eine Menge Aufräumarbeiten leisten, doch wir wollen Reebok als Herausforderer auf dem Markt wiederbeleben", sagt Hainer und setzt auf die unter Vertrag genommen Fußballstars Thierry Henry und Andrej Schewtschenko.

Henry wechselte kürzlich von Arsenal London zum FC Barcelona, Schewtschenko tritt für den FC Chelsea gegen den Ball. Der ukrainische Nationalspieler ist für Adidas laut Hainer auch ein Hoffnungsträger für den russischen Markt - schade nur, dass sich die Ukraine wohl nicht für die EM 2008 qualifizieren wird. Auch für die Franzosen um Thierry Henry sieht es nach einer Heimniederlage gegen Schottland gerade nicht gut aus.

Eine weitere Werbeikone der Adidas-Tochter ist Yao Ming - einer der bekanntesten Chinesen. Der 2,29 Meter große Basketballer spielt bei den Houston Rockets und wird dort als Superstar gefeiert. Auch in Peking soll die große olympische Stunde für den bei Reebok unter Vertrag stehenden Sportler schlagen.

"Wie ein Wanderzirkus"

"Wie ein Wanderzirkus"

"Von 28 olympischen Sportarten haben wir 26 abgedeckt - alles außer Segeln und Reitsport", berichtet Hainer. Olympia 2008 soll also ein voller Erfolg für Adidas werden - nicht nur im Wachstumsmarkt Asien.

Die Doping-Problematik könnte natürlich einen gewaltigen Strich durch diese Rechnung machen und die Marke im schlimmsten Fall langfristig sogar schädigen, doch auch hier zeigt sich Hainer optimistisch: "Ich bin überzeugt, dass die Vorsorgekontrollen ausgeweitet und so möglichst viele schwarze Schafe schon im Vorfeld ausgesiebt werden."

Noch hat Asien für Adidas allerdings mehr Bedeutung als Produktionsmarkt - 90 Prozent aller Sportschuhe werden dort gefertigt. Die Produktionsstätten seien dabei in den vergangenen Jahren "wie ein Wanderzirkus" von Ort zu Ort gezogen, um möglichst preiswert zu produzieren, berichtet Hainer. Im Textilbereich kommt etwa die Hälfte aller Produkte aus Asien, südeuropäische Länder wie Griechenland, Portugal und die Türkei sind jedoch ebenfalls stark vertreten.

Immerhin, es arbeiten noch mehr als 3000 Menschen für den Konzern in Deutschland - weltweit sind es insgesamt über 28.000. Die Mitarbeiter in Herzogenaurach, dem "Herz und Gehirn von Adidas" haben auch die Aufgabe, Hainers Vorgabe zu erfüllen, "mindestens eine richtig neue Innovation pro Jahr auf den Markt zu bringen". Als Paradebeispiel dient hier "der erste intelligente Schuh" aus dem Jahr 2004, der mit der Sohle die Art des Untergrundes sowie das Gewicht des Läufers messen und dementsprechend die Dämpfung einstellen kann.

Neben solch technischer Feinheiten für die Sportler und die stetigen modischen Neuerungen für die stilbewussten Adidas-Träger hat sich Hainer einen wichtigen Trend der Zukunft bei der Automobilbranche abgeschaut: Auch bei Sportartikeln ist der Zug zur Individualisierung nicht mehr zu stoppen. "Maßgeschneiderte Schuhe in 14 Tagen", ein möglichst persönliches Design und die Erfüllung von Sonderwünschen werden von Adidas daher vermehrt angeboten.

Vielleicht liegt auch hierin eine Chance im Kampf gegen die weltweit verbreitete Produktpiraterie. Viele Millionen Adidas-Artikel werden Jahr für Jahr nachgemacht. "Das werden wir wohl nie komplett in den Griff bekommen, auch wenn wir weiter viel Geld im Kampf dagegen ausgeben", sagt Hainer. Ein Trost dürfte es für ihn sein, dass Marktführer Nike  mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat. Nicht auszuschließen, dass Olympia 2008 in China in dieser Disziplin für neue Rekorde sorgt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.