IAA Kanzlerin gibt Rückendeckung

Im Klimaschutzstreit hat sich Kanzlerin Angela Merkel hinter die deutsche Autoindustrie gestellt. Bei der Eröffnung der Automesse IAA sagte sie, die Lasten der CO2-Reduzierung müssten fair verteilt werden.

Frankfurt am Main - Im Streit um die Klimaschutzvorgaben der EU hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den deutschen Autobauern Unterstützung zugesagt. "Wenn es darum geht, dass wir bis 2012 auf 120 Gramm CO2 pro Kilometer im Durchschnitt kommen wollen, dann hat die deutsche Automobilindustrie meine Unterstützung, dass dies auf die Segmente fair verteilt werden muss", sagte sie bei der Eröffnung der weltgrößten Autoschau IAA in Frankfurt.

Zugleich rief sie die Branche auf, "an jeder Stelle des Automobils" zu denken, wie der CO2-Ausstoß reduziert werden könne. Es gebe keine andere Wahl, als dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Die deutschen Hersteller verlangen nach Gewicht gestaffelte Grenzwerte, weil ihre schweren Premiumautos besonders viel Kohlendioxid (CO2) ausstoßen. Wegen dieser Haltung war es im europäischen Herstellerverband ACEA zum Streit gekommen. Massenhersteller wie Peugeot, Renault und Fiat haben vor allem kleinere und sparsamere Autos im Angebot und könnten daher mit den vorgeschlagenen Grenzwerten leben.

Die Meinungsverschiedenheit hatten die Hersteller aber beigelegt und am Mittwoch geschlossen mehr Zeit für die Vorbereitung auf geplanten CO2-Vorgaben verlangt. Die Branche sieht sich frühestens ab 2015 in der Lage dazu, den Grenzwert für den Kohlendioxidausstoß einzuhalten. Ein selbst gestecktes Ziel zur CO2-Verringerung auf 140 Gramm pro Kilometer bis 2008 werden die Autobauer verfehlen.

Das hatte die EU-Kommission auf den Plan gerufen. Sie will Herstellern vorschreiben, den CO2-Ausstoß von in Europa zugelassenen Neuwagen bis 2012 auf 130 Gramm je Kilometer zu senken. Zehn Gramm müssen durch den Einsatz von Biosprit zusätzlich eingespart werden. Ende 2006 lag der Ausstoß in Deutschland durchschnittlich bei über 160 Gramm.

Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hatte am Mittwoch beschlossen, dass die CO2-Grenzwerte wie von der Kommission gefordert ab 2012 gelten sollen. Im November soll das Plenum des EU-Parlaments über diese Empfehlung abstimmen. Anfang 2008 will die EU einen Richtlinienentwurf zu den CO2-Grenzwerten vorlegen, über den die Mitgliedstaaten und das EU-Parlament dann abstimmen sollen.

Die weltgrößte Automesse steht unter dem Motto: "Sehen, was morgen bewegt". Die Produzenten werben unter dem Eindruck der Klimadebatte stärker als früher für umweltfreundliche Modelle. Diese kommen aber größtenteils erst Ende des Jahrzehnts auf den Markt. Der Branchenverband VDA hofft auf deutlich mehr als 900.000 Besucher. Bei der Automesse vor zwei Jahren waren etwa 940.000 Autofans nach Frankfurt gekommen.

Messe-Highlights sind ein Cityflitzer von Volkswagen, der emissionsarme Kleinstwagen iQ von Toyota und der Smart Micro-Hybrid von Mercedes-Benz. Audi zeigt seinen neuen Mittelkassewagen A4. Auch PS-starke Boliden werden an den Messetagen bis zum 23. September Publikumsmagneten sein - allen Klimadebatten zum Trotz.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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