Audi "Wir sind keine Salonlöwen"

Audi hätte Hybrid-Vorreiter sein können - und überließ das Feld anderen. Vorsprung durch Technik? Die Marke wird als sportlicher Autobauer wahrgenommen, was in der Klimadebatte ein Nachteil ist. Im Interview mit manager-magazin.de widerspricht Audi-Chef Rupert Stadler dieser Sicht und verrät, was Audi im Köcher hat.

mm.de: Herr Stadler, in der IAA-Halle 8 feiert Toyota  mit seinem Prius zehn Jahre Hybridtechnik. 1997 hat Audi  einen A4 mit dem Hybridantrieb Duo als Serienprodukt angeboten. Warum feiern Sie nicht?

Stadler: Wir könnten sogar 18 Jahre Hybridtechnik feiern, solange ist das her mit den ersten Audi-Duo-Studien. Auf dieser IAA zeigen wir den Audi Hybrid Concept, die nächste Generation der Hybridtechnik. Damit sparen wir im Vergleich zu heutigen Systemen im Markt enorm viel Gewicht ein – denn dass Hybridautos zwei Motoren an Bord haben, ist physikalisch nicht logisch und an sich nicht besonders umweltfreundlich.

mm.de: Von dem A4 Duo von 1997 wurden 50 Stück verkauft, dann stellte man die Produktion ein. Warum?

Stadler: Ganz einfach: Das Fahrzeugkonzept war seiner Zeit voraus. Genauso wie wenig später unser Audi A2 mit drei Litern Verbrauch. Keines der beiden Autos hat sich so gut verkauft, dass es sich betriebswirtschaftlich gerechnet hätte.

mm.de: Ein Auto wie Ihr 400-PS-Sportwagen R8 ist ein so genannter Imageträger. Dabei geht es darum zu zeigen, wie sportlich die Marke Audi ist - und weniger um Profit. Richtig viel können Sie mit dem R8 bisher nicht verdient haben. Warum hat es nie einen Imageträger mit Hybridantrieb gegeben?

Stadler: Selbstverständlich rechnet sich der Audi R8, sehr gut sogar!

mm.de: Klären Sie uns auf!

Stadler: Der R8 hat derart in unsere Markenkasse eingezahlt, dass es schöner nicht geht. Damit ist uns ein phänomenaler Imagetransfer für die Marke Audi gelungen …

mm.de: … Imagegewinn ja - aber auch Geld?

Stadler: Natürlich. Wir bauen nur Autos, mit denen wir auch Profit erwirtschaften. Vor der Entscheidung haben wir lange mit uns gerungen, weil wir damals nicht sicher waren, ob unsere Marke für den R8 schon reif ist. Aber die Mannschaft wollte es, sie konnte es, und wenn ich auf die Renditen blicke, muss ich sagen: Die sind pfenniggut und attraktiv.

"Harten Spagat geschafft"

mm.de: Das Umweltthema kann für Sie nicht überraschend gekommen sein. Warum zaubern Sie nicht jetzt etwas fertig Konstruiertes aus dem Hut und sagen: Vorsprung durch Technik?

Stadler: Das machen wir permanent und nicht als Salonlöwen. Wir investieren jedes Jahr rund zwei Milliarden Euro in unsere Zukunft. Der größte Teil davon fließt direkt ins Produkt. Wir sind Pioniere in der TDI-Technologie und das schon seit 1989. Damals haben wir mit einem Schlag den Verbrauch im Vergleich zu damals üblichen Ottomotoren um ein Drittel reduziert. Wir haben beim Allradantrieb, mit modernen Werkstoffen und insbesondere der Aluminiumfertigung für Furore gesorgt. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren nicht nur die Emissionswerte unserer Motoren um über 90 Prozent reduziert, sondern auch die Leistung um mehr als 10 Prozent verbessert und zeitgleich im Bereich der CO2-Effizienz gut und gerne 15 Prozent zugelegt.

Wie übrigens viele andere Hersteller auch. Wir haben nur nicht so viel darüber geredet, sondern es einfach umgesetzt. Hier auf der IAA zeigen wir den neuen A4 mit einem 2.0-Liter-TDI, der unter fünf Liter verbraucht. Solche Eckwerte bei einem Mittelklassewagen halte ich für sehr bemerkenswert.

mm.de: Rund sechs Liter Verbrauch in dieser Klasse - das haben TDI-Motoren aus Ihrem Konzern schon vor zehn Jahren gekonnt.

Stadler: Ich sagte ja: unter 5 Liter, genau genommen 4,9 Liter! Außerdem ist das Auto größer geworden und hat mehr Leistung. Wir haben einen harte Spagat geschafft: gleichzeitig Leistung und Verbrauch optimiert.

mm.de: Warum musste der Wagen größer und schneller werden?

Stadler: Wir erfüllen Premium-Kundenansprüche, beispielsweise ein Optimum an passiver Sicherheit. Dabei bewegen wir uns in einem Wettbewerbsumfeld mit dem Ziel, die Nase immer vor den anderen zu haben.

"Keine Bevormundung des Kunden"

mm.de: Wie hoch liegt der durchschnittliche CO2-Ausstoß der Audi-Flotte?

Stadler: Er liegt je nach Betrachtungsweise um die 170 g/km, auf jeden Fall unter den Werten unserer Kernwettbewerber.

mm.de: Halten auch Sie, wie Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, die Marke von 120 g/km bis 2012 für illusorisch? Die EU hat dieses Ziel ausgegeben und könnte bald eine verbindliche Regelung erlassen.

Stadler: 120 g/km wären ein Durchschnittswert für alle europäischen Hersteller. Entscheidend sind die Vorgaben für die einzelnen Fahrzeugsegmente. Denn eines ist klar: Eine große Limousine kann rein physikalisch nicht den gleichen CO2-Wert erreichen wie ein Kleinwagen. Wir haben mit dem Audi A3 1.9 TDI e und den A4 e-Modellen erfolgreiche Produkte am Markt. Außerdem bieten wir mit dem neuen Audi A8 2.8 e ein Oberklassemodell, das nur 199 g CO2/km ausstößt. Das schafft keiner unserer Wettbewerber - übrigens auch kein Hybrid-Modell.

Wir können uns als Autohersteller nicht erlauben, den Kunden zu bevormunden. Unsere Aufgabe ist es, attraktive, verantwortungsbewusste und gesellschaftsfähige Angebote zu machen. Das tun wir, schon heute.

mm.de: Fragt der Kunde das Feature Umweltverträglichkeit denn nach?

Stadler: Es wird wesentlich mehr darüber geredet als tatsächlich in Kaufentscheidungen umgesetzt. Man muss zwischen den Klassen unterscheiden: In der Kompaktklasse etwa stößt der A3 1.9 TDI e mit 4,5 Litern Verbrauch auf rege Nachfrage.

mm.de: Wie gefällt Ihnen das Projekt der RWTH Aachen, wo ein VW Golf so umgebaut wurde, dass sein CO2-Ausstoß von ursprünglich 172 g/km unter 120 g/km gesunken ist?

Stadler: Wie gesagt, es geht nicht um Salonlöwen, sondern um kaufbare Modelle. Ein Auto mit diesem Wert, in der gleichen Klasse sogar, können Sie mit dem A3 TDI e seit dem Frühjahr bei uns kaufen. Und zwar mit allen Audi-Genen und ohne Verzicht.

"Audi nutzt das große Alphabet"

mm.de: Der A3, von dem Sie sprechen, hat 105 PS, der Golf der RWTH hat auch nach der Kur noch die Ausgangsleistung von 170 PS. Da wäre bei weniger Leistung noch ein geringerer CO2-Ausstoß drin.

Stadler: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich. Es geht nicht nur um Leistung. Es geht um Fahrverhalten und Fahrspaß.

mm.de: Der Clou an dem Aachener Golf ist, dass dort nur Teile verbaut wurden, die man frei im Zubehörhandel bekommt, Kostenpunkt: 500 Euro. Sind umweltschonendere Modelle von Audi zu erwarten?

Stadler: E-Modelle wie den A3 TDI wird es bald in allen unseren Kernbaureihen geben. Zusätzlich werden wir mit unserem "Modularen Effizienzbaukasten" die Performance weiter verbessern. Auch der neue kleine Audi, der A1, wird dazu einen erheblichen Beitrag leisten. Aber wir werden keine Verzichtsfahrzeuge anbieten.

mm.de: Ihr Konkurrent BMW wirbt mit einer Stopp-Start-Automatik, die an der Ampel den Motor abschaltet. Wann wird es das von Audi geben?

Stadler: Wir werden in Kürze eine bessere Lösung anbieten.

mm.de: Planen Sie ein Modell, das die Rolle des Spritspar-Pioniers A2 übernimmt?

Stadler: Wir haben mit anderen Modellen derzeit alle Hände voll zu tun. Mit jedem Audi kaufen unsere Kunden aber ein Stück der A2-Technologie mit: Leichtbau, Aerodynamik, TDI.

mm.de: Kein baldiger Nachfolger also.

Stadler: Das sagen Sie. Mir sind viele verkaufte 4,5 Liter Autos lieber, als wenige 3-Liter Autos, die zwar bewundert, aber nicht gekauft werden. Es ist jedoch eine gute Chance, zwischen A1 und A3 noch eine Lücke zu haben.

mm.de: Rein rechnerisch müsste der A2 größer sein als der A1.

Stadler: Bekanntlich gibt es ein großes und ein kleines Alphabet. Audi nutzt das große.

Modelle im Überblick: Audis CO2-Bilanz

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