Montag, 9. Dezember 2019

Audi "Wir sind keine Salonlöwen"

Audi hätte Hybrid-Vorreiter sein können - und überließ das Feld anderen. Vorsprung durch Technik? Die Marke wird als sportlicher Autobauer wahrgenommen, was in der Klimadebatte ein Nachteil ist. Im Interview mit manager-magazin.de widerspricht Audi-Chef Rupert Stadler dieser Sicht und verrät, was Audi im Köcher hat.

mm.de: Herr Stadler, in der IAA-Halle 8 feiert Toyota Börsen-Chart zeigen mit seinem Prius zehn Jahre Hybridtechnik. 1997 hat Audi Börsen-Chart zeigen einen A4 mit dem Hybridantrieb Duo als Serienprodukt angeboten. Warum feiern Sie nicht?

Stadler: Wir könnten sogar 18 Jahre Hybridtechnik feiern, solange ist das her mit den ersten Audi-Duo-Studien. Auf dieser IAA zeigen wir den Audi Hybrid Concept, die nächste Generation der Hybridtechnik. Damit sparen wir im Vergleich zu heutigen Systemen im Markt enorm viel Gewicht ein – denn dass Hybridautos zwei Motoren an Bord haben, ist physikalisch nicht logisch und an sich nicht besonders umweltfreundlich.

mm.de: Von dem A4 Duo von 1997 wurden 50 Stück verkauft, dann stellte man die Produktion ein. Warum?

Stadler: Ganz einfach: Das Fahrzeugkonzept war seiner Zeit voraus. Genauso wie wenig später unser Audi A2 mit drei Litern Verbrauch. Keines der beiden Autos hat sich so gut verkauft, dass es sich betriebswirtschaftlich gerechnet hätte.

mm.de: Ein Auto wie Ihr 400-PS-Sportwagen R8 ist ein so genannter Imageträger. Dabei geht es darum zu zeigen, wie sportlich die Marke Audi ist - und weniger um Profit. Richtig viel können Sie mit dem R8 bisher nicht verdient haben. Warum hat es nie einen Imageträger mit Hybridantrieb gegeben?

Rupert Stadler (44) ist seit Jahresbeginn Vorstandsvorsitzender von Audi. Er folgte Martin Winterkorn, der an die Spitze der Konzernmutter Volkswagen befördert wurde. Für Audi arbeitet der Betriebswirt Stadler seit 1990, zunächst im Controlling. Seit 2003 ist er Vorstandsmitglied.
Stadler: Selbstverständlich rechnet sich der Audi R8, sehr gut sogar!

mm.de: Klären Sie uns auf!

Stadler: Der R8 hat derart in unsere Markenkasse eingezahlt, dass es schöner nicht geht. Damit ist uns ein phänomenaler Imagetransfer für die Marke Audi gelungen …

mm.de: … Imagegewinn ja - aber auch Geld?

Stadler: Natürlich. Wir bauen nur Autos, mit denen wir auch Profit erwirtschaften. Vor der Entscheidung haben wir lange mit uns gerungen, weil wir damals nicht sicher waren, ob unsere Marke für den R8 schon reif ist. Aber die Mannschaft wollte es, sie konnte es, und wenn ich auf die Renditen blicke, muss ich sagen: Die sind pfenniggut und attraktiv.

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