CO2-Belastung Autohersteller fordern mehr Zeit

Die europäischen Autohersteller wollen die EU-Kommission bei den geplanten Klimaschutzauflagen bremsen. Man sei "frühestens 2015" in der Lage, die von der EU bis 2012 geforderten CO2-Grenzwerte einzuhalten.

Frankfurt am Main - Die Branche sehe sich nicht in der Lage, schon 2012 eine verbindliche Vorgabe der EU für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) einzuhalten, erklärte der europäische Herstellerverband ACEA am Mittwoch auf der weltgrößten Autoshow IAA in Frankfurt. Die Industrie sei frühestens 2015 technisch in der Lage, die diskutierten Grenzwerte einzuhalten.

Auf der Messe werben die Produzenten unter dem Eindruck der Klimadebatte stärker als früher für umweltfreundliche Modelle. Sie bräuchten aber mehr Vorbereitungszeit für den Bau neuer Fahrzeuge, die die Vorgaben der EU erfüllen können, betonen sie. Ein Gesetz zum CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen sei "nicht vor 2015 durchführbar", erklärte ACEA-Präsident Sergio Marchionne.

Neue Vorschriften müssten Jahre im Voraus bekannt sein, um Motoren, Getriebe oder Aerodynamik anpassen zu können. Der Verband verwies auf die bereits beschlossene Einführung neuer Regeln zur Begrenzung des Stickoxid-Ausstoßes zum Jahr 2015. Hierfür gebe es fast zehn Jahre Vorbereitungszeit.

Höchstens 130 Gramm je Kilometer

Die EU-Kommission will den Herstellern vorschreiben, den CO2-Ausstoß von in Europa zugelassenen Neuwagen bis 2012 auf 130 Gramm je Kilometer zu senken. Zehn Gramm müssen durch den Einsatz von Biosprit noch zusätzlich gewonnen werden. Ende 2006 lag der Ausstoß in Deutschland durchschnittlich über 160 Gramm.

Vor allem die auf hochmotorisierte Fahrzeuge mit hohem CO2-Ausstoß spezialisierten deutschen Autobauer würde diese Regelung treffen. Hersteller von Kleinwagen mit geringerem Spritverbrauch könnten die Vorgaben hingegen leichter erfüllen.

"Integrierter Ansatz" gefordert

Der ACEA-Chef verlangte einen "integrierten Ansatz" zum Klimaschutz: Außer sparsameren Motoren müssten alternative Kraftstoffe zum Einsatz kommen. "Der Klimawandel ist ein Schlüsselthema der Autoindustrie", versicherte Marchionne. Die Branche unternehme erhebliche Anstrengungen, könne aber nicht die Hauptlast beim Klimaschutz tragen.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee droht mit Strafen für die Autoindustrie, wenn Klimaziele nicht eingehalten werden. In der "Frankfurter Rundschau" plädierte er wie zuvor bereits EU-Kommissar Stavros Dimas für ein europäisches Sanktionssystem, das Wettbewerbsverzerrungen ausschließe. Ein Sprecher von Umweltminister Sigmar Gabriel erklärte, es sei völlig klar, dass ein Verstoß gegen EU-Regelungen Sanktionen nach sich ziehe.

Dagegen warnte der deutsche EU-Kommissar Günter Verheugen im Deutschlandfunk vor einer voreiligen Debatte. Noch gebe es kein Gesetz für eine CO2-Auflage. Geplant ist, dass die EU nach den Beratungen mit den Herstellern noch in diesem Jahr einen konkreten Vorschlag macht.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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