Areva NP Wird Siemens verdrängt?

Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy will offenbar den Atomkonzern Areva mit dem Anlagenbauer Alstom fusionieren - und so einen neuen Champion für den Bau von Atomanlagen schmieden. Darunter leiden könnte Siemens, das ein Joint Venture mit Areva betreibt.

Paris - Das Sagen im neuen Unternehmen sollen der Staat und der Baukonzern Bouygues  haben. Bouygues-Chef Martin Bouygues war Trauzeuge Sarkozys und seiner Frau Cécilia und Taufpate ihres gemeinsamen Sohnes. Bei der Neuordnung der französischen Atomtechnik geht es auch um die Sperrminorität von 34 Prozent, die Siemens  an der Areva-Tochter Areva NP hält. Areva NP baut den Europäischen Druckwasserreaktor EPR.

Die Pariser Wirtschaftszeitung "Les Echos" berichtete am Dienstag, die Beraterfirma McKinsey und die Bank HSBC prüften im Auftrag der Agentur für Staatsbeteiligungen APE die Alternativen für Areva. Dabei werde die Fusion mit Alstom  klar favorisiert. Der neue Gesamtkonzern solle je nach Metier in Sparten aufgebaut werden.

Alstom baut neben Elektroanlagen auch den Superschnellzug TGV. Der Konzern war vom damaligen Wirtschaftsminister Sarkozy 2004 mit Milliardenspritzen und einer Staatsbeteiligung vor dem Zusammenbruch gerettet worden. Damals hatte Sarkozy verhindert, dass Teile der Energieanlagensparte an Siemens verkauft wurden.

Das französische Kommissariat für Atomenergie CEA hat bereits den Fall einer Fusion Areva-Alstom als eine von mehreren Möglichkeiten durchgespielt. Danach würde das CEA am Gesamtkonzern gut 30 Prozent halten. Weitere f5 Prozent hielte der Staat direkt. Bouygues bekäme 26 Prozent. Offen bleibt dabei die Zukunft der Siemens-Beteiligung an Areva NP, für die die Deutschen den Franzosen eine Kaufoption für frühestens 2012 eingeräumt haben.

Als Möglichkeit wird diskutiert, die Beteiligung an Areva NP in eine Beteiligung am Gesamtkonzern zu tauschen. Siemens verlöre dann die Sperrminorität beim AKW-Bauer. Die Bundesregierung hat zwar den Atomausstieg beschlossen, will aber Siemens im Atomgeschäft halten. "Wir würden es gerne sehen, wenn die Kooperation von Siemens und französischen Unternehmen, also Areva, auch fortgeführt werden könnte", hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag nach einem Treffen mit Sarkozy betont. Der französische Präsident legt sich bisher nicht öffentlich fest.

manager-magazin.de mit Material von dpa