KKR Kreditkrise zwingt zum Umdenken

Schulden aufnehmen und weiterreichen – dieses Spiel funktioniert in Zeiten der Kreditkrise nicht mehr. Um seinen wichtigsten Deal des Jahres zu retten, ist der Firmenjäger KKR jetzt zu Zugeständnissen an die Banken bereitet. KKR versetzt damit die Branche in Aufregung.

New York - Die Beteiligungsfirma KKR lässt sich einem Pressebericht zufolge auf weitreichende Zugeständnisse an die Banken ein, um die Finanzierung der Übernahme des Kreditkarten -Abrechnungsunternehmens First Data zu retten. KKR sei bereit, First Data zu einem bestimmten Gewinn-Verhältnis zur Verschuldung zu verpflichten, berichtet das "Wall Street Journal Europe" am Dienstag. Nur diese Klausel mache es möglich, die Kredite am Markt weiterzureichen.

Die Verhandlungen zwischen KKR und den Banken gilt dem Bericht zufolge als richtungsweisend für die Private-Equity-Branche. Weltweit stehen Übernahmen an, deren Finanzierung bislang noch nicht geklärt ist. Die Höhe dieser Finanzierungen summiert sich auf mehr als 400 Milliarden Dollar. .

Finanzierungen geraten ins Stocken

Bis zum Sommer dieses Jahres konnten die Firmenjäger die Finanzierungsbedingungen praktisch selbst bestimmen - günstiges Geld war im Überfluss vorhanden. Investmentbanken stellten den Private-Equity-Gesellschaften Geld zu günstigen Konditionen zur Verfügung, da die Banken die gewährten Kredite ihrerseits rasch an den Markt weiterreichen konnten.

Dies hat sich nun geändert. Die an der Übernahme beteiligten Investmentbanken haben zunehmend Schwierigkeiten, die Kredite an andere Investoren weiterzugeben. Auch die Übernahme von Chrysler durch Cerberus war ins Stocken geraten, weil sich für eine Chrysler-Schuldverschreibung zunächst keine Käufer fanden. Der Deal konnte nur abgeschlossen werden, weil Daimler  letztendlich weitere Kreditrisiken übernahm.

Banken unter Zeitdruck

Banken unter Zeitdruck

Firmenjäger wie auch die beteiligten Investmentbanken stehen unter Zeitdruck. So lange die Banken die zugesagten Kredite in Milliardenhöhe nicht aus ihren Büchern bekommen, ist der Weg für weitere Übernahmen versperrt. Doch Investoren am Markt verlangen mittlerweile höhere Risikoprämien: Die Banken müssen daher Zugeständnisse machen und verlangen ihrerseits von den Private-Equity-Gesellschaften höhere Sicherheiten.

Die EZB hatte erst in ihrem jüngsten Monatsbericht vor den Risiken gewarnt, die dem Finanzmarkt durch den Übernahmeboom und den damit verbundenen "Credit Risk Transfer" drohen.

KKR hatte die Übernahme von First Data im April dieses Jahres angekündigt. Mit einem Transaktionswert von rund 29 Milliarden Dollar rangiert der Kauf von First Data als eine der 10 größten Übernahmen, die je von einer Private-Equity-Gesellschaft gestemmt wurden. Zahlreiche der Top-Ten-Deals dieses Jahres sind jedoch noch nicht abgeschlossen.

manager-magazin.de

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