Irak Teilabzug der US-Truppen bis 2008

Der US-Oberbefehlshaber im Irak, David Petraeus, hält eine Reduzierung der US-Truppen um rund 30.000 Soldaten bis Sommer nächsten Jahres für möglich. Der Bericht des Generals hat große Bedeutung für die künftige Strategie im Irak und für die amerikanische Wirtschaft.

Washington - "Ich bin überzeugt, dass wir unsere Kräfte bis nächsten Sommer auf das Niveau vor der Aufstockung reduzieren können, ohne die Fortschritte in der Sicherheitslage zu gefährden", sagte der General am Montag in seinem mit Spannung erwarteten Lagebericht vor dem US-Kongress. Die militärischen Ziele der Anfang des Jahres eingeleiteten Aufstockung auf knapp 170.000 Truppen seien weitgehend erreicht worden.

Als konkreten Zeitpunkt für die Truppenreduzierung nannte Petraeus Mitte Juli. Eine weitere Reduzierung der Kampftruppen sei danach zu erwarten, fügte der General hinzu. "Nach meiner professionellen Einschätzung wäre es jetzt aber zu früh, dazu Empfehlungen auszusprechen."

Petraeus' Lagebericht leitete die Debatte der Abgeordneten über die künftige Strategie im Irak. Nach Petraeus wurde auch der US-Botschafter in dem Golfstaat, Ryan Crocker, befragt.

Dem Report wird größte Bedeutung bei den Bemühungen von Präsident George W. Bush beigemessen, den wachsenden Widerstand gegen seine Kriegsstrategie im Irak einzudämmen.

Hochrangige Vertreter der Demokratischen Partei äußerten zum Auftakt der Anhörung scharfe Kritik. Der Irak-Krieg binde so viele Soldaten, dass die USA nicht mehr angemessen auf andere Konflikte reagieren könnten, sagte der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses im US-Repräsentantenhaus, Ike Skelton. Zudem seien die Kosten derart gestiegen, dass Geld für wichtige Investitionen daheim fehle.

Demokraten fordern schnelleren Truppenabzug

Der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses, der Demokrat Tom Lantos, warf US-Präsident George W. Bush vor, den Irak mit seiner kurzsichtigen Politik in ein Fiasko geführt zu haben. Dagegen wies der republikanische Präsidentschaftskandidat Duncan Hunter auf Erfolge in der irakischen Provinz Anbar hin.

Die Demokraten haben im Herbst vergangenen Jahres die Mehrheit im Kongress vor allem mit dem Versprechen erobert, Bush zu einem Kurswechsel im Irak zu zwingen und einen Truppenabzug durchzusetzen.

Die Menschen im Irak würden auf absehbare Zeit eine "traumatisierte Gesellschaft" bleiben, sagte Botschafter Crocker, der im Anschluss an Petraeus sprach. Dennoch sehe er Anzeichen für eine leichte Verbesserung der Situation, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Es sei ein gestiegenes Interesse von Geschäftsleuten zu beobachten, im Irak wirtschaftlich tätig zu werden. Crocker warnte vor einem raschen Abzug des US-Militärs: Der Iran stehe bereit, jedes Machtvakuum im Irak rasch zu füllen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und ap