Firmenpleiten Verbesserung im Eiltempo

In Deutschland haben in der ersten Jahreshälfte so wenige Unternehmen wie zuletzt zur Jahrtausendwende den Gang zum Insolvenzrichter antreten müssen. Die Zahl der Firmenpleiten sank im Jahresvergleich zweistellig. Genau andersherum allerdings sieht es bei den Pleiten deutscher Haushalte aus.

Hamburg - Der robuste Wirtschaftsaufschwung hat die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland im ersten Halbjahr auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren gedrückt. Zugleich meldeten von Januar bis Ende Juni 2007 deutlich mehr Privatschuldner Insolvenz an als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte.

Im ersten Halbjahr 2007 traten 14.515 Unternehmen den Gang zum Insolvenzrichter an und damit 10,8 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Weniger Firmenpleiten hatte es zuletzt im Boomjahr 2000 gegeben, als im ersten Halbjahr gut 13.600 Unternehmen bei den Gerichten Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung anmeldeten. Seit dem Höchststand im Jahr 2003 sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Quartalsvergleich kontinuierlich. Auf Monatssicht sind indes erstmals seit 2005 zuletzt 1,2 Prozent mehr Firmen Pleite gegangen.

Gegenüber dem insgesamt guten Insolvenztrend bei den Unternehmen hierzulande steigt allerdings die Zahl der Verbraucherinsolvenzen seit Jahren stetig. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres kletterte sie um 19,8 Prozent auf 52.430.

Grund dafür ist allerdings nicht die nur die finanzielle Lage vieler Bundesbürger. Im laufenden Jahr steigen beispielsweise die Löhne und Gehälter hierzulande stärker als die Teuerungsrate, zudem sinkt die Arbeitslosigkeit. Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt auch, weil der Gesetzgeber die Bedingungen dafür erleichtert hat. Die Bundesregierung wollte hoch verschuldeten Bundesbürgern so eine größere Chance zur Entschuldung bieten.

Unter dem Strich summierten sich die Forderungen der Gläubiger im ersten Halbjahr auf 16,1 Milliarden Euro, nach 16,9 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Knapp 60 Prozent davon entfielen auf Unternehmen, obwohl nur etwa jeder fünfte Insolvenzfall ein Unternehmen betraf. Die Gesamtzahl der Insolvenzen - zu denen auch ehemalige Freiberufler gezählt werden - erhöhte sich binnen Jahresfrist um 9,0 Prozent auf 82.702 Fälle.

Im Juni wurden den Angaben zufolge 2448 Insolvenzen von Unternehmen und 8750 Insolvenzen von Verbrauchern gemeldet. Insgesamt registrierten die Gerichte im Juni 13.709 Insolvenzen und damit 10,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Darin enthalten sind unter anderem auch ehemals selbstständig Tätige.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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