Wirtschaftsprüfer Drang zur Größe

Die Wirtschaftsprüfungsbranche hat im vergangenen Jahr in Deutschland satte Erlöszuwächse verzeichnet. Daran wird sich laut Lünendonk-Studie auch 2007 nichts ändern - trotz der US-Finanzkrise. Allerdings stehen bei kleinen und mittleren Gesellschaften verstärkt Fusionen an.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Mazars und Röver/Brönner haben es bereits in diesem Jahr vorgemacht. Mazars übernahm RSM Hemmelrath und schloss sich mit Moores Rowland zum Netzwerk Praxity zusammen. Die beiden Gruppen Röver und Brönner fusionierten zu RöverBrönner. Weitere Zusammenschlüsse in der Wirtschaftsprüferbranche werden nach Ansicht der Marktforschungsfirma Lünendonk folgen.

"Die Suche nach Wachstum, der hohe Preisdruck, der zunehmende Drang nach Spezialisierung, aber auch die teilweise ungeklärte Nachfolgeregelung und die Haftungsthematik zwingt deutsche Wirtschaftsprüfungsgesellschaften über Wachstum durch Fusionen und Übernahmen nachzudenken", erläutert Lünendonk-Geschäftsführer Jörg Hossenfelder. Die Firma hat die 65 größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in Deutschland befragt.

Teilweise liege der Stundenlohn für die klassische Prüfertätigkeit bei 20 Euro, will Hossenfelder bei der Umfrage erfahren haben. "Die Preise werden eher flach bleiben, was vor dem Hintergrund der gleichzeitig steigenden Anforderungen an ihre Prüfertätigkeit die Konsolidierung vorantreibt", erwartet Wolfgang Russ von der achtgrößten Prüfungsgesellschaft in Deutschland Dr. Ebner, Dr. Stolz & Partner.

Steigende Anforderungen

Hinzu kommen die steigende Komplexität der rechtlichen Rahmenbedingungen, in denen sich die Prüfer bewegen, und neue Erwartungen der Kunden. "Für die Abschlussprüfung werden beispielsweise forensische Aspekte immer wichtiger", sagt Heiner Kompenhans von Deloitte & Touche. Um dieses Feld als Wirtschaftsprüfer abzudecken, brauche es aber eine bestimmte Unternehmensgröße.

Der Dreh- und Angelpunkt ist auch für Bernhard Steffan von Dr. Ebner, Dr. Stolz & Partner die Mindestgröße. "Die kleinen Anbieter brauchen Leuchttürme, also Bereiche, in denen sie top sind." Um den Kunden ein solches Topangebot bieten zu können, müssten sie allerdings eine Mindestgröße erreichen - oder sich zu einem Netzwerk zusammenschließen.

Das Problem der kritischen Größe quält die so genannten Big Four der Branche - PricewaterhouseCoopers (PwC), KPMG, Ernst & Young sowie Deloitte & Touche - nicht. Sie vereinigten 2006 in Deutschland rund 3,7 Milliarden Euro Umsatz auf sich. Den Gesamtmarkt schätzt Lünendonk auf zehn Milliarden Euro.

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Hält der Geldsegen an?

Genauso wenig trifft die Big Four laut Umfrageergebnis der steigende Preisdruck. Zu dieser demonstrierten Entspanntheit trägt allerdings auch bei, dass sie einen erheblichen Teil ihres Umsatzes als Berater mit entsprechenden Stundenlöhnen erwirtschaften. 250 bis 300 Euro die Stunde seien in der Beratung von Fusionen und Übernahmen gängig, sagt Russ, und das sei noch nicht einmal der Preis auf der Ebene von Partnern.

35 Prozent des Umsatzes erzielte Deloitte & Touche 2006 mit Beratungsdienstleistungen beispielsweise bei Fusionen und Übernahmen. 45 Prozent des Umsatzes wird mit der Wirtschaftsprüfung und 20 Prozent mit der Steuerberatung erzielt. Der größte der Big Four, PwC, setzte mit den klassischen Tätigkeiten der Wirtschaftsprüfer 84 Prozent um, während 16 Prozent der Erlöse aus der Beratung stammen.

Die Wachstumstreiber

Dass der Geldsegen aus der Beratung bei Fusions- und Übernahmetransaktionen wegen der Krise an den Finanzmärkten ausbleibt, davon geht Hossenfelder nach den Gesprächen mit den Wirtschaftsprüfern nicht aus. Die Projekte der so genannten Transaktionsberatung, also Mergers & Acquisitions und Due Diligence, sind 2006 einer der Haupttreiber des Umsatzes der Prüfungsgesellschaften gewesen.

Die befragten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften erwarten für das laufende Jahr ein noch höheres Umsatzwachstum. Um 9,7 Prozent sollen die Erlöse im Durchschnitt steigen. Im abgelaufenen Jahr 2006 steigerten die Firmen ihren Umsatz um 8,3 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro.

Die Gesellschaften seien nicht von "einer Leistungsgruppe" fundamental abhängig, meint auch Russ. Die durch den US-Subprime-Markt ausgelöste Krise an den Kreditmärkten führt zu einer Verteuerung der Finanzierung von Transaktionen der Beteiligungsgesellschaften. Schließlich, ergänzt Russ, gebe es ja noch andere Dienstleistungen wie die Unternehmensberatung bei Squeeze-Outs.

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