Linde Wachstum trotz Schulden

Der weltgrößte Gasekonzern Linde will in den kommenden Jahren weiter viel Geld investieren, obwohl die Schulden des Unternehmens derzeit noch steigen. Die größten Wachstumschancen sieht Firmenchef Wolfgang Reitzle im Ausland.

Hamburg - Bei Linde  läuft die Eingliederung des übernommenen britischen Konkurrenten BOC  offenbar nach Plan. "Wir sind nach einem Jahr gut unterwegs", sagte Unternehmenschef Wolfgang Reitzle in Shanghai. Die Integration von BOC laufe auf vollen Touren und werde Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein. Linde hatte im vergangenen Jahr den britischen Konkurrenten für rund 11,7 Milliarden Euro übernommen.

"Bei uns gab und gibt es bis dahin dennoch Regelungsbedarf", sagte der Unternehmenschef. So werde das Vorstandsmitglied Trevor Burt das Unternehmen Ende 2007 verlassen; er war nach der BOC-Übernahme in den Linde-Vorstand gerückt. Auch eine Ebene darunter sei es in den vergangenen. Mit dem Ausscheiden von Burt verschlankt sich der Vorstand auf vier Mitglieder.

Linde will auch nach der milliardenschweren Übernahme des britischen Konkurrenten BOC nicht auf zukünftige Investitionen verzichten. "Wir werden nicht mehr die gleichen Fehler machen, wie bei der AGA-Übernahme", sagte Reitzle. Linde hatte den schwedischen Gasekonzern AGA im Jahr 1999 übernommen, die dafür nötigen Kredite vergleichsweise schnell beglichen - allerdings auf Kosten anderer Investitionen. Der Konzern war in diesem Zeitraum weniger stark als seine Mitbewerber gewachsen.

"Wir werden deshalb zwar auch künftig unsere Verschuldung im Blick behalten", sagte der Linde-Chef. "Gleichzeitig wird aber auch, wie bisher, gezielt investiert." Dabei werde Linde internationale Wachstumschancen konsequent nutzen. Zum Jahresende rechnet Reitzle weiterhin mit einer Nettoverschuldung von 7,2 Milliarden bis 7,5 Milliarden Euro. Ende Juni hatte die Finanzschuld knapp sieben Milliarden Euro betragen.

Dank des BOC-Zukaufs konnten die Münchener ihre Position im Gasegeschäft in Asien deutlich ausbauen. "Vor der BOC-Übernahme war Linde hier in Asien ein fast unbeschriebenes Blatt, heute sind wir die Nummer Eins in einer absoluten Wachstumsregion", sagte Reitzle. Der Marktanteil des Unternehmens beträgt nach eigenen Angaben zwischen 18 und 20 Prozent. Der Jahresumsatz liege in der Region Asien-Pazifik liege bei rund 1,7 Milliarden Euro, sagte Vorstandsmitglied Aldo Belloni. Zum Umsatz steuerten alleine Australien und Neuseeland etwa 700 Millionen Euro bei. Linde erwartet für die Region einen jährlichen Zuwachs von 15 Prozent.

Neue Nummer Eins in Asien

Neue Nummer Eins in Asien

Mit der BOC-Übernahme musste Linde zwar sein Japan-Geschäft aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen, konnte aber dafür in anderen asiatischen Ländern wie etwa Indien und Vietnam einsteigen oder wie etwa in China deutlich Marktanteile hinzugewinnen. In China sei Linde die Nummer Eins und setze etwa 200 Millionen Euro im Jahr um, sagte Belloni. Der chinesische Markt wachse noch schneller als das übrige Asien.

Neben Linde zählen zu den Topunternehmen in China die französische Air Liquide  sowie die beiden amerikanischen Gaseunternehmen Praxair und Air Products. Die besten Kunden in der Region seien überwiegend Öl-, Chemie- und Stahlkonzerne, wie beispielsweise der Pharma- und Chemiekonzern Bayer  sowie die größte chinesische Ölgesellschaft Sinopec.

Linde hatte sich mit der milliardenschweren Übernahme des britischen Konkurrenten BOC und dem Verkauf der Gabelstaplersparte Kion im vergangenen Jahr zum reinen Industriegase- und Anlagenbauer gewandelt. Mit dem Verkauf des BOC-Komponentengeschäfts war der Konzernumbau abgeschlossen. Von 2009 an erhofft sich Linde weiterhin dank der BOC-Übernahme jährlich Einsparungen von 250 Millionen Euro. Unter anderem werden durch die Fusion offenbar 1800 Arbeitsplätze wegfallen.

Linde ist in mehr als 70 Ländern tätig und erzielte mit 50.000 Angestellten im ersten Halbjahr 2007 einen Umsatz von 5,9 Milliarden Euro und ein operatives Konzernergebnis (Ebitda) von 1,16 Milliarden Euro.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx