Tiefwasserhafen Hochtief verliert Großauftrag

Das für den Bau des neuen Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven ausgewählte Konsortium um den Konzern Hochtief darf das 480-Millionen-Euro-Projekt nicht errichten. Die Unternehmensgruppe wurde nachträglich aus dem Vergabeverfahren ausgeschlossen. Nun drohen dem Hafenprojekt weitere Verzögerungen.

Celle - Der Baukonzern Hochtief  hat den Millionenauftrag für den Bau des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven verloren. Das Oberlandesgericht (OLG) Celle befand am Mittwoch, dass die Vergabe des 480 Millionen Euro teuren Baus des Jade-Weser-Ports an ein von Hochtief geführtes Konsortium nicht rechtens war.

Das Angebot der Gruppe müsse daher vom Ausschreibungsverfahren ausgeschlossen werden, erklärte das Gericht und gab damit der Beschwerde des Konkurrenten Bunte aus Papenburg statt. Jetzt laufe alles auf die Bunte-Gruppe zu, da man den Bau nicht neu ausschreibe, sagte Helmut Werner, Chef der Jade-Weser-Port-Realisierungsgesellschaft.

Die für 2010 geplante Inbetriebnahme des Hafens könne sich verzögern, räumte er ein. "Das ist eine klare Niederlage", sagte Hochtief-Anwalt Martin Vogelsang. Natürlich sei der Konzern sehr enttäuscht. Ende April hatten der Konsortialführer Hochtief und der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger sowie zwei mittelständische Firmen den Auftrag erhalten.

Die Bietergemeinschaft um Bunte zog damals den Kürzeren. Aus Sicht der Realisierungsgesellschaft sprach gegen die Bunte-Gruppe, dass eine der anfangs fünf beteiligten Firmen insolvent wurde. Außerdem hatte das Baukonzept von Bunte die von Niedersachsen und Bremen gegründeten Realisierungsgesellschaft nicht überzeugt.

Das OLG Celle befand hingegen, dass die Insolvenz eines Unternehmens im Bunte-Konsortium nicht automatisch zum Ausschluss aus dem Vergabeverfahren führen dürfe. Zudem kritisierte das Gericht, dass Hochtief sein Angebot widerrechtlich nachgebessert habe. Die Offerte, die das Konsortium gewertet haben möchte, stimme nicht mit dem ursprünglichen Angebot überein, erklärte das Gericht. So sei ein Verbindungsdamm für den Hafenpolder nachträglich aufgenommen worden.

Der Baubeginn für das Prestigeprojekt musste bereits mehrfach verschoben werden. Mit Bahnanbindung und Hafenanlagen wie Kränen kostet der Jade-Weser-Port rund eine Milliarde Euro, rund die Hälfte davon tragen Niedersachsen und Bremen.

Nach dem Gerichtsurteil haben die Grünen der niedersächsischen Landesregierung Versagen vorgeworfen. Die vollkommen verpatzte Auftragsvergabe für den Jade-Weser-Port sei offenbar auf schlechtes Management und Günstlingswirtschaft zurückzuführen, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Stefan Wenzel, in Hannover.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap