Automarkt Detroit in der Dauerkrise

Die amerikanische Autoindustrie befindet sich auf Abwegen. Um die Kapazitäten den schrumpfenden Absatzzahlen anzupassen, schlossen General Motors, Ford und Chrysler bereits Dutzende von Fabriken. Doch es könnte noch schlimmer kommen für die "Großen Drei".

New York - General Motors (GM) , Ford  und Chrysler verbuchten in den vergangenen zweieinhalb Jahren einen gewaltigen Verlust von insgesamt 26 Milliarden Dollar und erleben die stärksten Veränderungen seit Jahrzehnten. Dutzende von Fabriken in Nordamerika werden geschlossen und Zehntausende Arbeiter nach Hause geschickt. Im Juli hatten die Autohersteller aus Fernost und die europäischen Anbieter im US-Markt erstmals einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent.

Die Absatzprobleme der "Großen Drei" könnten sich im weiteren Jahresverlauf noch verschlimmern. Einige Autoexperten gehen für 2007 nur noch von einem US-Jahresabsatz aller Anbieter von rund 16,2 Millionen Autos aus. Das wäre der niedrigste Absatz seit 1998. Die Gründe sind die Kreditverknappung, fallende Immobilien- und weiterhin sehr hohe Benzinpreise. Und für 2008 sieht es kaum besser aus.

GM, Ford und Chrysler verhandeln derzeit mit der US-Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW über weitere Milliardenzugeständnisse, vor allem bei den hohen Krankenversicherungskosten für Betriebsrentner und Mitarbeiter. Sie wollen den Lohnabstand von 25 Dollar pro Stunde gegenüber Toyota , Honda  und Nissan  verringern, deren US-Fabriken nicht gewerkschaftlich organisiert sind und die keine hohen Altlasten haben.

Inmitten der Krise wurde Chrysler von Daimler  für 7,4 Milliarden Dollar an die US-Investmentfirma Cerberus Capital veräußert. Die transatlantische Traumehe platzte, weil es dem deutschen Autokonzern nicht gelungen war, im heiß umkämpften US-Markt mit den Jeep-, Dodge- und Chrysler-Modellen dauerhaft Geld zu verdienen. Die neuen Eigner holten sich sofort Bob Nardelli (59) an die Chrysler-Spitze. Der Sanierungsspezialist und umstrittene ehemalige Konzernchef des weltgrößten Baumarktbetreibers Home Depot soll die "New Chrysler" möglichst rasch auf Vordermann und in die Gewinnzone bringen.

Manager von außen soll es richten

Manager von außen soll es richten

Ford  griff ebenfalls nach außen und holte sich vor einem Jahr den früheren Präsidenten der Boeing-Verkehrsflugzeugsparte Alan R. Mulally an die Konzernspitze. Der Ford-Konzern hatte im vergangenen Jahr 12,6 Milliarden Dollar in den Sand gesetzt, war aber im zweiten Quartal dieses Jahres nicht zuletzt mit Hilfe des Verkaufs der britischen Sportwagenfirma Aston Martin kurzfristig in die Gewinnzone gekommen.

Mulally prüft momentan auch den Verkauf von Jaguar und Land Rover, um mehr Geld in die Kasse zu bekommen. Volvo  steht ebenfalls auf dem Prüfstand. Der Manager hatte mit kluger Voraussicht noch vor Beginn der jüngsten Liquiditätskrise Kredite von mehr als 23 Milliarden Dollar besorgt, um die kostspielige Ford-Sanierung finanzieren zu können. Dabei musste Ford die meisten seiner Vermögenswerte als Sicherheit stellen.

Mulally will bis 2009 wieder schwarze Zahlen in Nordamerika schreiben. Kommt es zum Verkauf von Jaguar, Land Rover und Volvo, hätte Ford seine ehrgeizige und von Milliardenkosten bei Jaguar begleitete Luxuswagen-Strategie völlig rückgängig gemacht, um das Hauptgeschäft zu retten.

Verkauf der lukrativen Geländewagen und Pickups leidet

GM-Konzernchef Rick Wagoner hat ebenfalls Milliarden durch den Verkauf einer 51-prozentigen Beteiligung an der lukrativen Finanztochter GMAC an Cerberus sowie des Getriebehersteller Allison in die Kriegskasse geholt. Damit will er die Sanierung des Nordamerika-Geschäfts vorantreiben. GM dürfte in diesem Jahr endgültig die Führung im globalen Automarkt an Toyota  verlieren. In den USA ist Toyota Nummer zwei vor Ford, Honda  und Chrysler.

Der Verkauf der lukrativen großen Geländewagen und Pickups leidet bei GM, Ford und Chrysler wegen der hohen Treibstoffpreise und zunehmender Konkurrenz der Fremdanbieter. Toyota, Honda, Nissan  und die südkoreanischen Anbieter profitieren auch von der stärkeren Pkw-Nachfrage. Bei Luxusautos dominieren BMW , Mercedes, Porsche  und Audi , obwohl die jüngsten Finanzmarkt-Probleme auch hier eine Zurückhaltung der Käufer nach sich ziehen könnten.

Peter Bauer, dpa

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