Terror in Deutschland Massive Anschläge verhindert

Mit der Festnahme von drei mutmaßlichen Terroristen sind nach Aussagen von Generalbundesanwältin Monika Harms offenbar massive Anschläge mit vielen Toten in Deutschland verhindert worden. Die Behörden sprechen von den bisher schwerwiegendsten Terrorplanungen in der Republik.

Karlsruhe - Die drei am Dienstag festgenommenen Terrorverdächtigen haben offenbar massive Bombenanschläge mit vielen Toten auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant. Es sei gelungen, eine der bisher schwerwiegendsten Terrorplanungen rechtzeitig zu erkennen, sagte Generalbundesanwältin Monika Harms am Mittwoch. Gegen einen der drei Männer wurde inzwischen Haftbefehl erlassen.

Das Bundeskriminalamt (BKA) habe monatelang mit mehreren Landeskriminalämtern und der Bundesanwaltschaft ermittelt, sagte Harms. Die drei Männer sollen bereits am Dienstag mit dem Bau der Sprengsätze begonnen haben.

Im Visier der Verdächtigen waren den Ermittlern zufolge von US-Bürgern besuchte Einrichtungen wie Discos, Pubs und Flughäfen. Konkrete Angaben machten die Behörden nicht. Nach BKA-Angaben waren gleichzeitige Anschläge mit Autobomben an mehreren Orten in Deutschland geplant. Bei den Taten sollte es laut Harms viele Tote und Verletzte geben. Die zwei Deutschen sowie der Türke seien im vergangenen Jahr in Pakistan ausgebildet worden.

Verdächtige offenbar Mitglieder der Dschihad-Union

Die Tatverdächtigen sind den Ermittlungen zufolge Mitglieder der terroristischen islamischen Dschihad-Union. Im Dezember 2006 habe einer der Festgenommenen zwei US-Kasernengebäude in Hanau als potenzielles Anschlagsziel ausgespäht. Dies habe das Bundesamt für Verfassungsschutz festgestellt, berichtete Harms. Nach den Festnahmen seien insgesamt 41 Objekte in mehreren Bundesländern - unter anderem Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen - durchsucht worden, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Dabei seien Unterlagen, Computer und Bargeld sichergestellt worden.

Ziercke sprach von einem Polizeieinsatz, der in dieser Dimension in der Geschichte des Bundeskriminalamtes noch nicht stattgefunden habe. Fast 300 Beamte seien über sechs Monate Tag und Nacht im Einsatz gewesen. Zur Entwarnung bestehe auch nach den Festnahmen kein Anlass: "Wir müssen weiter sehr wachsam sein."

Die Dschihad-Union hat nach Erkenntnissen der Ermittler enge Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida. Eine Verbindung zu den am Dienstag im Großraum Kopenhagen festgenommenen Terrorverdächtigen liege nicht vor.

Sprengstoff hätte Wirkung von 550 Kilo TNT gehabt

Die Behörden teilten mit, zwischen Februar und August 2007 habe einer der Beschuldigten nach und nach zwölf Fässer mit insgesamt 730 Kilogramm 35-prozentiger Wasserstoffperoxidlösung im Raum Hannover beschafft und diese Fässer im Raum Freudenstadt in Baden-Württemberg in einer Garage zwischengelagert. Am 17. August hätten die Verdächtigen ein Ferienhaus im Sauerland angemietet. Die Wirkung des Sprengstoffes hätte laut Harms den Effekt von 550 Kilogramm TNT gehabt.

Den Behörden gelang es nach eigenen Angaben, das Wasserstoffperoxid mit einer niedriger konzentrierten Lösung auszutauschen. Bürger seien nicht gefährdet gewesen. Den Ermittlern zufolge wurde ähnlicher Sprengstoff auch bei den Anschlägen in London im Jahr 2005 verwendet.

Schießerei bei Festnahme im Saarland

Bei der Festnahme im Sauerland am Dienstag gab es offenbar eine Panne. Einer der Männer habe einem Beamten des Bundeskriminalamtes eine Waffe aus dem Holster ziehen können, sagte Ziercke. Aus der Waffe habe sich ein Schuss gelöst. Der Verdächtige und der Polizist seien leicht verletzt worden.

Laut Ziercke wurden zwei Männer von der Bundespolizei-Spezialeinheit GSG 9 festgenommen, der dritte konnte durch ein Fenster flüchten und wurde nach 300 Metern von BKA-Beamten gestoppt. Über den genauen Ablauf des Kampfes gebe es widersprüchliche Aussagen, sagte der Behördenpräsident. Nach Angaben von Bundesanwalt Rainer Griesbaum gingen die drei Tatverdächtigen zuletzt keiner geregelten Arbeit nach. Sie hätten lediglich Aushilfstätigkeiten gemacht oder Arbeitslosengeld II bezogen.

manager-magazin.de mit Material von ap