Bankenkrise "Jetzt die Zeit nutzen"

Wird die amerikanische Kreditkrise zum Auslöser der seit Jahren geforderten Konsolidierung deutscher Banken? Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann haben in Frankfurt solche Denkanstöße gegeben. Am Ende könnte ein weitere deutsche Großbank von internationalem Format stehen.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - Noch sind die Banker mit der Bewältigung der Krise beschäftigt, die durch den amerikanischen Subprime-Markt ausgelöst worden ist. Das Vertrauen der internationalen Kapitalvertreter haben sie noch nicht zurückgewonnen. Aber sie beginnen bereits, mögliche Chancen auszuloten: Die Krise hat immerhin zwei aus ihrer Mitte, den Mittelstandsfinanzierer IKB  und die Landesbank SachsenLB, an den Rand des finanziellen Abgrunds geführt.

Die Krise könne ein "Weckruf" sein, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann auf einer Bankentagung in Frankfurt. Sie könne der Anlass sein, sich "zwei, drei Tage in einem Raum einzuschließen". Dort sollten seiner Ansicht nach dann die Vertreter des Drei-Säulen-Modells überlegen, wie man das deutsche Bankensystem international wettbewerbsfähiger organisieren könne. "Wir müssen die Kräfte irgendwie bündeln, was nicht nur Fusionen, sondern auch Kooperationen einschließt", appellierte Ackermann.

Der Vorschlag trifft nicht auf die grundsätzliche Ablehnung von Heinrich Haasis, dem Präsidenten des Sparkassenverbandes DSGV. Als Vertreter der so genannten zweiten Säule in der deutschen Bankenlandschaft, erinnert der ein wenig maliziös an Äußerungen des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Das Sprachorgan der privaten Banken, dessen Mitglied auch die Deutsche Bank  ist, habe bislang immer auf die Privatisierung der Sparkassen gedrängt. Deshalb bringe er Ackermanns Äußerung mit denen des BdB noch "nicht ganz zusammen".

Steinbrück fordert Ende der Scharmützel

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) interessieren die seit Jahren währenden Scharmützel zwischen den beiden Bankenlagern wenig. Er fordert dezidiert den Umbau der deutschen Bankenlandschaft. "Jetzt sollte die Zeit genutzt werden, mindestens auf der Ebene der Landesbanken zur Konsolidierung zu kommen", sagte der Politiker in Frankfurt.

Nach einem kurzen Moment fügt er hinzu, auch wenn er sich gewünscht hätte, dass dies nicht vor dem Hintergrund eines möglichen Exitus geschehe. Ein bloßes Festhalten am Status quo werde aber für die beteiligten Institute nicht von Vorteil sein.

Bei der SachsenLB steht bereits fest, dass sie wegen der Fehlspekulation mit strukturierten Produkten unter das Dach der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) schlüpfen wird. Diese ist auch an dem Zusammenschluss mit der WestLB interessiert. Die in Düsseldorf ansässige Landesbank ist seit der Spekulation insbesondere mit VW-Aktien angeschlagen.

Keine Tabus für KfW-Anteile

Landesfürsten fürchten um ihre Privilegien

Allerdings hat die nordrhein-westfälische Landesregierung derzeit kein Interesse an einem Zusammenschluss der WestLB mit der LBBW und sondiert eine Nordachse. Nach Ansicht von Steinbrück bleibt jedoch wegen der steuerlichen Verlustvorträge für die Sondierungen nicht viel Zeit.

Regionale Befindlichkeiten sind naturgemäß nicht Sache des Bundesfinanzministers. So sagt er denn auch dezidiert, dass er aus "nationalstaatlichen" Gründen zwei große Player und "ein weiteres Konglomerat gerade auch für den Mittelstand" haben wolle.

Eine Position, von der Haasis nicht weit entfernt ist. Er ist für den Zusammenschluss der WestLB und der LBBW. Beide Häuser würden zusammenpassen, meint er. Seiner Ansicht soll "rasch eine nationale Großbank mit internationalem Geschäft" geschaffen werden.

Bei dem Thema Konsolidierung im deutschen Bankenmarkt stehen allerdings mit der Deutschen Postbank  und der IKB  auch Institute in der ersten Reihe, an denen der Staat über die Staatsbank KfW große Aktienpakete hält. Es sei mit Blick auf die Kursentwicklung brandgefährlich über die Anteile des Bundes zu spekulieren, gibt sich Steinbrück zunächst verschlossen.

Keine Tabus für KfW-Anteile

Dann kündigt er an, dass es "kein Tabu" für die KfW-Anteile an der IKB und der Postbank gebe. Dass er "tabulos" sei, zeige auch die Hereinnahme von Blackstone als Investor bei der Deutschen Telekom . Die amerikanische Private-Equity-Gesellschaft hält ein Paket von 4,5 Prozent der Telekom-Aktien. Zu einem möglichen Zeitpunkt des Verkaufs der Aktienpakete an der IKB und der Postbank gab der Bundesfinanzminister zu bedenken, dass die "Braut" auch hübsch genug sein müsse.

Für Steinbrück ist der deutsche Bankenmarkt mit seinen mehr als 2000 Instituten "überplatziert". Das sei für ihn auch einer der wesentlichen Gründe für die Schieflagen der IKB und der SachsenLB. Im deutschen Markt könnten die nötigen Margen nicht verdient werden. Deshalb sei eine Reihe von Banken, stramm den Blick auf die Rendite gerichtet, dem "Herdentrieb" gefolgt. Dabei hätten sie sich auf Terrains vorgewagt, wo sie weder Expertise noch Know-how gehabt hätten.

Die Rede ist vom Geschäft mit den strukturierten Produkten, die außerbilanziell über Zweckgesellschaften abgewickelt wurden. Bei diesen Zweckgesellschaften hätte es sich doch um "Wundertüten mit dem Knallfrosch Risiko" gehandelt, sagte Steinbrück grinsend. An alle Institute richtete er deshalb auch den Appell, dass der Lerneffekt aus dieser Krise lange anhalten solle, bis das nächste "Rattenrennen" wieder beginnt.

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