Arag kauft zu "Türöffner für Skandinavien"

Europas drittgrößter Rechtsschutzversicherer wird internationaler: Die Arag übernimmt Norwegens Help Forsikring, erfuhr manager-magazin.de exklusiv. Arag-Vorstand Johannes Kathan sagt, warum der Zukauf zum Türöffner der Düsseldorfer für ganz Skandinavien werden kann - und wo die Arag außerdem wachsen will.
Von Karsten Stumm

mm.de: Herr Kathan, wir hörten, die Arag habe ein norwegisches Versicherungsunternehmen gekauft. Ist das der Beginn Ihrer Expansion in Skandinavien?

Kathan: Beides stimmt im Prinzip. Wir haben uns mit 33,4 Prozent an der norwegischen Help Forsikring beteiligt, komplett gekauft haben wir das Unternehmen noch nicht. Das allerdings ist unser Ziel in den kommenden Jahren.

mm.de: Wie teuer ist die Beteiligung?

Kathan: Wir haben für das erste Drittel des einzigen spezialisierten Rechtsschutzversicherers Skandinaviens eine einstellige Millionensumme ausgegeben.

mm.de: Können Sie sicher sein, auch die übrigen zwei Drittel der Firmenanteile zu bekommen?

Kathan: Sicher können sie dabei nie sein. Es ist unser klares Ziel, in den kommenden Jahren die Mehrheit zu übernehmen. Dazu haben wir mit den wichtigsten Anteilseignern mögliche Vorgehensweisen im Vertrag verankert.

mm.de: Welche Rolle spielen die Alteigentümer des Unternehmens bis dahin?

Kathan: Norwegens größter Finanzkonzern in Familienbesitz, Ferd, wird den Aufsichtsratsvorsitz der Help Forsikring übernehmen. Der zweite Gründungsbesitzer, die Storebrand Livsforsikring, soll ebenfalls im Kontrollgremium vertreten sein.

mm.de: Planen Sie erhebliche Investitionen in Ihre Neuerwerbung?

Kathan: Das Geld, das wir für die Help Forsikring ausgeben, fließt vollständig in eine Kapitalerhöhung der Gesellschaft. Der Kaufpreis, den wir zahlen, kommt somit dem Ausbau des Geschäfts direkt zugute.

Norwegen als Wegbereiter

mm.de: Was begeistert Sie so für den norwegischen Versicherungsmarkt, dass die Arag ihn als 13. Auslandsmarkt ins Visier nimmt? In dem Land leben doch bedeutend weniger Menschen als im Ruhrgebiet.

Kathan: Norwegen ist ein reiches Land, die Menschen dort haben einiges zu versichern. Doch der Versicherungsschutz für rechtliche Probleme am Arbeitsplatz, in Ehe-, Familien- und Unterhaltssachen, Strafsachen und Steuerfragen fehlt dort noch weitgehend. Zudem glaube ich, dass wir die geringe Einwohnerzahl des norwegischen Marktes - und somit die niedrige Stückzahl der verkaufbaren Policen - durch die dort mögliche hohe Abschlusssumme mehr als ausgleichen werden.

mm.de: Die Help Forsikring ist noch so etwas wie ein Start-up. Reicht die schrittweise Übernahme einer so kleinen Gesellschaft, um in Norwegen Fuß zu fassen?

Kathan: Wir glauben das fest, ja. Denn die weitere Entwicklung des Unternehmens können wir mit unserer Spezialkenntnis über Rechtschutzversicherungen entscheidend voranbringen. Und der Vertrieb der jetzigen und neuen Produkte ist ebenfalls gesichert, weil die Policen der Help Forsikring von mehr als der Hälfte aller Immobilienmakler in Norwegen vertrieben wird - und darüber hinaus bald auch von Partnern wie der GE Money Bank.

mm.de: Der Zukauf gleicht ein wenig einem Test für den restlichen Markt in Skandinavien, oder?

Kathan: Ja, da haben Sie recht. Wenn es gut läuft, soll das unser Türöffner für Dänemark und Schweden sein. Dann wäre der Markt mit etwa 20 Millionen möglichen Versicherungskunden auch fast viermal so groß, wie der des Ruhrgebiets.

mm.de: Welcher große Versicherer wird Ihnen denn Ihrer Meinung nach als erster nach Skandinavien folgen, wenn der Versicherungsmarkt dort so attraktiv ist, wie Sie ihn schildern?

Kathan: Wir rechnen nicht damit, dass uns eine der europäischen Branchengrößen dort auf die Füße treten wird. Für die ist das Rechtschutzgeschäft eher nicht im strategischen Fokus, und dafür nimmt man keinen neuen Markt in Angriff.

mm.de: Wird denn die Arag über den skandinavischen Markt hinaus noch weitere ausländische in Angriff nehmen?

Kathan: Wenn sich gute weitere Expansionsmöglichkeiten ergeben sollten, werden wir die sicher wahrnehmen. Denn der deutsche Rechtsschutzversicherungsmarkt ist verteilt, und die Umsatzrendite auf unseren Auslandsmärkten liegt mit aktuell 11 Prozent etwa doppelt so hoch wie hierzulande. Mit einem Volumen von mehr als 350 Millionen Euro ist das internationale Rechtsschutzgeschäft deshalb bereits heute der größte Geschäftsbereich innerhalb des Konzerns.

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