Handel Zweierallianz regiert künftig die Metro

Der Mischkonzern Haniel hat seine Beteiligung an der Metro AG überraschend verdoppelt. Zusammen mit der Familie Schmidt-Ruthenbeck hält Haniel nun mehr als 50 Prozent der stimmberechtigten Metro-Aktien. Gegenüber manager-magazin.de erklärt Haniel-Chef Eckhard Cordes exklusiv den Hintergrund der spektakulären Transaktion.
Von Andreas Nölting

Hamburg - Der Druck auf den angeschlagenen Handelskonzern Metro  und seinen Chef Hans-Joachim Körber dürfte sich schon bald kräftig erhöhen.

Am heutigen Freitag teilte das Familienunternehmen Franz Haniel & Cie GmbH überraschend mit, seine Metro-Beteiligung durch Aktienzukäufe von bisher 15,6 Prozent auf 34,24 Prozent der stimmberechtigten Aktien mehr als verdoppelt zu haben. Damit halten die drei Gründungsgesellschafter der Metro - zu denen neben dem Mischkonzern Haniel noch die Familie Schmidt-Ruthenbeck und der Milliardär Otto Beisheim gehören, insgesamt 68,47 Prozent der Stimmrechte der Metro AG.

Für den sonst so selbstbewusst auftretenden Körber dürfte der Aktienzukauf des Haniel-Konzerns ein Alarmzeichen sein. Denn die neue Machtverteilung unter den Großaktionären hat zur Folge, dass allein Haniel und die Familie Schmidt-Ruthenbeck zusammen 50,01 Prozent der Stimmrechte der Metro AG halten und beim anstehenden Umbau des Handelskonzerns eben nicht mehr unbedingt auf die Zustimmung von Otto Beisheim setzen müssen.

Die Familie Schmidt-Ruthenbeck und Haniel würden ihre Interessen künftig bündeln und wie eine Partei handeln, erklärte der frühere Mercedes-Chef und jetzige Haniel-Lenker Eckhard Cordes gegenüber manager-magazin.de. Hintergrund des Aktienzukaufs sei es, in Zukunft bei der Metro eine noch aktivere Shareholder-Position zu besetzen und bessere strategische Einflussmöglichkeiten zu haben.

Laut Cordes, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Metro ist, will Haniel an dem Metro-Investment festhalten und das Paket nicht in naher Zukunft - wie häufig in der Branche spekuliert - an einen anderen strategischen oder Finanzinvestor weiterreichen. "Wir sehen die Metro als ein langfristig hervorragendes Investment", beschreibt Cordes seine Anlagephilosophie, "allerdings werden wir alles daran setzen, dass sämtliche wertsteigernden Potenziale ausgenutzt werden." Ob es damit für die kriselnden Metro-Töchter Kaufhof und Real noch enger werde und die zwei Handelsketten zur Disposition stünden, wollte Cordes gegenüber manager-magazin.de nicht bestätigen.

Das wohl gut drei Milliarden teure Aktienpaket hat Haniel offenbar überwiegend über bestehende Kreditlinien und aus eigenen Mitteln finanziert. Das aktuelle Rating (A-/Stable/A-2) sei durch die Metro-Transaktion nicht betroffen, teilte Standard & Poor's mit.

Die Familie Schmidt-Ruthenbeck äußerte sich nicht zu der neuen Konstellation. Michael und Reiner Schmidt-Ruthenbeck leben in der Schweiz. Sie stehen mit einem Vermögen von 3,2 Milliarden Euro auf Platz 31 der Liste der "Reichsten Deutschen" des manager magazins. Peter Küpfer, früher Finanzvorstand der Credit Suisse und ebenfalls im Aufsichtsrat der Metro, vertritt die Interessen der Familie.