Werksschließung Motorola streicht 700 Jobs in Flensburg

Der weltweit zweitgrößte Handyhersteller Motorola schließt seine Logistik-Sparte in Flensburg mit 700 Arbeitsplätzen. Die Landesregierung Schleswig-Holsteins hatte der Konzernspitze im US-Bundesstaat Illinois zuvor noch ein Rettungskonzept vorgestellt - vergeblich.

Flensburg/Kiel - Das habe die Konzernzentrale in den USA entschieden, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Dietrich Austermann und bestätigte einen Vorabbericht der Zeitung "Flensburger Tageblatt" (Mittwochausgabe).

Ursprünglich hatte sich die Landesregierung erst nach einer Betriebsversammlung am Mittwoch äußern wollen. Austermann und Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (beide CDU) waren in die USA gereist. Der Regierungschef hatte Vertretern der Motorola-Zentrale in Schaumburg im US-Bundesstaat Illinois ein Modell zur Zukunft des Motorola-Standorts Flensburg ohne Einschaltung von Drittfirmen vorgestellt. "Wir waren bereit, bis an die Schmerzgrenze des finanziell und rechtlich Machbaren zu gehen." Die Gespräche seien aber "ein Schlag ins Kontor gewesen".

Nach den Plänen werden die Stellen nach dem Verkauf der Logistik an einen neuen Eigentümer von Anfang 2008 an nach Alsdorf bei Aachen zum kanadischen Logistik-Unternehmen Cinram verlegt. Motorola bestätigte die Verlagerung nach Nordrhein-Westfalen zunächst nicht.

Allen Betroffenen soll ein Angebot für einen Arbeitsplatz an dem neuen Ort unterbreitet. Für nicht umzugswillige Mitarbeiter solle es einen Sozialplan geben. Austermann schränkte aber ein: "Es werden voraussichtlich nicht viele Mitarbeiter nach Alsdorf gehen." Auch Carstensen reagierte mit Enttäuschung. Eine solche Entscheidung sei "bitter und bedauerlich". Mitarbeiter des Flensburger Werkes erklärten vor Ort, das Angebot sei lediglich ein Versuch, die Abfindung zu senken.

Im Flensburger Motorola-Werk waren in den besten Zeiten mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigt. Das Land subventionierte den Handy-Hersteller seit 1994 mit 26 Millionen Euro.

Standortgarantie war offenbar nichts wert

Flensburgs Oberbürgermeister Klaus Tscheuschner reagierte überrascht. Motorola habe jüngst eine dreijährige Standortgarantie abgegeben. "Wir durften bis zuletzt davon ausgehen, dass Motorola zu seinen Versprechen stehen wird." Er machte keinen Hehl aus seinem Ärger über die Informationspolitik. "Es ist unverantwortlich und unverständlich, wenn Motorola jetzt 650 qualifizierte, motivierte und äußerst flexible Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit schickt. Denn das Angebot, mit den Arbeitsplätzen in das mehr als 600 Kilometer entfernte Aachen zu ziehen, ist für die in unserer Region verwurzelten Mitarbeiter keine ernsthafte Alternative."

Motorola, international die Nummer zwei der Handyhersteller, hatte zuletzt einen Rückschlag auf den Weltmärkten hinnehmen müssen. Der Konzern verkaufte im zweiten Quartal diesen Jahres knapp 40 Millionen Mobiltelefone, nach 50 Millionen im Vorjahresquartal. Damit sank der Marktanteil von 21,9 auf 14,6 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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