VW-Betriebsräte Streit mit Großaktionär Porsche

Zwischen dem VW-Betriebsrat und dem Volkswagen-Großaktionär Porsche ist einem Bericht zufolge ein heftiger Streit entbrannt. Die Beteiligten wiegeln ab. Dennoch dürften die VW-Arbeitnehmervertreter vergeblich auf einen eigenen Sitz im Aufsichtsrat der neuen Porsche-Holding hoffen.

Wolfsburg/München - Porsche-Chef Wendelin Wiedeking habe die Macht der Wolfsburger Arbeitnehmervertreter erheblich beschnitten, berichtete das Magazin "Focus" am Samstag vorab. Trotz massiver Forderungen hätten sie keinen Sitz im neuen Aufsichtsrat der Porsche-Holding erhalten und sollten zudem Jahrzehnte alte Privilegien verlieren. Über dieses Vorgehen habe sich VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh schriftlich bei Wiedeking beschwert.

Gunnar Kilian vom VW-Konzern- und Gesamtbetriebsrat wies den Bericht am Samstag zurück, da er "in weiten Teilen nicht den Tatsachen" entspreche. "Herr Osterloh hat mehrfach deutlich gemacht, dass die Arbeitnehmervertreter von Volkswagen das Engagement vom Großaktionär Porsche bei Volkswagen begrüßen. Daran hat sich nichts geändert", sagte Kilian in Hannover.

Sollte das VW-Gesetz fallen, sei Europas größter Automobilhersteller durch die beiden Großaktionäre Porsche und Land Niedersachsen weiterhin vor feindlichen Übernahmen geschützt. "Das hat oberste Priorität für unsere Kolleginnen und Kollegen. Denn es garantiert, dass Arbeitsplätze nicht willkürlich kurzfristigen Renditezielen geopfert werden."

Wiedeking lehnt dem Magazinbericht zufolge das Wolfsburger Modell der einflussreichen Mitbestimmung ab und habe einen Weg gefunden, die gewerkschaftlichen Sonderrechte bei Volkswagen  zu kappen, hieß es in dem Bericht weiter.

"Wenn wir VW beherrschen würden"

Im Aufsichtsrat der Ende Juni gegründeten europäischen Aktiengesellschaft "Porsche Automobil Holding SE" sitzen nur Porsche-Betriebsräte sowie Vertreter der IG Metall Stuttgart. Die Holding, die als neues Machtzentrum gilt, umfasst neben der 100-Prozent-Tochter Porsche AG  auch die VW-Beteiligung von derzeit 30,9 Prozent.

Kurz nach der Gründung bat Osterloh laut "Focus" den Porsche-Chef schriftlich um VW-Plätze im Holding-Aufsichtsrat. Nach dessen mehrmaliger Ablehnung habe der Betriebsratsvorsitzende mit Hilfe des VW-Aufsichtsrats ein juristisches Gutachten in Auftrag gegeben, das beweisen sollte, dass die Wolfsburger Gewerkschafter im Holding- Gremium berücksichtigt werden müssten.

Die Münchner Anwaltskanzlei Linklaters habe aber festgestellt, dass zwischen Porsche und VW "kein Abhängigkeitsverhältnis im Sinne des Aktiengesetzes" bestehe, weil der Großaktionär "keinen beherrschenden Einfluss ausüben kann". Die VW-Arbeitnehmervertreter hätten demnach keinen Rechtsanspruch auf Sitze im Holding-Aufsichtsrat von Porsche.

Auch Porsche-Kommunikationschef Anton Hunger wies am Samstag in Stuttgart darauf hin, die Betriebsräte hätten "nur einen Anspruch auf Sitze, wenn wir VW beherrschen würden. Dies tun wir nicht."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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