SachsenLB Notverkauf noch am Wochenende

Bei der angeschlagenen SachsenLB spitzt sich die Lage weiter zu. Noch an diesem Wochenende soll ein neuer Eigentümer gefunden werden, wie jetzt erstmals offiziell bekannt wurde. Gleichzeitig stehen der Landesbank offenbar weitere personelle Konsequenzen ins Haus.

Dresden - Für die krisengeschüttelte Landesbank Sachsen soll noch an diesem Wochenende eine Lösung gefunden werden. In einer kurzen Sondersitzung hat Finanzminister Horst Metz (CDU) die sächsische Regierung am Samstag über laufende Verhandlungen mit anderen Landesbanken informiert.

Das Kabinett sei sich einig, dass die Verhandlungen am Wochenende fortgesetzt und erfolgreich abgeschlossen werden, sagte Metz im Anschluss der Sitzung. "Ich gehe davon aus, dass wir am Wochenende eine gute Lösung für den Freistaat finden werden." Gespräche würden unter anderem mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) geführt. Am Freitagabend sei bis 1.30 Uhr nachts verhandelt worden.

Der Minister bestätigte damit zum ersten Mal Informationen, wonach die Landesbank kurzfristig verkauft und damit gerettet werden soll. Metz ist zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrats der SachsenLB. Jede weitere Stellungnahme lehnte er ab. Danach kehrte er zurück in die Verhandlungen mit Landesbanken.

Landesbank in Schieflage

Nach einem Bericht der "Welt" (Samstagausgabe) wollen die Eigentümer der Sachsen LB - der Freistaat und die Sachsen Finanzgruppe - am Sonntagabend über einen Zusammenschluss mit einer anderen Landesbank entscheiden. Favorit soll demnach die Landesbank Baden-Württemberg LBBW sein. Gleichlautende Spekulationen hatte es bereits am Freitag auch in anderen Medien gegeben. Bei der LBBW hieß es am Samstag: "Kein Kommentar".

Wegen der US-Hypothekenmarktkrise war der von der Bank-Tochter Sachsen LB Europe (Dublin/Irland) gemanagte Fonds Ormond Quay in Bedrängnis geraten. Die Sparkassen-Finanzgruppe stellte eine Kreditlinie von 17,3 Milliarden Euro bereit. Grund für die eilige Suche nach einem neuen Eigentümer sei ein neues Liquiditätsloch von 400 Millionen Euro, wie Medien am Freitag und am Samstag unter Berufung auf Finanzkreise berichteten.

Bankchef Süß vor dem Aus

Neue Verlustrisiken?

Die neuen Verlustrisiken sollen in Zusammenhang mit Geschäften der Zweckgesellschaft Georges Quay stehen, die ebenfalls von Dublin aus in großem Stil verbriefte Kreditforderungen aufgekauft haben soll. Anders als die Schwestergesellschaft Ormond Quay habe diese Gesellschaft ihren Geschäftsbetrieb erst nach dem Wegfall der Gewährträgerhaftung aufgenommen, so dass der Freistaat Sachsen für ihre Verluste nicht mehr mit Steuergeldern in die Bresche springen müsse. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) soll die Eigentümer aufgefordert haben, schnell zu handeln.

Nach einem Bericht des SPIEGEL hat die BaFin bereits 2004 Missstände bei der Dubliner Tochter der Landesbank entdeckt. Wie das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf die Sonderprüfung der BaFin 2004 berichtet, habe die sächsische Landesbank schon zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2003 mit "außerbilanziellen Portfolien im Umfang von 30,7 Milliarden Euro" gemanagt, deren Risiken die Bank "im wesentlichen Umfang" mittrage. Wegen eben solcher Geschäfte war die Sachsen LB in Schieflage geraten.

Dem SPIEGEL zufolge hätte die Krise bei dem Institut aber vermieden werden können. Denn die von der BaFin beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG habe in ihrem Bericht vom April 2005 festgestellt, dass in der Dubliner Tochter Großkreditgrenzen verletzt und Buchwerte nicht korrekt ermittelt wurden. Zudem seien die internen Kontroll- und Risikofrüherkennungssysteme nicht so überwacht und gesteuert worden, wie es die deutschen Gesetze verlangen. Die internen Organisationsabläufe würden als "veraltet, unvollständig, widersprüchlich, nicht umgesetzt" kritisiert.

Bankchef Süß vor dem Aus

Die BaFin verwies dem Magazin zufolge darauf, dass auch die Bundesbank damals das Papier erhalten habe. Mitarbeiter der Behörde versicherten zudem, dass die notwendigen Maßnahmen eingeleitet und von den Abschlussprüfern des Institutes auch kontrolliert worden seien.

Wie die "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe) unter Berufung auf Finanzkreise berichtet, steht die Abberufung von Bankchef Herbert Süß unmittelbar bevor. Der Vorstandschef müsse sich neben der aktuell brisanten Eigenkapitalsituation auch die riskanten Transaktionen der Dubliner Bank-Tochter Sachsen LB Europe in vollem Umfang zurechnen lassen. Schließlich gehöre er dem Aufsichtsgremium dieser Gesellschaft bereits seit 2002 an, so dass er über die von den dort geführten Zweckgesellschaften getätigten Geschäfte und deren Risiken in vollem Umfang hätte informiert sein müssen. Am Donnerstag war bereits das Sachsen-LB-Vorstandsmitglied Stefan Leusder zurückgetreten.

An der Sachsen LB ist der Freistaat Sachsen mit 37 Prozent beteiligt, die Sachsen-Finanzgruppe der Sparkassen hält 63 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und reuters

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