Bahn Kunden drohen höhere Fahrpreise

Die Bahn könnte ihre Kunden künftig stärker zur Kasse bitten. Die gestiegenen Energiekosten sowie die Kosten des jüngsten Tarifabschlusses setzen dem Unternehmen zu: Man sei mit dem Abschluss "bis an die Grenze des Vertretbaren" gegangen, so Bahnchef Hartmut Mehdorn.

Berlin - Bahnchef Hartmut Mehdorn schloss eine Erhöhung der Fahrpreise nicht aus. Die hohen Energiepreise machten der Bahn Mühe, auch der Tarifabschluss sei "außerordentlich hoch gewesen", sagte er am Donnerstag auf der Halbjahrespressekonferenz in Frankfurt am Main. "Beides macht uns zu schaffen. Wir werden prüfen, wie wir damit umgehen müssen." Derzeit gebe es aber keinen konkreten Plan für eine Fahrpreiserhöhung.

Mehdorn zeigte sich optimistisch, in den laufenden Verhandlungen mit der Gewerkschaft der Lokführer (GDL), die sich in den erzielten Tarifabschluss nicht eingebunden sieht und der Bahn mit Streiks droht, einen "Kompromiss zu finden, mit dem alle leben können". Konkret wollte er sich nicht zum aktuellen Verhandlungsstand äußern. "Wir brauchen Ruhe", sagte er.

Die Warnstreiks und Streikdrohungen der Bahnmitarbeiter haben der Bahn in diesem Jahr bislang Umsatzeinbußen in zweistelliger Millionenhöhe beschert. "Dieser Umsatz ist unwiederbringlich verloren und kann nicht nachgearbeitet werden wie in anderen Branchen", sagte Mehdorn.

Abschluss kostet 250 Millionen Euro pro Jahr

Mit dem Tarifabschluss, den die Bahn im Juli mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart hat, sei die Bahn bereits "an die Grenze des wirtschaftlich Vertretbaren" gegangen, sagte Mehdorn. Dieser Abschluss koste die Bahn pro Jahr 250 Millionen Euro.

"Rein wirtschaftlich gesehen ist der Tarifkonflikt mit der GDL beherrschbar", sagte der Manager. Die Bahn sei inzwischen international aufgestellt, und die GDL könne "maximal 15 Prozent unseres Geschäfts" treffen. Sollte es zu einem Streik kommen, werde die Konzernführung sich darauf mit umfangreichen Maßnahmen vorbereiten. "Die Bahn wird auch in einem solchen Fall die Versorgung und Mobilität des Landes sicherstellen", sagte Mehdorn.

Kritiker: Bahn rechnet falsch

Umsatzanstieg von 5 Prozent erwartet

Das Geschäft der Bahn wird in diesem Jahr nach Angaben des Konzernvorstands besser laufen als ursprünglich vorhergesagt, falls der drohende Lokführerstreik dem Unternehmen nicht einen dicken Strich durch alle Rechnungen macht. "Wir erwarten - sofern keine besonderen Ereignisse eintreten - für 2007 eine Entwicklung, die noch leicht über unserer Prognose aus dem März liegt", sagte Finanzvorstand Diethelm Sack. Fürs Gesamtjahr rechnet das Unternehmen jetzt mit einem Umsatzanstieg von 5 statt der prognostizierten 3 Prozent. Beim operativen Ergebnis (Ebit) vor Sondereffekten peilt die Bahn rund 2,4 Milliarden Euro nach 2,1 Milliarden Euro im Jahr zuvor an.

Kritiker: Bahn rechnet falsch

In den ersten sechs Monaten, also noch vor den Warnstreiks, erwirtschaftete die Bahn einen Umsatz von 15,3 Milliarden Euro, das sind 5,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Ebit stieg um 44 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro.

Das Bündnis "Bahn für alle", das gegen die geplante Privatisierung der Bahn kämpft, warf dem Konzern vor, in der Halbjahresbilanz falsch gerechnet zu haben. "Die tatsächliche Bahn-Bilanz des Bundes ist negativ: Zieht man die staatlichen Zuschüsse für Schieneninfrastruktur und Nahverkehr von rund acht Milliarden Euro ab, so wird aus dem angeblich dicken Plus ein dickes Minus", sagte Carl Waßmuth vom globalisierungskritischen Netzwerk Attac, einer der 13 Organisationen des Bündnisses.

Der Bund solle seine Verantwortung als Eigentümer wahrnehmen und die Verkaufspläne aufgeben.

Von Michael Bauer, ap

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