Firmenkäufe Fast die Hälfte zerstört Kapital

Nur knapp die Hälfte aller Fusionen und Übernahmen halten, was sich die Unternehmen davon versprechen, haben BCG-Experten ermittelt. Erfolgreich sind oft nur jene Zukäufe, die auf den ersten Blick verblüffend teuer waren - und manche Deals der Private-Equity-Anleger.
Von Karsten Stumm

Düsseldorf - Wird diese Statistik die Aktionäre beruhigen, deren Firmen ein anderes Unternehmen kaufen wollen?

Gerade mal 56 Prozent aller Übernahmen und Fusionen zwischen 1992 und dem Jahr 2006 haben wirtschaftlich Sinn gemacht - jedenfalls unter dem Strich. Das hat die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in einer Studie ermittelt.

Allerdings nutzte das Geschäft oftmals einseitig den Besitzern der übernommenen Firmen. Die Eigentümer der kaufenden Gesellschaft schauten dagegen umso öfter in die Röhre und mussten draufzahlen.

"In den untersuchten 14 Jahren beispielsweise waren die Fusions- und Übernahmegeschäfte in 58,3 Prozent aller untersuchten Fälle für die Aktionäre der übernehmenden Firma wertzerstörend, hat sich erneut bestätigt", resümiert Boston-Consulting-Partner Alexander Roos. Für sie lief es vor allem bei Großübernahmen im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar schlecht, weil solch große Firmenzugänge schwer in die bestehende Gesellschaft zu integrieren seien.

Besonders leiden mussten darunter offenbar die Anteilseigner amerikanischer Firmenaufkäufer. Der Wert ihrer Gesellschaften sank durch Übernahmen anderer Unternehmen im Schnitt um 2,2 Prozent in den untersuchten 14 Jahren.

Europäische Aktionäre können sich bei solchen Zahlen schon fast entspannt zurücklehnen. Die Anteilseigner expandierender Gesellschaften auf dem alten Kontinent mussten im gleichen Zeitraum durchschnittlich nur Wertverluste in Höhe von 0,2 Prozent des vorherigen Firmenwerts hinnehmen. Und wenn die eigene Gesellschaft auch noch in der Auto- oder der Chemiebranche oder dem Einzelhandel tätig war, blieben bisweilen sogar kleine Wertzuwächse von unter 1 Prozent übrig.

Teuer und erfolgreich

Teuer und erfolgreich

"Einer der interessanten Punkte unserer Untersuchung ist, dass wertsteigernde Deals öfter auftraten, wenn der Übernahmepreis auf den ersten Blick hoch war", sagt Roos. Speziell in Boomphasen wie zwischen den Jahren 1997 und 2001 sei das zu beobachten gewesen.

Womöglich hätten die übernehmenden Firmen in solchen Phasen mehr Wert auf die Analyse der wirtschaftlichen Aussichten der Unternehmen gelegt, die sie aufs Korn genommen hatten - und nicht oberflächlich auf den Preis geschaut, mutmaßen die BCG-Experten. Denn der Aufpreis auf den Aktienkurs, der schließlich gezahlt worden ist, sei im Verhältnis zu den Gewinnaussichten der übernommenen Gesellschaften dann unter dem Strich gar nicht so üppig gewesen.

"Die wirtschaftliche Grundlage der zu übernehmenden Firma sowie die Chance, diese weiter auszubauen - abzulesen an günstigen Bewertungskennziffern - sind die Schlüssel zum Erfolg", sagt Roos.

Besonders gut haben sich insgesamt Private-Equity-Investoren bei Firmenkäufen geschlagen. Lange Zeit sei ihnen unterstellt worden, jeden noch so abenteuerlichen Preis für Gesellschaften zu zahlen, solange die Finanzierung nur irgendwie möglich wäre. "Im Schnitt haben die Private-Equity-Investoren aber günstiger eingekauft als strategische Investoren", sagt Roos.

"Weltmeister im Timing"

Was auf den ersten Blick verblüfft, ist hinter den Kulissen der Private-Equity-Branche weniger erstaunlich. Denn die Finanzinvestoren tendierten nach Beobachtungen von BCG in den vergangenen Jahren dazu, sich im Schnitt aus Branchen mit Konsolidierungsdruck herauszuhalten. Schließlich würden dort oftmals besonders happige Preise für die angebotenen Unternehmen verlangt.

Stattdessen hätten sie es oft verstanden in diese Branchen einzusteigen, bevor die Konsolidierungswelle einsetzte. "Private-Equity-Investoren sind Weltmeister im Timing", sagt Kroos. Oder sie interessierten sich für Firmen, bei denen strategische Investoren beispielsweise aus Wettbewerbsgründen nicht zum Zuge kommen konnten - und sie das Geschäft somit unter sich ausmachen konnten.

Nicht zuletzt haben die Private-Equity-Gesellschaften oft einen mächtigen Verbündeten bei ihren Übernahmeversuchen: das Management der Gesellschaft, die in ihr Fadenkreuz geraten sei. Deren Vorstände glauben nicht selten ihre eigene Haut retten und ihren Job behalten zu können, wenn sie sich in die Arme eines solchen Aufkäufers werfen.

Werde ihre Firma dagegen von einem Branchenkonkurrenten übernommen, würde dieser die neue Tochterfirma zumeist schnell einzugliedern versuchen. Und dazu braucht er das alte Management nicht.

Fusionen und Übernahmen: Vier Grafiken zur Studie

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