GPC Hängepartie für Biotech-Hoffnung

Die Zulassung des Prostatamittels Satraplatin verläuft unerwartet holprig und belastet den Hersteller GPC. Mit einem harten Sparkurs will das hoffnungsvolle Biotech-Unternehmen die Durststrecke überstehen: 15 Prozent der Mitarbeiter müssen gehen, alle anderen Forschungen werden auf Eis gelegt.

Frankfurt am Main - Das Biotechunternehmen GPC Biotech  plant nach seinem Rückschlag im Zulassungsverfahren für das Prostatakrebsmittel Satraplatin harte Einschnitte. Die Firma will 15 Prozent ihrer 316 Stellen streichen und den Vorstand umbauen. Zudem will sich GPC vorrangig auf die Entwicklung von Satraplatin konzentrieren und andere externe Studien auf Eis legen. GPC erhofft sich davon in diesem Jahr zusätzliche Einsparungen von bis zu zwei Millionen Euro, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte.

Der Stellenabbau betrifft nur die USA, wo das Unternehmen mehr als die Hälfte seiner Mitarbeiter beschäftigt. Dort müssen 46 von bislang über 180 Mitarbeitern gehen, die derzeit in den Bereichen Vermarktung, Medikamentenentwicklung und Verwaltung arbeiten. Sie sollen ein Abfindungspaket erhalten. Die erst im Aufbau befindliche US-Vertriebsmannschaft wird damit weitgehend wieder zurückgefahren. GPC will in den betroffenen Bereichen aber Kerngruppen an Mitarbeitern behalten, die als Basis für einen späteren möglichen Wiederaufbau dienen sollen.

Die Krebs-Expertin Martine George, die im Frühjahr 2006 zu GPC kam, wird nun die Leitung der Medikamentenentwicklung übernehmen. Der bisher zuständige Marcel Rozencweig soll sich auf die Einlizenzierung neuer Medikamente konzentrieren.

Satraplatin ist der größte Hoffnungsträger von GPC mit erwarteten jährlichen Spitzenumsätzen von mehr als 500 Millionen Dollar. Das Unternehmen hatte ursprünglich für August mit einer Zulassung in den USA gerechnet. Nach der negativen Entscheidung eines Beratergremiums der US-Gesundheitsbehörde FDA über eine schnelle Genehmigung will GPC nun aber erst - wie von dem Gremium empfohlen - die Analyse der endgültigen Überlebensdaten aus der Zulassungsstudie abwarten.

"Glauben weiter fest an Satraplatin"

GPC hatte bereits angekündigt, mit Kostensenkungen 2007 zehn Millionen Euro einsparen zu wollen. Mit den nun angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen sollen die die Einsparungen auf elf bis zwölf Millionen Euro belaufen. Das Unternehmen, das noch kein Medikament auf dem Markt hat, setzt zwar seine durch eigene Wissenschaftler betriebenen Forschungsprogramme fort. Mit dem monoklonalen Krebsantikörper 1D09C3 und den Zellzyklushemmer-Programmen will GPC aber vorerst keine neuen finanziellen Verpflichtungen eingehen.

Die laufenden Studien mit Satraplatin sollen fortgesetzt werden. "Ich möchte außerdem betonen, dass wir weiterhin fest an Satraplatin glauben und wir alles Ermessliche tun werden, um Satraplatin erfolgreich auf den Markt zu bringen", sagte Vorstandschef Bernd Seizinger. Die GPC-Aktie startete nach der Mitteilung mit Kursgewinnen von gut drei Prozent in den Handel.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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