Kreditkrise EZB bleibt bei Zinserhöhung

Ungeachtet der Turbulenzen an den Finanzmärkten will die Europäische Zentralbank Anfang September den Leitzins erhöhen. Grund ist die Sorge der Zentralbank um die Preisstabilität - für die vor allem die französische Regierung kein Verständnis hat.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hält trotz der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten an ihrer geplanten Zinserhöhung im September fest. Die geldpolitische Strategie der Notenbank orientiere sich nach wie vor an den letzten Aussagen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet von Anfang August, teilte die EZB am Mittwoch mit.

Trichet hatte damals betont, die Notenbank beobachte die Inflationsrisiken mit "besonderer Wachsamkeit". Dies gilt als Schlüsselformulierung für eine Zinsanhebung im nächsten Monat. Der Leitzins im Euro-Raum wird somit am 6. September voraussichtlich von 4,0 auf 4,25 Prozent steigen.

Volkswirte hatten zuletzt gezweifelt, dass die EZB den Zinsschritt vollzieht, weil die Märkte wegen der US-Immobilienkrise weltweit in Aufruhr geraten waren. Auch aus der Politik mehrten sich Stimmen, die vor einem Zinsschritt warnten. So sprach sich französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde dafür aus, zur Beruhigung der Finanzmärkte die Zinsen im Euroraum zu senken. Ein solcher Schritt helfe Unternehmen und Märkten gleichermaßen, sagte die Ministerin dem britischen Sender BBC. Letztendlich liege die Entscheidung darüber aber in den Händen der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die EZB und andere Notenbanken hatten den Geschäftsbanken mehrfach Milliardenbeträge zusätzlich zur Verfügung gestellt, um Liquiditätsengpässe zu verhindern. Zuletzt hatten die Notenbanken von einer Entspannung an den Märkten berichtet.

Ebenso hat die EZB einen zusätzlichen Langfrist-Tender ausgeschrieben. Damit solle die Normalisierung am Geldmarkt unterstützt werden, teilte die Zentralbank mit. Am Geldmarkt waren wegen der US-Hypothekenkrise die kurzfristigen Zinsen in den vergangenen Wochen stark gestiegen, da die Banken sich untereinander kaum noch Kredite geben wollten.

Die EZB hat mit zusätzlichen Übernachtkrediten bereits die Zinsen für Tagesgeld wieder drücken können. Doch bei den Termingeldern hielt die Kreditklemme an.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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