Immobilienkrise Weitere Hypothekenbank insolvent

In den USA muss ein weiterer Hypothekenanbieter aufgeben. Die Firma First Magnus, die bereits seit der vergangenen Woche keine Kredite mehr vergibt, hat Gläubigerschutz beantragt und entlässt massenweise Mitarbeiter. Die Märkte hoffen unterdessen auf eine Beruhigung der Finanzkrise.

New York - Die Krise am US-Immobilienmarkt hat nun auch einen der größten unabhängigen Hypothekenanbieter des Landes in die Pleite getrieben. Rund eine Woche nach Einstellung der Kreditgeschäfte beantragte First Magnus Financial am Dienstagabend Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts.

Das vor elf Jahren gegründete Unternehmen kündigte eine Liquidierung an. Es entließ bis auf 60 Angestellte alle seiner knapp 6000 Mitarbeiter. "Wir sind traurig, dass First Magnus durch die umfassende und plötzliche Liquiditätskrise am Hypothekenmarkt in eine solche Lage geraten ist", erklärte Firmenchef G.S. Jaggi.

Das in Tucson im Bundesstaat Arizona ansässige Institut war im ersten Halbjahr die Nummer 16 der US-Hypothekenbranche mit Baufinanzierungen im Volumen von mehr als 17 Milliarden Dollar. First Magnus ist in allen 50 Bundesstaaten aktiv. Vor einer Woche hatte das Unternehmen bereits mitgeteilt, wegen der zunehmenden Risikoscheu der Anleger keine Käufer für seine Hypothekenkredite mehr zu finden und daher die Kreditvergabe einzustellen. In seinem Insolvenzantrag ist von bis zu 50.000 Gläubigern die Rede.

Die amerikanische Hypothekenfirma Accredited Home Lenders greift als weiteres Opfer der Krise auf dem Immobilienmarkt zu Massenentlassungen. Von 2600 Mitarbeitern sollen nur noch 1000 bleiben. Vom 5. September an sollen alle 60 Zweigstellen und fünf weitere Büros geschlossen und die Großhandelsoperationen mit Hypothekenmaklern drastisch eingeschränkt werden. Das Unternehmen mit Sitz in San Diego (Kalifornien) werde auch keine Neuanträge für Hypothekenkredite mehr annehmen. In der Krise um massive Zahlungsausfälle bei Immobilienkrediten haben bereits dutzende amerikanischer Hypothekenbanken und -firmen haben ihren Betrieb eingestellt.

In den vergangenen Wochen hat sich die Krise am Hypothekenmarkt rapide verschärft. Die gesamte Branche leidet unter einer steigenden Zahl von Zahlungsausfällen der Schuldner, nachdem die Zinslast stieg und zugleich die Häuserpreise nach einem jahrelangen Boom einbrachen. Dies macht Verkäufe der Hypothekenkredite an den Kapitalmärkten zunehmend schwieriger.

Rätseln über die Fed

Rätseln über die Fed

Zudem werden Banken bei der Vergabe von Darlehen an Anbieter von Baufinanzierungen immer restriktiver. Die Folge: Dutzende Finanzinstitute haben sich 2007 von diesem Markt verabschiedet. Auch die größte US-Hypothekenbank Countrywide Financial  ist von der um sich greifenden Krise betroffen und steckt in Liquiditätsnöten.

US-Finanzminister Henry Paulson warnte unlängst, die Probleme am Immobilien- und Kreditmarkt seien noch lange nicht ausgestanden. An den Märkten belastet die Angst vor einer Ausweitung der Krise auf die gesamte Finanzbranche und damit vor Engpässen bei der Kreditversorgung seit einiger Zeit die Kurse.

Dies rief auch die Notenbank auf den Plan, die weltweit Milliardensummen ins Bankensystem pumpte. Zudem senkte die US-Zentralbank (Fed) am Freitag den Diskontsatz um einen halben Prozentpunkt und verbilligte damit die Geldversorgung für die Geschäftsbanken. Dies trug zu einer Kurserholung an den Börsen bei. Anleger spekulieren nun, ob die Fed ein weiteres Mal an der Zinsschraube dreht, um die Märkte zu beruhigen. Derartige Hoffnungen trieben am Mittwoch auch die Aktienkurse weiter nach oben.

US-Senator Christopher Dodd hatte am Dienstagabend nach einem Gespräch mit US-Notenbankchef Ben Bernanke erklärt, dieser habe durchblicken lassen, alle verfügbaren Mittel zur Beruhigung der Märkte einzusetzen. Das "Wall Street Journal" berichtete dagegen, die US-Währungshüter seien derzeit verhalten optimistisch, dass die bisherigen Maßnahmen griffen. Dies deute darauf hin, dass sie mit möglichen nächsten Schritten bis zur regulären Sitzung am 18. September warteten.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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