Freitag, 6. Dezember 2019

Bundeswehr Verschossen in die Wehrpflicht

2. Teil: Teurer als andere Nato-Armeen

Teurer als andere Nato-Armeen

Im Bundeshaushalt steht davon nichts. Dort werden nur jene Kosten der Armee aufgeführt, die der Bund direkt zahlen muss: Aktuell rund 28 Milliarden Euro, etwa für Sold, Unterkünfte und Gerätschaften der Truppe. Doch selbst bei der Analyse dieser offenen Kosten schneidet die Wehrpflicht-Bundeswehr nicht unbedingt besser ab als die Berufssoldatenheere der Nato-Partner.

Besser ausgebildet: Höhere Qualifikation gleicht höheren Sold von Berufssoldaten aus
Zwar stünde zu erwarten, dass die Personalkosten in einer reinen Berufsarmee höher ausfallen als bei einem Einsatz von Wehrpflichtigen. Schließlich müsste der Bund seinen Berufssoldaten mehr zahlen als den Zwangsrekrutierten. "Doch Berufssoldaten sind arbeitsteilig spezialisierte Fachkräfte, die mehr leisten können als Wehrpflichtige", so Wehrpflichtforscher Trabold. "Nicht zuletzt deshalb kommen beispielsweise Briten und Amerikaner in ihren Streitkräften mit verhältnismäßig weniger Leuten aus. Das gleicht die höheren Löhne in Berufsarmeen aus."

Forscher der Bundeswehruniversität in München gehen noch weiter. Die Experten für Sicherheits- und Militärökonomie ermittelten unter bestimmten Voraussetzungen sogar klare Kostenvorteile für ein Berufsheer. Ihrer Meinung nach könnte der Bund etwa 7 Prozent seines Verteidigungshaushalts sparen, wenn er die Wehrpflicht abschafft - rund zwei Milliarden Euro jährlich.

"Die Vermutung, dass die Bundeswehr als Wehrpflichtarmee billiger sei als eine vergleichbar leistungsfähige Freiwilligenarmee, konnten wir mit unserer Analyse nicht bestätigen", fasst Jürgen Schnell, Professor an der Universität der Bundeswehr in München und ehemaliger Generalleutnant, seine Untersuchung zusammen.

Dass die Bundeswehr ein Kostenproblem hat, ist mittlerweile schon den Nato-Partnern aufgefallen. Das bestätigt ein Auszug aus internen Nato-Daten: Danach wendete die Bundeswehr trotz ihrer angeblich billigen Wehrpflichtigen zeitweilig mehr als 59 Prozent ihres Budgets für die Entlohnung ihrer Soldaten auf, die Briten kamen dagegen mit 42 Prozent ihres Etats aus, die USA mit 38 Prozent.

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