Sonntag, 16. Juni 2019

Kreditkrise Milliardenspritze für SachsenLB

Mit 17,3 Milliarden Euro greift die Sparkassen-Finanzgruppe der SachsenLB unter die Arme. Sonst sähen die Sachsen die eigene Bonität gefährdet, so heißt es in der Ad-hoc-Mitteilung.

Leipzig - Die Sächsische Landesbank (Sachsen LB) ist wegen der US-Hypothekenmarktkrise in Finanznot geraten. Die Sparkassen-Finanzgruppe räumte dem Geldinstitut kurzfristig einen Kredit von 17,3 Milliarden Euro ein, erklärte die Sachsen LB mit einer Ad-hoc-Mitteilung.

Hohe Kreditlinie: Die Sparkassen helfen
Dies entspricht den Angaben zufolge dem Gesamtwert der SachsenLB-Tochter Ormond Quay, einer irischen Investmentgesellschaft. Diese ist wegen Verpflichtungen aus einem US-Fonds in Zahlungsschwierigkeiten. Die Finanzspritze wurde laut "Financial Times Deutschland" bei einem Krisentreffen zwischen der Sachsen LB, der Bundesfinanzaufsicht BaFin und des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes vereinbart.

Die Sachsen LB hatte in der vergangenen Woche noch alle Berichte über Probleme im Zusammenhang mit der Immobilienkrise zurückgewiesen. " Es handelt sich um ein temporäres Problem", sagte ein Sprecher der Bank am Samstag der dpa. Hintergrund sei die anhaltende Marktstörung beim Absatz von verbrieften Krediten.

Mit dem Kredit könne die Landesbank ihre Finanzierungsverpflichtungen jederzeit erfüllen. Die Investoren müssten keine Sorge um ihr Geld haben. "Die Umstellung der Refinanzierung der Ormond-Quay-Struktur wird aber das Jahresergebnis der Sachsen LB belasten", räumte der Sprecher ein.

Allerdings werde es keine millionenhohen Bewertungsverluste aus dem Geschäft mit den Immobilienkrediten selbst geben. "Ormond Quay ist nur in mit AAA bewertete Papiere investiert und hält diese bis zur Endfälligkeit", sagt Sprecher Frank Steinmeyer auf Nachfrage gegenüber manager-magazin.de. "Insofern gibt es überhaupt keine Anzeichen für erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeiten."

Die 1992 gegründete Sachsen LB ist die einzige rein ostdeutsche Landesbank. Anteilseigner sind der Freistaat Sachsen mit 37 Prozent und mit 63 Prozent die Sachsen- Finanzgruppe SFG, die aus acht Sparkassen und der Sachsen LB selbst besteht. Vor rund einem Monat wurde das bisher öffentlich-rechtliche Geldinstitut in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Dadurch soll unter anderem die Position auf den internationalen Märkten gestärkt werden. Die Sachsen LB behält aber nach Angaben von Finanzminister Horst Metz (CDU) ihren öffentlichen Auftrag als Scharnier zwischen Staat und Wirtschaft.

Die Sachsen LB hatte nach Skandalen und personellen Querelen wieder Tritt gefasst und 2006 ein Rekordergebnis eingefahren. Der Konzern-Jahresüberschuss stieg binnen Jahresfrist von 6,2 auf 56,5 Millionen Euro.

Das Geldinstitut wird seit Mitte 2005 von Herbert Süß geführt, der zuvor Vorsitzender des Vorstandes der Ostsächsischen Sparkasse Dresden war. Seine Vorgänger waren wegen umstrittener Geschäfte zurückgetreten.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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