Energiebranche Gasnetzriese soll für Milliarden verkauft werden

Exxon Mobil und Shell stehen vor dem Verkauf ihres deutschen Gasnetzbetreibers BEB. Das erfuhr manager-magazin.de exklusiv. Der Wert des Geschäfts soll im einstelligen Milliardenbereich liegen. Damit bahnt sich eine der größten Transaktionen auf dem deutschen Energiemarkt seit Jahren an.
Von Karsten Stumm

Düsseldorf - Auf Deutschlands Energiemarkt kommt ein neues Milliardengeschäft zu: Einer der wichtigsten Gasnetzbetreiber der Republik steht offenbar vor dem Verkauf.

Wie manager-magazin.de aus Branchenkreisen exklusiv erfahren hat, rechnen Exxon Mobil  und Shell  ihre deutsche Erdgastransporttochter BEB nicht mehr zu ihrem Kerngeschäft. Das hannoversche Unternehmen BEB, das in den vergangenen Jahrzehnten ein Pipeline-Netz von rund 3100 Kilometern Länge in Deutschland aufgebaut hat, soll deshalb jetzt - je nach Käuferinteresse - abgegeben werden.

"Seit Beginn der Regulierung auf dem Gasmarkt sind die Gewinnmargen nicht mehr so groß, wie sich die Anteilseigner das wohl einmal erhofft haben. Deshalb sind Überlegungen in dieser Form sicher angestellt worden, ohne dass ich die Marktgerüchte jetzt direkt bestätigen könnte", sagte BEB-Sprecher Matthias Schorr auf Nachfrage.

Nach Informationen von manager-magazin.de ist der Verkaufsprozess der BEB, die je zur Hälfte Exxon Mobil  und Shell gehört, bereits fortgeschritten. Die internationale Anwaltsfirma Clifford Chance sei schon mit der Lösung rechtlicher Fragen betraut, sagen informierte Kreise.

Der Wert der Transaktion geht nach Meinung von Branchenexperten in die Milliarden. Denn BEB hat nicht nur ein ausgedehntes, sondern auch strategisch günstig gelegenes Leitungsnetz. "Aufgrund seiner Lage im Norden Deutschlands hat BEB eine Art Drehscheibenfunktion im europäischen Erdgastransit - von Nord nach Süd und von Ost nach West", sagt Klaus Krämer, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Gas- und Stromhändler. Das Transportvolumen der Firma liegt bei 30 Milliarden Kubikmeter Gas.

Zudem gilt BEB in der Branche als fortschrittliches Unternehmen. So hat die Gesellschaft bereits am 1. Juli 2004 als erstes deutsches Gastransportunternehmen das sogenannte Entry/Exit-Modell für ihr Fernleitungsnetz eingeführt. Gaskunden müssen nun nicht mehr langwierig nach einem freien Transportweg für ihre Gaslieferung suchen.

Gazprom lauert

Gazprom lauert

Für die Streckenbuchung reichen jetzt ein Einspeise- und ein Ausspeisevertrag am Übergang zu dem lokalen Netz des BEB-Kunden, beispielsweise eines Stadtwerks. Damit kommt BEB bereits Forderungen der Bundesnetzagentur nach, die den Gashandel in der Bundesrepublik mit Beginn des neuen Gaswirtschaftsjahres im kommenden Monat in Schwung bringen möchte - auch, wenn die Zahl von derzeit 16 Marktgebieten in Deutschland den Transport noch immer erschwert. Die Bundesnetzagentur möchte die Marktgebiete deshalb auf weniger als zehn reduzieren.

Der Verkauf der BEB an einen Wettbewerber und die anschließende Zusammenlegung der Marktgebiete würde deshalb wohl auch nicht bei der Bundesnetzagentur auf Widerstand stoßen.

Darüber hinaus profitiert BEB vom Start des Gashandels an der Leipziger Energiebörse EEX. Der ist bisher schließlich nur in den Marktgebieten der Unternehmen Eon Gastransport möglich, einer Tochter der Eon Ruhrgas, und eben der BEB. Einzig im Marktgebiet des hannoverschen Unternehmens wird zudem auch schon der Spothandel über die EEX angeboten. Unter dem Strich soll BEB einen kleineren einstelligen Milliardenbetrag wert sein.

Einen Käufer zu finden, sollte deshalb trotz der hohen Summe möglich sein. Selbst das Kartellamt hat nicht einmal unbedingt etwas dagegen, wenn einer der großen anderen Gasnetzbesitzer in der Bundesrepublik für BEB bieten sollte; das sind der Bundesnetzagentur zufolge Eon , RWE  und die BASF- und Gazprom-Tochter Wingas sowie Ontras, die zur Leipziger Verbund Netzgas (VNG) gehört.

"Wir haben Anlass zu der optimistischen Prognose, dass die beginnende Regulierung der Bundesnetzagentur kaum Wettbewerbsnachteile entstehen lässt, selbst wenn ein großer Gasnetzanbieter einen anderen großen kaufen möchte", sagten Sprecher der Kartellbehörde zu manager-magazin.de. "Nur für den Fall, dass die Netzbetreiber versuchen sollten, mittels ihres vergrößerten Netzes auch Vertriebs- und Gruppenvorteile für sich zu schaffen, müsste der mögliche Kauf genau geprüft werden."

Das Bundeskartellamt hat deshalb bereits die Gründung gemeinsamer Strom- oder Gasnetzgesellschaften von sieben Energieversorgern genehmigt: Stadtwerke und Regionalversorger, aber auch große Verbundunternehmen wie es BEB eines ist.

Als mögliche Interessenten für BEB gelten in der Branche nun auch die deutschen Energieriesen RWE und Eon, zumal sich speziell das Eon-Gastransportnetz gut mit dem von BEB ergänzen würde, sagen Marktexperten. Aber auch ausländische Konzerne gelten als mögliche Bieter für das Unternehmen: Gazprom-Chef Alexej Miller , Träger des "Kreuzes Vierten Grades für überragende Verdienste um das Vaterland" etwa, hat sich ohnehin bereits 5,3 Prozent an VNG gesichert, dem größten ostdeutschen Gashändler und Transportnetzbetreiber.

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