Siemens Dubiose Milliardentransfers?

Die Korruptionsaffäre bei Siemens könnte weit größere Ausmaße haben als bislang bekannt. Die US-Ermittler im Münchener Konzern stießen einem Zeitungsbericht zufolge auf dubiose Zahlungen von deutlich mehr als einer Milliarde Euro. Auch die Kraftwerkssparte ist offenbar betroffen.

München - Die Korruptionsaffäre bei Siemens  könnte laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) noch viel größere Ausmaße haben als bislang bekannt. Die internen Ermittler der beauftragten US-Kanzlei Debevoise & Plimpton seien auf fragwürdige Zahlungen von insgesamt weit mehr als einer Milliarde Euro gestoßen, schreibt das Blatt in der Montagausgabe.

Allein in der Kommunikationssparte seien dubiose Transfers von fast 900 Millionen Euro entdeckt worden. "Es geht um riesige Summen", heiße es in der Konzernspitze. Die neuen Erkenntnisse seien "schockierend". Die Transaktionen reichten bis Anfang der 90er Jahre zurück.

Siemens selbst hatte die bis Ende vergangenen Jahres entdeckten zweifelhaften Zahlungen auf 420 Millionen Euro beziffert. Ende Juli räumte der Konzern allerdings ein, dass die tatsächliche Summe wohl deutlich höher liege.

Ein Siemens-Sprecher wollte den Bericht gegenüber manager-magazin.de nicht näher kommentieren: "Zu Details der laufenden Untersuchungen nehmen wir keine Stellung." Der Konzern bemühe sich jedoch um umfassende Aufklärung und Transparenz.

Auch Kraftwerkssparte betroffen

Nach Informationen aus dem Unternehmen stießen die US-Anwälte auch in der Kraftwerkssparte auf dubiose Zahlungen von 250 bis 300 Millionen Euro, schreibt die "SZ" weiter. Auch hier gingen die Transaktionen bis in die 90er Jahre zurück. Die Prüfer seien auf eine Vielzahl unerklärlicher Transfers über Liechtenstein und andere ausländische Konten gestoßen, darunter in Abu Dhabi, heißt es unter Berufung auf das Umfeld der Ermittler. Es spreche einiges dafür, dass es dabei nicht um saubere Geschäfte gegangen sei, auch wenn nicht alle Zahlungen automatisch Schmiergeld sein müssten.

Bisher gab es keine konkreten Hinweise, dass auch die Kraftwerkssparte in großem Stil schwarze Kassen gehabt haben könnte. Auch das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL berichtet nun aber in seiner neuen Ausgabe, bereits im Jahr 2005 seien im Kraftwerksbereich fragwürdige Zahlungen von fast 190 Millionen Euro über Liechtenstein entdeckt worden. Diese Summe sei laut Konzerndokumenten zwischen 1997 und 1999 über drei Konten geflossen, schreibt das Magazin unter Berufung auf vorliegende Papiere.

Die Antikorruptionsabteilung der Sparte habe bereits 2005 eine Erlanger Anwaltskanzlei beauftragt, die Zahlungen zu untersuchen. Bis heute sei unklar, wofür sie letztlich verwendet worden seien. Ein Siemens-Sprecher wollte die Angaben am Samstag nicht bestätigen.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa-afx