Autoabsatz "Im Moment leiden alle"

Ausländische Autobauer haben auf dem deutschen Markt zu kämpfen. Aber die Kaufzurückhaltung trifft heimische Hersteller ebenso wie Importeure. Im Ringen um die CO2-Grenzwerte von Neuwagen haben sich EU-Kommissar Günther Verheugen und Audi-Chef Rupert Stadler unterdessen für eine Staffelung ausgesprochen.

Bad Homburg - "Im Moment leiden alle", sagte der Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), Volker Lange. "Ich gehe davon aus, dass der Markt 2007 schrumpfen wird", so Lange weiter. Das Ziel von 3,25 Millionen Neuzulassungen in diesem Jahr nannte Lange "optimistisch": "Es könnte auch darunter liegen." Die ursprüngliche Prognose von 3,4 Millionen hatte der VDIK bereits im Sommer gesenkt.

Der Umsatz der ausländischen Hersteller werde wegen der Flaute am Markt voraussichtlich unter dem Vorjahresniveau von 19,5 Milliarden Euro liegen. Einen Hoffnungsschimmer biete aber die Internationale Automobil-Ausstellung IAA im September in Frankfurt. Die aktuelle Klimadebatte werde den Importeuren, die vorwiegend verbrauchsarme Kleinwagen und auch Hybrid-Antriebe im Angebot haben, einen Schub geben. "Das zeigt sich aber bislang am Markt noch nicht." Grund dafür sei, dass Privatkunden ihren Kauf verschöben, während Firmenkunden traditionell eher zu größeren Fahrzeugen griffen.

In den ersten sieben Monaten hatten die Autohersteller in Deutschland 8 Prozent weniger Wagen verkauft als im Vorjahreszeitraum. Für die schleppende Nachfrage machte Lange vor allem die zunehmende Verunsicherung der Verbraucher verantwortlich. "Schuld sind die langen Debatten und die Blockade in der Politik."

So sei beispielsweise unklar, wie Autos künftig besteuert würden. Der Verbandspräsident plädierte für eine Orientierung der Kfz-Steuer am Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und eine Verschrottungsprämie für Altautos. "Bislang ist kein Anreiz vorhanden, verbrauchsarme Autos zu kaufen", kritisierte Lange. "Steuerliche Anreize sind der einzig vernünftige Weg."

Im Segment der schadstoffarmen Fahrzeuge seien die Importeure gut aufgestellt. So stammten nach Verbandsangaben 2006 mehr als die Hälfte der Autos mit einem CO2-Ausstoß von weniger als 140 Gramm pro Kilometer von ausländischen Autobauern. Das ist weit mehr als der gesamte Marktanteil von knapp 36 Prozent. Derzeit liege der durchschnittliche Verbrauch der Import-Neufahrzeuge bei 6,7 Litern pro 100 Kilometer - gegenüber 7,24 Litern im Schnitt aller Neufahrzeuge in Deutschland. "In fünf Jahren sind wir mit Sicherheit unter sechs Litern angelangt."

Die anhaltende Rabattschlacht auf dem deutschen Markt mit Preisnachlässen auf Rekordniveau bezeichnete Lange als besorgniserregend. "Die Rabattschleuderei hat bei einigen Marken schon eine Grenze überschritten. Das ist wirtschaftlich auf Dauer nicht verträglich." Das könne dazu führen, dass die Zahl der Händler zurückgehe. Von einem "Händlersterben" wollte Lange allerdings nicht sprechen.

Im Ringen um europäische Schadstoff-Grenzwerte für Neuwagen hat EU-Industriekommissar Günther Verheugen unterdessen eine unter Umständen nach Fahrzeuggrößen differenzierte Regelung angekündigt. "Der Grenzwert kann nicht für jedes Auto derselbe sein. Es ist ein Naturgesetz: Je mehr Masse ich bewege, desto mehr Energie brauche ich", sagte der zuständige Vizepräsident der EU-Kommission der "Bild am Sonntag". Ob die Unterscheidung nach Gewicht oder nach anderen technischen Merkmalen vorgenommen werde, sei noch nicht entschieden.

Audi-Chef Rupert Stadler sprach sich derweil für eine Staffelung der Grenzwerte nach dem Leergewicht des jeweiligen Autos aus. Zugleich hob er in der "Wirtschaftswoche" die große Bedeutung der absatzstärksten Automarken für eine Reduzierung der Emissionen hervor. Stadler sagte, sein Unternehmen sei bereit, in der Premiumklasse Vorbildliches zu leisten. Allerdings sei es aus Klimaschutzgründen noch wichtiger, dass die absatzstärksten Hersteller beim CO2-Ausstoß Fortschritte erzielten.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ap

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