US-Kreditkrise Milliardenrisiken für Deutsche Banken

Immer mehr deutsche Banken räumen Probleme mit US-Immobilienkrediten ein. Am tiefsten steckt die IKB im Hypotheken-Sumpf. Aber auch die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Postbank, die WestLB und die SachsenLB sind von der Krise betroffen.

Hamburg - Die Deutsche Bank , die Commerzbank  und die französische Großbank BNP Paribas  gehören zu den Gläubigern der Pleite gegangenen US-Hypothekenbank HomeBanc Corp. Das geht aus Unterlagen der US-Finanzaufsicht SEC hervor, die auf der Webseite der Homebanc zu finden sind. Die US-Bank hatte Ende der Woche Gläubigerschutz in den USA beantragt. Auch eine Tochter der belgisch-niederländischen Bank Fortis  taucht in der Liste der Gläubiger des US-Geldverleihers auf.

Wie hoch die Kredite waren, die die Banken gewährten, ist noch unklar. Die Deutsche Bank wollte auf Anfrage keinen Kommentar zu dem Thema abgeben.

Homebanc hatte in einer Mitteilung an das Insolvenzgericht in Wilmington sein Vermögen auf 5,1 Milliarden Dollar und die Schulden auf 4,9 Milliarden beziffert. Schätzungen, wie viel Geld das Institut seinen Gläubigern schuldet, die Homebanc Kredite ohne Besicherung gewährt hatten, legte der Hypothekenfinanzierer nicht vor. Zu diesen Gläubigern zählt die US-Investmentbank JPMorgan. Größter Aktionär von Homebanc ist die FMR Corp, die Mutterfirma der Fondsgesellschaft Fidelity. FMR halte ein Sechstel der Homebanc-Aktien, erklärte die Hypothekenfirma.

600 Millionen Euro hat die Postbank  in das Geschäft mit wackeligen Anleihen auf dem US-Immobilienmarkt investiert. Die WestLB erklärte sogar, der Konzern habe inklusive aller Töchter insgesamt 1,25 Milliarden Euro im sogenannten Suprime-Sektor (Kreditgeschäft mit Kunden mit geringer Bonität) angelegt.

Stets beteuern die Kreditinstitute, ausschließlich in Wertpapiere mit guten Bewertungen wie "A" und "AA" oder gar dem höchsten Ranking "AAA" investiert zu haben. Trotzdem müssen sie nun hunderte Millionen Euro umschichten oder ganz abschreiben - weil die renommierten Ranking-Agenturen die Risiken völlig falsch einschätzten, oder weil die Investment-Strategen leichtsinnig mit riskanten aber hoch verzinsten Wertpapieren spielten.

Die Postbank musste nach Informationen des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL vergangene Woche ihre Verbindungen zur Rhineland Funding Capital Corporation kappen. Das Bonner Institut hat außerhalb der Bilanz in zwei Untergesellschaften des Fonds investiert und auch Garantien abgegeben. "Die Postbank selbst stellte Liquiditätslinien im Zusammenhang mit Rhineland zur Verfügung", bestätigte ein Sprecher.

Nach Gesprächen mit der Bafin wurde diese Position vollständig aufgelöst. "Wir haben diese Woche Vorkehrungen getroffen, die sicherstellen, dass diese Investments komplett in unsere eigenen Bücher kommen", heißt es in der Bank.

Bereits am Donnerstag hatte die WestLB eingeräumt, die Verwerfungen am US-Immobilienmarkt hätten auch sie erreicht. Die Situation der von Verlusten im Eigenhandel gebeutelten Bank lasse sich aber in keiner Weise mit der IKB vergleichen, erklärte ein Sprecher der WestLB.

Erst zu Wochenbeginn war ein von der WestLB Mellon verwalteter Fonds eingefroren worden. Dieser sei aber nicht im US-Markt für Hypothekendarlehen engagiert, hatte ein WestLB-Mellon-Manager versichert.

"Wir haben keine Liquiditätsprobleme"

"Wir haben keine Liquiditätsprobleme"

Auch die Mittelstandsbank IKB steckt nach Informationen des SPIEGEL noch viel tiefer im US-Hypothekensumpf als bisher bekannt.

Wegen des Verlustrisikos hatte die Bank eine Gewinnwarnung herausgegeben, die bundeseigene KfW - die 38 Prozent an der IKB hält - sprang mit einer Kreditlinie ein. Bekannt war da lediglich die Höhe der von der Finanzaufsichtsbehörde BaFin erzwungenen Risikoübernahme: 3,5 Milliarden Euro.

Tatsächlich ist die IKB aber noch viel stärker auf dem kriselnden US-Hypothekenmarkt engagiert: 544 Millionen Euro investierte die Bank selbst in die hoch riskanten Wertpapiere, die auf so genannten subprime loans basieren. Weitere 757 Millionen Euro investierte die Luxemburger Tochter der IKB in die Wackel-Anleihen. 6,5 Milliarden Euro der nunmehr teilweise unwiederbringlichen Investments liefen über die Rhineland Funding Capital Corporation.

Auch die SachsenLB ist angesichts der Krise ins Rampenlicht geraten. Die Finanzaufsicht BaFin nimmt eine umgerechnet fast 13 Milliarden Euro schwere Zweckgesellschaft der Bank ins Visier, die wie der in Schieflage geratene IKB-US-Fonds am krisengeschüttelten Kreditmarkt engagiert ist.

Die Landesbank versuchte zu beschwichtigen. "Wir haben keine Liquiditätsprobleme. Wir können alle unsere Verpflichtungen erfüllen", sagte ein Sprecher der Bank. Die Lage der SachsenLB sei nicht mit der von der IKB vergleichbar. Es gebe keine Anzeichen für erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeiten bei dem Fonds, der ausschließlich in Papiere investiert habe, die mit "AAA" eingestuft seien.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters