China Ein Land überhitzt

China sieht immer stärkere Anzeichen für eine Überhitzung der boomenden Wirtschaft. Die Notenbank kündigte in ihrem Quartalsbericht an, die Geldpolitik weiter zu straffen, um die Inflation abzubremsen. Preise für Lebensmittel sind um mehr als 11 Prozent gestiegen.

Peking - "Der gegenwärtige Preisanstieg beruht nicht nur auf vorübergehenden Faktoren, der Inflationstrend zeigt vielmehr klar nach oben", erklärten die Währungshüter.

Anleger befürchten, dass ohne ein Gegensteuern der Notenbank die hohe Teuerung den Wirtschaftsboom abrupt beenden und damit auch die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Die chinesischen Verbraucherpreise sind zuletzt im Jahresvergleich um 4,4 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Inflationstreiber sind vor allem die Lebensmittelpreise, die um mehr als elf Prozent zulegten. Die Notenbank betonte, dass die Nahrungsmittel die Teuerung auch in verwandten Branchen wie bei den Lebensmittel-Verarbeitern nach oben ziehe.

Bald drittgrößte Volkswirtschaft der Welt

Auch für den restlichen Jahresverlauf erwarten die Währungshüter ein kräftiges Wirtschaftswachstum, das die Preise hoch halten wird. Im zweiten Quartal legte die Wirtschaftsleistung um knapp zwölf Prozent zu und damit so stark wie seit elf Jahren nicht. China ist damit auf Kurs, möglicherweise noch in diesem Jahr Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt abzulösen.

Mit Blick auf den Handelsüberschuss, der zuletzt im Juni auf das Monatsrekordniveau von knapp 27 Milliarden Dollar stieg, sagte die Zentralbank ebenfalls keine Entspannung voraus. Dieses werde voraussichtlich weiter hoch bleiben. Der Überschuss ist den chinesischen Handelspartnern ein Dorn im Auge, da sie wegen des künstlich niedrig gehaltenen Yuan Nachteile am Weltmarkt erleiden.

Freigabe des Wechselkurses steht nicht an

Zuletzt hatte US-Finanzminister Henry Paulson bei einem Besuch in Peking erneut eine völlig Freigabe des Wechselkurses gefordert.

Chinas Zentralbank stellte aber klar, dass nach ihrer Sicht die Währung nur eine Stellschraube sei, um das Problem der Handelsungleichgewichte zu lösen. Andere geldpolitische Maßnahmen müssten dazukommen. China hatte vor zwei Jahren die starre Anbindung der Landeswährung zum Dollar etwas gelockert, was zu einer Aufwertung des Yuan führte. Seither darf der Kurs in engen Spannen schwanken.

manager-magazin.de mit Material von reuters