Bahn Schlichtung in letzter Minute möglich

Kurz vor den Streiks im Güterverkehr haben die Deutsche Bahn und die Lokführer-Gewerkschaft GDL Bereitschaft zur Vermittlung in letzter Minute bekundet. Ein Schlichter hat bis Donnerstag Zeit, doch noch eine Lösung zu erzielen.

Berlin - GDL-Chef Manfred Schell sagte, er werde sich nicht gegen einen Moderator sperren, "der dann versucht, irgendetwas in die Wege zu leiten". Bahn-Personalvorstand Margret Suckale wertete dies als positives Signal.

Die GDL will am Donnerstag für vier Stunden den Güterverkehr auf der Schiene lahm legen. Bei einem längeren Ausfall des Frachtverkehrs befürchten viele Konzerne Einbußen in Millionenhöhe. Den Aufschwung der Wirtschaft insgesamt dürfte der Arbeitskampf vorerst aber kaum bremsen.

"Eine solche Mediation kann sehr schnell beginnen", sagte Suckale zu einer Vermittlung. Ein für beide Seiten akzeptabler Mediator werde sich finden lassen. Bahn und GDL hätten darüber aber noch nicht gesprochen. Für ein Schlichtungsverfahren wäre es nach ihren Worten zu früh: "Eine Schlichtung kommt dann, wenn man vorher verhandelt hat und am Verhandlungstisch keine Einigung gefunden hat."

Bahn lehnt eigenen Tarifvertrag für Lokführer ab

Inhaltlich zeigte Suckale kein Entgegenkommen. Den von der GDL geforderten eigenen Tarifvertrag für Lokführer und Zugbegleiter lehnte sie erneut ab. GDL-Chef Schell macht dies aber zur Hauptbedingung, während er Kompromissbereitschaft bei der Lohnhöhe zeigte.

Die Forderung nach mindestens 31 Prozent mehr Bezahlung nannte er verhandelbar. Der Gewerkschaftschef lehnte es im TV-Sender N-24 erneut ab, auf Vorschlag der Bahn einen Sachverständigen darüber befinden zu lassen, ob Lokführer und Zugbegleiter zu schlecht bezahlt werden.

Transnet kritisiert "Alleingang"

Ein Ultimatum der GDL an die Bahn, zur Abwendung des Streiks bis Dienstagabend ein neues Angebot vorzulegen, wollte das Unternehmen verstreichen lassen. Die mit der GDL konkurrierende Gewerkschaft Transnet sprach von einem Alleingang der Lokführer und einer "Verrohung kollegialer Sitten". Ihre Mitglieder würden von GDL-Kollegen beschimpft.

Einen gezielten Einsatz seiner Mitglieder als Streikbrecher schloss Transnet-Chef Norbert Hansen aus. Bei der GDL sind nach deren Angaben fast 80 Prozent der 20.000 Bahn-Lokführer organisiert.

Wirtschaftsverbände und Unternehmen warnten vor gravierenden Folgen eines längeren Streiks. "Kürzere Störungen auf der Schiene können durch die Unternehmen aufgefangen werden", sagte BDI-Präsident Jürgen Thumann. "Längere Unterbrechungen der Transporte können die Produktion in vielen Unternehmen empfindlich beeinträchtigen."

Der Aufschwung wird darunter nach Experteneinschätzungen nicht leiden. "Konjunkturelle Auswirkungen dürfte es kaum geben", sagte Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) zu Reuters. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzte die möglichen Schäden auf täglich etwa 100 Millionen Euro. Unternehmen wie Volkswagen und Porsche warnten vor Produktionsausfällen und Schäden in Millionenhöhe.

Wer vom Streik profitiert

Wer vom Streik profitiert

Generell hat die Wirtschaft die Lagerhaltung zurückgefahren und ist stärker auf zeitnahe Anlieferungen von Vorprodukten und Rohstoffen angewiesen. Transport-Engpässe können vom Speditionsgewerbe kaum ausgeglichen werden.

Zusätzliche Lastwagen seien "so gut wie gar nicht" verfügbar, sagte eine Sprecherin des Speditions- und Logistikverbandes. Einzelne Unternehmen könnten vom Streik indes auch profitieren. So rüsten sich etwa Autovermieter für einen Kundenansturm.

Den Personenverkehr will die GDL vorerst nicht bestreiken. Aber auch dort könnte es durch stillstehende Güterzüge zu Verspätungen kommen. Reiseveranstalter warnten Urlauber, dass sie sich bei Ausfall der Zugverbindung selbst um die Anreise zum Flughafen oder zum Ferienort kümmern müssten, selbst wenn die Reisebuchung einen Gutschein "Zug zum Flug" beinhalte.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

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