Bahn-Streik Notfallpläne bei VW und Co.

Der geplante Lokführerstreik im Güterverkehr könnte die Automobilhersteller Daimler, VW und Porsche hart treffen. Karosserien zwischen den einzelnen Werken werden in Spezialwaggons transportiert - ein Ausweichen auf Straßentransport ist schwierig. Krisenmanager sind alarmiert.

Stuttgart - Die beiden Automobilhersteller transportieren einen nicht unwesentlichen Teil ihrer fertigen Fahrzeuge mit der Bahn, bestätigten Sprecher beider Unternehmen am Dienstag. Nach Einschätzung des Verbands Spedition und Logistik in Baden-Württemberg wäre ein Verlagerung des Transports auf die Straße recht schwierig, weil die Lkw-Kapazitäten wegen der guten Konjunktur fast voll ausgebucht seien.

Der Autobauer DaimlerChrysler  ist nach Angaben eines Sprechers auf den Streik vorbereitet. Das Unternehmen habe Notpläne ausgearbeitet. Täglich würden vier bis sieben Güterzüge zwischen dem Hauptproduktionswerk Sindelfingen sowie den Standorten Bremen, Bremerhaven und Rastatt verkehren.

In den Güterzügen würden sowohl fertige Pkw als auch Teile zur Fertigung transportiert. Zu finanziellen Auswirkungen für den Stuttgarter Konzern wollte der Sprecher nichts sagen: "Dazu können wir nur eine Auskunft geben, wenn wir direkt betroffen sind."

Porsche: Produktion im Werk Leipzig bedroht

Bei einem länger anhaltenden Streik der Lokführer befürchtet der Sportwagenbauer Porsche  einen Produktionsstillstand für seinen Standort Leipzig. Bis Mitte nächster Woche seien allerdings noch Werksferien in Leipzig. Sollte dann noch gestreikt werden, würde es den Standort hart treffen.

Täglich würden aus dem VW-Werk Bratislava etwa 180 Karosserien nach Leipzig mit der Bahn gebracht. Dazu gebe es keine Alternativen durch Lkw. Die Karossierien würden in Spezialwaggons transportiert. Im Porsche-Hauptwerk in Stuttgart- Zuffenhausen laufen die Werksferien noch bis zum 20. August.

Von den 160 dort täglich gefertigten Sportwagen würden 50 Prozent mit der Bahn zum Übersee-Export nach Emden gehen.

Dafür gebe es bei einem weiteren Streik Notfallpläne für den Transport über die Straße.

VW: Konzernlogistik alarmiert

Volkswagen: Produktion an neun Standorten

Auch Europas größter Autobauer Volkswagen  rechnet durch den bevorstehenden Streik im Güterverkehr der Bahn täglich mit Schäden in Millionenhöhe. Analysen im Vorfeld des von der Lokführergewerkschaft angekündigten Arbeitskampfs hätten ergeben, dass durch Produktionsausfälle bei einem durchschnittlichen Automobilwerk mit einem Schaden in dieser Größenordung gerechnet werden müsse, sagte ein VW-Sprecher am Dienstag in Wolfsburg.

Die Marke Volkswagen produziert im Inland an insgesamt neun Standorten. Hinzu kommen zwei Werke der VW-Tochter Audi. Derzeit würden Strategien für ein Ausweichen der Transporte auf die Straße erarbeitet, sagte der Sprecher weiter. "Wir haben im Moment keine Ahnung, an welchem Standort es uns trifft."

Die Logistik sei alarmiert, ein Krisenstab eingerichtet. Die Lokführergewerkschaft GDL will ab Donnerstag bundesweit den Bahn-Güterverkehr lahmlegen. Der Personenverkehr soll zunächst nicht bestreikt werden. Mit dem Streik will die Gewerkschaft einen eigenen Tarifvertrag durchsetzen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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