Turnaround Snow gibt Chrysler drei Jahre

Der kriselnde US-Autohersteller Chrysler wird nach Einschätzung von Cerberus-Chef John Snow deutlich später wieder Gewinne schreiben als bislang geplant. DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche hatte seinerzeit schwarze Zahlen für 2009 versprochen.

New York - "Ich denke, Sie werden sehen, dass Chrysler innerhalb von drei Jahren in einer sehr viel besseren Verfassung ist", sagte der Chef der US-Beteiligungsgesellschaft, John Snow, der Tageszeitung "Financial Times" (FT). Bis dahin werde das Unternehmen wieder in die Gewinnzone zurückkehren.

Cerberus hatte am Freitag das Ruder bei dem mittlerweile nur noch viertgrößten Autobauer am US-Markt übernommen. Alteigentümer Daimler begnügt sich nach einer kräftigen Abwertung des Firmenwerts mit der Juniorrolle.

Der als früherer Chrysler-Sanierer an die Daimler-Spitze gerückte Konzernlenker Dieter Zetsche hatte im Februar einen milliardenschweren Sanierungsplan vorgestellt und noch für das kommende Jahr die Rückkehr von Chrysler in die Gewinnzone versprochen. 2009 sollte das unter hohen Produktionskosten und Überkapazitäten leidende Unternehmen diesem Plan zufolge eine Umsatzrendite von 2,5 Prozent erwirtschaften.

Verhandlungen über neuen Tarifvertrag

Offensichtlich schätzt der neue Eigentümer die wirtschaftliche Lage bei Chrysler nach Durchsicht der Bücher nun pessimistischer als Daimler ein. Seit Mitte Juli verhandeln die drei US-Autohersteller Chrysler, Ford und GM zudem mit der Gewerkschaft über einen neuen Tarifvertrag. Chrysler dringt insbesondere auf eine Senkung der Zuschüsse zu den Gesundheitskosten für die Beschäftigten und Pensionäre, die bislang mit rund 1000 Dollar pro verkauftem Auto zu Buche schlagen.

Ein Daimler-Sprecher wollte sich am Dienstag nicht zu den Geschäftsprognosen von Cerberus äußern. "Ich kenne die Annahmen von Herrn Snow nicht", sagte der Sprecher. Für Daimler gebe es keinen Grund an den bisherigen Prognosen zu rütteln. Über die bei Daimler verbleibende Beteiligung an Chrysler in Höhe von knapp 20 Prozent hat die wirtschaftliche Lage bei Chrysler auch weiter Einfluss auf die Bücher des Stuttgarter Autokonzerns.

Im Zuge der Abtrennung von Chrysler entledigte sich Daimler jedoch weitgehend der milliardenschweren Lasten für Alters- und Gesundheitsvorsorge der Chrysler-Mitarbeiter und - Pensionäre. Allerdings muss DaimlerChrysler weitere Darlehen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro bereitstellen, da Cerberus eine entsprechende Anleihe bislang nicht am Kapitalmarkt platzieren konnte.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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