Bahn-Streik Private Bahnen prüfen Schadensersatzklagen

Ein flächendeckender Streik bei der Bahn dürfte die deutsche Wirtschaft täglich zwei- bis dreistellige Millionenbeträge kosten, schätzt das DIW. Stahl- und Autohersteller wären besonders betroffen. Private Bahnunternehmen prüfen unterdessen ebenfalls Regressforderungen gegen die Lokführergewerkschaft.

Berlin - "Sind die Schienen blockiert, können auch wir nicht fahren", sagte der Geschäftsführer des Netzwerks Privatbahnen, Arthur-Iren Martini, dem "Tagesspiegel". Kleine Unternehmen seien deshalb in ihrer Existenz bedroht. Das Netzwerk vertritt nach eigenen Angaben 23 Firmen, darunter überwiegend Güterverkehrsunternehmen.

Mehr Aufträge durch den Streik erhoffen sich dagegen die Lkw-Spediteure: "Wenn die Nachfrage durch den Streik bei der Bahn noch steigt, wird das helfen, die Preise mal nach oben zu drücken", zitierte die Zeitung Frank Wylezol, Geschäftsführer beim Hamburger Verband Straßengüterverkehr und Logistik. Die Transportpreise könnten im deutlich einstelligen Prozentbereich steigen.

Wenn es zu flächendeckenden Arbeitsniederlegungen käme, wären nach Einschätzung des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW) zwei- bis dreistellige Millionenbeträge pro Tag fällig. Auch Bahn-Personalvorstand Margret Suckale drohte der Lokführergewerkschaft GDL Schadensersatzforderungen an.

Stahl- und Autohersteller: Nicht jeder kann umsteigen

DIW-Verkehrsexpertin Claudia Kemfert sagte der "Frankfurter Rundschau", während Nahrungsmittel-Produzenten im Notfall auf Lastwagen umsteigen könnten, seien insbesondere die Stahlhersteller und Metallverarbeiter auf die Bahn angewiesen.

Der Chef des Stahlkonzerns Salzgitter, Wolfgang Leese, sagte dem "Handelsblatt": "Das Verkehrsaufkommen der Bahn für die Stahlindustrie ist gewaltig, und deshalb haben Störungen bedeutende Auswirkungen." Bei einem längeren Streik befürchtet auch Porsche einen enormen Schaden, und BMW arbeitet laut "Handelsblatt" an Notfallplänen.

Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) warnte davor, dass es schon nach wenigen Tagen Versorgungsengpässe geben könnte. "Je nach Streikintensität könnten bis zu 80 Prozent der auf Schiene transportierten Güter brachliegen", sagte BME-Hauptgeschäftsführer Holger Hildebrandt. "Der Straßengüterverkehr ist ausgelastet, es gibt weder Fahrer noch Kapazitäten." Auch Binnenschiffe seien nur für wenige Güter eine Option.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters

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